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Männer am Renner

Männer am Renner - RCC  Renner für Jung und Alt
Bild: Pinnow-Locnikar

Einmal richtig vollgas lossausen wie bei der Formel 1 – ein Traum von vielen Söhnen und Vätern. Bei einem echten Rennen können schon Sechsjährige mitmachen und ferngesteuerte RC-Autos über die Piste jagen.
„Papa, ich wünsch mir ein Fernsteuerauto!“ Den Satz kenne ich von meinen Söhnen, seit sie ungefähr fünf Jahre alt waren. Seitdem haben sie auch das eine oder andere Fernsteuerauto verschlissen: die Antennen krumm, die Plastik-Karosse verkratzt und eingerissen, manchmal sogar eine Radaufhängung abgebrochen – die Teppichflitzer-Leichen einer halben Kindheit bilden einen kleinen Schrottplatz auf dem Dachboden. Jetzt steht mein Jüngster, demnächst acht Jahre alt, vor mir und schon wieder höre ich diesen Satz. „Was ist denn mit deinem letzten Auto?“ frage ich. Er druckst ein bisschen herum: „Das geht schon noch… aber das ist so langweilig… und so langsam…“ Okay, ich sehe es ja ein: Die Billigautos für 49,99 vom Elektronikladen nebenan sind nicht der Weisheit letzter Schluss. Da muss es doch auch noch was geben, was ein bisschen mehr Spaß macht – so dass ich als Vater auch mal so richtig mit meinen Söhnen losrasen kann.

Der Blick in den Modellbaukatalog eines deutschlandweiten Großanbieters verursacht Verwirrung: Da ist von „Brushless“-Motoren die Rede, von „Pivot Ball“-Aufhängungen, „High Torque“-Fernbedienungen und „RtR“-Modellen – erst einmal zu viel Fachchinesisch für mich. Also muss ich mich schlau machen – und gehe zu den Profis.

Training in der Halle



In der Turnhalle eines Sportvereins nahe Bremen trainieren am Wochenende die Mitglieder des Vereins „RCWorld OHZ/HB“. In der Halle herrscht geschäftiges, aber hoch konzentriertes Treiben: Tourenwagen rasen über eine kurvige Rennstrecke. An den Boxen wird an den Motor- und Fahrwerkseinstellungen der Boliden gefeilt, werden neue Reifen auf- und Schrauben angezogen. Aber hier heulen keine Benzinmotoren auf, hier stinkt es nicht nach Abgas und Gummiabrieb – die Renner werden elektrisch angetrieben. Das wäre eine tolle Zukunftsvision für die Formel 1, aber die schnellen Rennfahrzeuge in der Turnhalle des TuS Huchting sind Miniaturen im Maßstab 1:8 oder 1:10.
Die Fahrer stehen mit ihren Fernsteuerungen auf Podesten an einer großen Nadelfilzfläche, auf der die Rennstrecke angelegt ist. An einer Seite ist eine Reihe mit Klapptischen aufgebaut, jeder Tisch eine Rennstall-„Box“. Darauf ein vollgepacktes Gewirr aus Laptops, Schrauben und Ritzeln, Rädern und Reifen, Werkzeug und Messgeräten, Kunststoff-Karosserien und Karbon-Chassis.

Schnell wird klar: Das ist was für Männer. Das Alter spielt keine Rolle: Es sind auch kleine Männer da. Marc (9) ist mit seinem Papa Frank Falkenberg extra aus Hamburg gekommen. Frank fährt seit 16 Jahren, sein Sohn hat vor einem Jahr mit einem „Buggy“ angefangen. Das sind Fernsteuermodelle „für draußen“, für Geländestrecken. Jetzt sitzt Marc an seiner Box und putzt eifrig das Innenleben seines Flitzers. „Ich mach das gern überall sauber“, erzählt er. „Das muss man, sonst fährt das Auto nicht mehr so schnell.“ Frank erklärt: „Die Nadelfilzfusseln kommen ins Fahrzeug und lagern sich am Chassis und an der Batterie ab. Wenn man das nicht saubermacht, kommen die an die Achsen und verschmutzen die Kugellager.“

