27.06.2011 20. Woche
Schrift vergrößern   Schrift verkleinern

Beyblade-Fieber

Unterwegs nach Soho; höllische Hitze in der Tube; Stinker an Bord; wo sind die Beyblades; Kaffee und Kuchen in der Bar Italia
Es ist Sonntagnachmittag und gerade haben sich Finn, Josh und Sue von mir verabschiedet. Sie werden jetzt Hamleys besuchen (ein riesiges Kaufhaus in London wo nur Kinderspielzeug angeboten wird), um dort Beyblades aufzutreiben. Ist das Beyblade-Fieber auch schon in Deutschland ausgebrochen? Hier tobt es seit Wochen. Beyblades sind Kreisel, die durch eine spezielle Vorrichtung, den Launcher, stark beschleunigt werden können. Wie das bei Kids so ist, bricht ein solcher Trend in der Schule aus. Ein Kind hat die Beyblades und plötzlich wollen die Dinger alle haben. Eben hatten wir schon ein Kaufhaus abgeklappert, aber dort waren sie ausverkauft. Sue erklärte sich also bereit, zu Hamleys in die Regent Street zu laufen.

Ich nahm an meinem Schreibtisch Platz, denn ich muss unbedingt noch einige Stunden malochen. Heute ist in London Kaiserwetter. Es sind etwa 28 Grad, die Sonne scheint und der blaue Himmel lädt zum Spaziergehen ein. Sue schlug vor, dass wir an diesem Tag den Kids meinen Arbeitsplatz in Soho zeigen. Eine großartige Idee, auch und vor allem, weil ich dann nicht ganz so viel Arbeiten muss ...

Nachdem wir den Morgen im Garten verbracht hatten, aber es dort in der Sonne zu heiß wurde (wir haben zurzeit nur einen Behelfsonnenschirm in Form eines Bettlakens), bestiegen wir den Bus Nr. 26 und stiegen in Bethnal Green in die Tube um. Die Londoner U-Bahn ist im Sommer kein Vergnügen, denn dort unten herrschen ganz fix satanische Temperaturen. Natürlich waren wir auch nicht die einzigen, die an diesem herrlichen Tag die Stadt erkunden wollten und so mussten wir uns ziemlich quetschen. Zum Glück waren es aber nur sechs Stationen. Mit das schlimmste am sommerlichen Tubefahren sind solche Passagiere, die offensichtlich weder Zugang zu Deo noch Seife noch Wasser zu haben scheinen. Es braucht nur einen Stinker im Abteil und schon müffelt es ganz gewaltig. Ich habe in der Vergangenheit schon Tubefahrten unterbrochen, weil ich den Gestank nicht aushalten konnte. Warum waschen sich manche Menschen nicht? Das will mir einfach nicht in den Kopf. Es ist doch nicht teuer, oder?

Sechs Stopps später schälten wir uns aus der U-Bahn und genossen die halbwegs frische Luft der Londoner Innenstadt. Wir waren an der Tottenham Court Road ausgestiegen, eine bekannte Shoppingmeile für Hifi und Elektronik. Nach einem kurzen Fußmarsch waren wir schließlich an meinem Büro angelangt. Es ist natürlich nicht „mein“ Büro, sondern das Büro eines Freundes, das ich mitbenutze. Er wiederum hat den Raum von einer Designagentur gemietet.

Finn und Josh brennen stets darauf sich meinen Arbeitsplatz anzuschauen. Das war schon bei meinen früheren Arbeitgeber Haymarket so. Keine Ahnung, warum das so ist. Vielleicht ist das Konzept von Arbeit für Kinder einfacher zu verstehen, wenn sie es mit anschaulichen Gegenständen wie Computer, Schreibtischen und Büroräumen verbinden können. Natürlich wollten die Kids auch allen möglichen Computern herumfummeln, was sie nicht durften.

Nach einer halben Stunde wollten wir einen Kaffee trinken gehen, aber das erwies sich Herausforderung. Soho hat zwar sehr viele Cafés, aber sie sind oft winzig klein oder Schwulentreffs. Beides schien mir ungeeignet für meine Kids. Eigentlich wollten wir in Ed’s Diner (ein Restaurant im Stil der 1950er Jahre) einen Milchshake trinken, aber es ist ein Restaurant, das heißt man muss dort auch etwas verzehren. Da wir momentan etwas knapp bei Kasse sind, nahmen wir mit der Bar Italia Vorlieb. Die Bar Italia ist eines der berühmtesten Cafés in London. 24 Stunden geöffnet und das seit 1949 mit der original Inneneinrichtung von damals. Sie ist schon etwas abgestoßen, aber das gibt der Sache nur noch mehr Flair. Der Kaffee dort soll der beste in London sein. Nach Kaffee und Kuchen machte sich Sue auf den Weg zu Hamleys (siehe oben) und ich quälte mich trotz des herrlichen Wetters ins Büro – irgendwo muss die Kohle ja herkommen.

Bei herrlichem Sonnenschein verabschiede ich mich wehmütig (nicht, weil mein Tagebucheintrag jetzt zu Ende geht, sondern weil ich nicht in der Sonne sitzen kann).

Bye, bye,

Frank

PS: Mein Tagebuch ist diesmal kürzer weil a.) diese Woche nicht viel passiert ist und b.) ich im Moment ziemlich viel zu tun habe...

Dieses Tagebuch abonnieren:


Neuer Beitrag? Bitte schicken Sie mir eine Nachricht! Die Benachrichtigungen kann ich durch Anklicken des "beenden"-Links am Ende jeder eMail stoppen.
Meine eMail:

Kommentar zu diesem Beitrag schreiben:

Name, Ort:
Mein Kommentar:

Kommentare von Lesern:

 
Frank, London:
05.07.2011 18:01
Hallo Volker,

bei uns geht leider die Magen- und Darmgrippe um und mich hat es auch gerade erwischt. Sorry, nächste Woche bin ich wieder auf dem Damm.

Bis dahin,

Frank
Volker aus Kassel:
05.07.2011 12:27
Hallo Frank,

schreibst Du diese Woche gar nicht?

Tagebuch Frank H. Diebel

Frank H. Diebel
Alter: 44 Jahre
Wohnort: London
Beruf: Journalist
Familienstand: verheiratet
Geburtstag Kind: Finn: 23.10.00; Josh: 2.9.02
Letzter Eintrag: 19.12.2011

Alle Väter-Tagebücher lesen Alle Väter-Tagebücher
Tagebuch lesen  20. Woche
Beyblade-Fieber