09.05.2011 15. Woche
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Ohrenschmerzen & Nachtschichten

The Royal Wedding; Krankheit und Kinder vertragen sich nicht; Wein gegen Ohrenschmerzen; Nachtschichten; typische Pannen im Männerhaushalt; auf dem Ohr bin ich taub!
Hallo liebe Leser,

vorweg erstmal eine Entschuldigung, weil die Kolumne letzte Woche ausfallen musste, aber leider hatte ich mir eine Mittelohrentzündung zugezogen, die doch schmerzhafter war als ich es in Erinnerung hatte (ich habe gelegentlich Probleme mit den Ohren).

Ab Mittwoch vorletzter Woche ging es mit mir bergab: stechende Ohrenschmerzen, Grippegefühl, Schlappheit und mir lief der Eiter aus dem Ohr. Am Donnerstagabend wurde es so schlimm, dass ich in die Notaufnahme ging (Freitag war hier Feiertag wegen der Prinzenhochzeit). Das englische Gesundheitssystem hat so seine Tücken, aber unser örtliches Krankenhaus ist sehr gut. Nachdem dort eine Mittelohrentzündung diagnostiziert wurde, schickte man mich mit einem Antibiotikum und guten Wünschen wieder nach Hause. Leider dauert es ja immer eine Weile, bis so ein Mittel wirkt und ich musste noch einige Tage leiden. Mein Geheimrezept für Ohrenschmerzen (die ich ab und zu bekomme) ist im Übrigen ein oder zwei Gläser Wein. Alkohol ist ein ausgezeichnetes Schmerzmittel und gegen Ohrenschmerzen hilft sonst nichts so richtig. Auf jeden Fall kann ich dann schlafen und muss mich nicht die ganze Nacht mit Schmerzen im Bett herumwälzen.

Das war natürlich besonders schade, weil Freitag die Royal Wedding war, und ich in den Seilen hing. Nachdem ich aber zwei Artikel zu dem Jahrhundertereignis geschrieben hatte musste ich mir die Sache mit meiner Frau und den Jungs im Fernsehen anschauen. Da eine Million Besucher erwartet wurden, hatten wir keine rechte Lust in die Stadt zu fahren. Finn und Josh hatten bereits Hochzeitskarten gebastelt und die Mädchen waren am Donnerstag vor dem großen Tag mit weißen Kleidern in die Schule gekommen. Überall hingen Union Jacks. Die Pubs hatten die Fenster voller Flaggen wie zu jeder Fußball-WM. Natürlich waren die Zeitungen und Klatschillustrierten schon seit Wochen vollgestopft mit Hochzeitsberichterstattung und im Fernsehen wurde eine Sendung nach der anderen über die Royals, die Middletons, königliche Hochzeiten im Allgemeinen und im Besonderen gezeigt. Insbesondere die Amerikaner hatte das Hochzeitsfieber gepackt, weil Kate Middleton keine Adelige, sondern eine Prinzessin aus dem Volke ist und ihre Eltern noch dazu Selfmade-Millionäre sind – so ganz der amerikanische Traum eben. Ein weiteres Indiz für viele US-Bürger, dass auch GB den Vereinigten Staaten immer ähnlicher wird. Wahnsinnig aufregend fand ich das Großereignis allerdings dann doch nicht. Hochzeiten sind eben nicht mein Fall.

Krankheit und Kinder vertragen sich nicht gut. Das wisst Ihr sicher aus eigener Erfahrung. Entweder sind es die Kleinen, die krank sind, und das ist stressig oder es sind die Eltern was auch stressig ist. Und wie könnte es anders sein, hatte sich bei mir aufgrund einer nahenden Deadline ein Arbeitsberg aufgestaut, so dass ich mich einige Stunden am Tag zur Arbeit zwingen musste. Nach etwa drei Tagen wirkte das Antibiotikum und ich konnte wieder richtig ranklotzen. Zum Glück ist Mittelohrentzündung nicht ansteckend, denn für Kinder sind Ohrenschmerzen ja noch schlimmer (jedenfalls habe ich das so in Erinnerung, denn ich hatte auch als Kind öfter mit den Ohren Maläste und konnte mich damals nicht mit Wein betäuben ...).