Bild: Pinnow-Locnikar

Einsteigerprogramm



Marc fährt ein „Einsteiger-Auto“. Die kosten komplett etwa 150 bis 200 Euro. Ein Spielzeug für den Küchenfußboden ist das aber nicht: „Der schafft Tempo 30 bis 40.“ Schnellfahren ist aber gar nicht immer interessant, meint Marc: „Ich finde das auch schön, wenn ich da so ganz bequem langfahren kann. Richtig schnell fahren kann ich ja nur, wenn ich mal alleine auf der Strecke bin.“ Die Leistung der Mini-Renner wird dabei nicht in PS angegeben, sondern in „Watt“ und in Drehzahlen. Marcs Auto leistet etwa 150 Watt bei 20.000 Umdrehungen pro Minute (U/min).

Derweil klärt mich Per, der „Rennleiter“ des Vereins, darüber auf, dass es Wettbewerbe gibt, bei denen auch schon Kinder als Fahrer antreten und nicht selten den „Alten“ zeigen, wie man‘s macht. Und da geht es zu wie im echten Rennsport: Die richtig Guten verdienen Geld damit!

Einer, der „richtig gut“ ist, ist heute da: Christopher Krapp (17) aus Dinklage fährt schon seit seinem sechsten Lebensjahr. Angefangen hat er mit einem Buggy, aber jetzt fährt er nur noch Elektro-Tourenwagen – und war im vergangenen Jahr Deutscher Meister in der Klasse „1:10 Elektro offen“ und Vierter bei der Weltmeisterschaft. „Offen, das heißt ohne Leistungsbegrenzung“, erklärt Chris. „Das ist die Formel 1 bei den Elektro-Tourenwagen.“ Den Wert seines Rennboliden schätzt er auf etwa 1000 Euro. „Der hat einen Viereinhalb-Turn-Motor“, doziert er. „Das sind die Wicklungen. Je weniger, desto leistungsfähiger.“ Sein Renner hat 1000 Watt und macht 86000 U/min. Tempo? „75 bis 80“, schätzt er. „in den Katalogen wird das immer übertrieben.“ Bezahlen musste Chris für sein Auto nicht: „Das macht alles mein Sponsor.“ Damit ist nicht etwa Papi gemeint, sondern der Hersteller des Rennautos, die Firma Kyosho. Chris ist ein „Werksfahrer“ und durfte in Begleitung seines Vaters schon zu Rennen nach Tokyo und Bangkok reisen – alles auf Firmenkosten. Für seinen vierten Platz bei der WM hat er eine Prämie bekommen. „Es gibt sogar Fahrer, die kriegen ein richtiges Gehalt“, erzählt Chris. „Aber das sind vielleicht nur so zehn auf der ganzen Welt.“ Chris genügt es, sein Hobby finanziert zu bekommen. „Und ich bekomme was zu sehen von der Welt.“
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Kommentare von Lesern:

 
Per, Bremen:
01.11.2010 08:59
Ein schöner Bericht!
Wen es jetzt in den Fingern juckt, ein Mal unverbindlich einen elektrischen Miniatur-Rennwagen über die schöne Teppichstrecke des TUS Huchting in Bremen zu steuern, kann dies an den Trainingstagen sonntags, zwischen 12 und 19 Uhr (14-tägig an geraden Kalenderwochen) tun. Und wer sich schon als ambitionierter Rennfahrer fühlt, kann sein Geschick auf einem echten Rennlauf am 28.11.2010 unter Beweis stellen, oder einfach nur zum Zuschauen kommen. Weitere Infos findet ihr auf der Homepage www.rcworld-ohz.de
Liebe Grüße vom "Rennleiter"
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Hersteller und Vereine

Hersteller

Kyosho Deutschland
www.kyosho.de

RMV Deutschland
www.rmv-deutschland.de

Horizon
horizonhobby.de/

Vereine

RCWorld OHZ/HB
www.rcworld-ohz.de

RCCC Bremen
www.rccc-bremen.de

Läden für Einsteiger

www.trendtraders.de


www.conrad.de
(mit „Hausmarke“ Reely)

www.rc-race-shop.de

Informationen

www.rcmap.de

Alle RC-Rennstrecken in Deutschland, Glattbahn und Offroad, mit Web-Links

www.rcindependent.com
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Modellbau-Wiki

Zum Einstieg: DAS MÜSSEN SIE BEACHTEN

  • Baukasten oder „RtR“?
    Für den Einsteiger ist auf jeden Fall ein „Ready to Run“-Set zu empfehlen. Komplette Sets inklusive 2,4 GHz-Fernsteuerung (siehe Punkt 4) und fertig aufgebautem Fahrzeug sind schon für rund 200 Euro zu haben.
  • Elektro oder Verbrenner?
    Für den Anfang ist ein Elektro-Modell empfehlenswert, denn Verbrenner-Modelle können nicht überall verwendet werden, z.B. in Innenräumen. Außerdem sind die Handhabung und Pflege, das Laden der Akkus und der Fahrbetrieb für Einsteiger leichter zu bewerkstelligen.
  • Indoor oder Outdoor? Die meisten Fahrer beginnen mit einem Outdoor-Modell, also einem Buggy oder einem Truggy. Vorteil: Vom eigenen Garten über den sonntäglich leeren Parkplatz des Einkaufszentrums oder die verkehrsberuhigte Seitenstraße, den Spiel- oder Sportplatz bieten sich viele Möglichkeiten „outdoor“ zu fahren. Für Indoor-Fahrzeuge muss immer eine größere ebene Fläche vorhanden sein, so dass Sie ohne Vereinsanbindung praktisch kaum fahren können.
  • 27 MHz oder 2,4 GHz?
    Die beiden gängigen Frequenzen der Fernsteueranlagen, die man bei einem RtR-Modell mitgeliefert bekommt, machen einen deutlichen Preisunterschied aus. Auch wenn es anders billiger wäre: Wählen Sie ein Modell mit 2,4 GHz-Fernsteuerung. Bessere Reichweite, schnellere Reaktion des Fahrzeugs, höhere Kompatibilität auch mit weiteren eigenen RC-Fahrzeugen und weniger Ärger mit Interferenzen anderer Funkanlagen sind den höheren Preis wert.
  • „Brushed“ oder „Brushless“?
    Beide Motorbauarten sind bei Elektromodellen auf dem Markt, wobei die Tendenz deutlich zu der Brushless-Bauweise geht. Brushless-Motoren sind in der Regel deutlich leistungsfähiger – und meist auch deutlich teurer. Dennoch: Wenn Sie auch mal bei einem Buggy-Rennen mitmischen und dabei nicht nur hinterher fahren wollen, investieren Sie in ein Fahrzeug mit Brushless-Motor.
  • Buggy, Truggy, Truck?
    Ob man nun mit einem Buggy, einem Truggy, einem Monster- oder einem Short Course-Truck ins Hobby einsteigt, ist zum einen Geschmackssache, zum anderen eine Frage der mittelfristigen Ziele: Allein fahren, oder auch mal an einem Rennen teilnehmen? Rennen finden meistens in der Buggy“- und der „Truggy“-Klasse mit Fahrzeugen im Maßstab von etwa 1:8 statt. Aber auch für Monster-Trucks und die sogenannten Short Course-Trucks gibt es hier und da Vereine, die Rennen veranstalten. Am besten machen Sie sich bei www.rcmap.de schlau, was in Ihrer Nähe gefahren wird.

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