Am Montag nach der Hochzeit war noch ein Feiertag (1. Mai), so dass die Jungs insgesamt vier Tage frei hatten. Ich war froh als sie wieder in die Schule gingen, das kann ich Euch sagen. Es hatte sich trotz meiner Krankenschichten weiterhin Arbeit angestaut, und weil meine Frau diese Woche nicht nur von Dienstag bis Donnerstag arbeitete, sondern auch abends unterwegs war (Elternabend und was weiß ich) musste ich einige Nachtschichten einlegen. Das läuft dann meistens so: Ich hole die Jungs von der Schule ab – das Wetter ist seit einiger Zeit in London ungewöhnlich gut, und wir gehen dann zu Fuß durch den Park nach Hause. Meistens spielen die Buben auch noch Fußball, während ich auf der Bank sitze und meinen Väterblog schreibe. Zuhause angekommen koche ich, dann Baden, Fernsehen und ins Bett. Bis sie in der Falle sind, ist es meist 21 Uhr und dann setze ich mich in mein Arbeitszimmer bis 1 oder 2 Uhr nachts und arbeite. Ich bin ein typischer Nachtmensch, der morgens nicht aus dem Bett kommt und dafür abends nicht ins Bett zu kriegen ist. Morgens bin ich dann zwar total erschlagen, aber es gibt keine andere Möglichkeit. Außerdem gewöhnt man sich dran. Was nicht so gut ist: Ich rauche bei meinen Nachtschichten recht viel, um mich bei der Stange zu halten. Naja, irgendwie muss man sich ja bei der Stange halten. Auf diese Weise gelingt es mir peu a peu Arbeitsberge zu eliminieren, denn bei Deadlines kennen Verlage keine Gnade. Auch Krankheit gilt da nicht. Wer die Arbeit nicht fristgerecht abliefert, der ist ein toter Mann.

Natürlich läuft nicht immer alles kerzengerade, wenn ich mit den Jungs alleine bin. Typische Pannen sind: zahnpastabeschmierte oder falsch herum angezogene Sweat-Shirts (die Schuluniform der Jungs besteht aus blauen Sweat-Shirts und grauen Hosen), moosgrüne Hosen (vom Fußball spielen im Park am Vortag), zu spät in die Schule kommen (weil verschlafen), keine Müslischalen für die Cornflakes am Morgen (weil nicht abgewaschen am Vorabend) oder keine Cornflakes, nicht gemachte Hausaufgaben und nicht geputzte Zähne (weil die Zeit zu knapp war). Mami ist nicht so erbaut davon, aber wo gehobelt wird, da fallen Späne ...

Die letzten Sätze des dieswöchigen (gibt es dieses Wort eigentlich?) Väterblogs schreibe ich im Café. Sue ist mit dem Jungs zu einer Freundin gefahren, und ich muss einen Artikel für die Jüdische Allgemeine zu Papier bringen. Leider hat mein Stammcafé nur wenige gute Plätze zum Arbeiten. Eben sitze ich zum Beispiel neben einem laut dröhnenden Kühlgerät, aber heute macht das ausnahmsweise nichts. Der Grund: Ich höre auf dem rechten Ohr seit der Mittelohrenzündung nicht viel und das Brummen lässt mich kalt.

Nächste Woche geht es rund, denn ich muss noch ein Magazin von letzter Woche fertig machen und Sue wird jeden Tag arbeiten. Neben ihrer Tätigkeit als Kunstlehrerin arbeitet sie manchmal freiberuflich am Institut of Education in der Stadt. Außerdem soll ich eigentlich einen Verlag in Nord-England besuchen für eine Nachbesprechung, denn wir haben gerade zusammen die erste Ausgabe des Motorradmagazins Classic Bike Mechaniker auf die Beine gestellt. Keine Ahnung ob das überhaupt klappen wird, denn bislang haben wir noch keinen Babysitter. Au weh!

Trotzdem wünsche ich Euch allen eine wunderschöne Woche,

Bye, bye,

Frank

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Kommentare von Lesern:

 
Frank, London:
13.05.2011 12:54
Danke Volker. Freut mich, dass es Dir gefällt!
Volker kassel:
10.05.2011 20:51
Hi Frank cooles tagebuch
Frank, London:
09.05.2011 12:15
Danke Karsten. Das ist nett!
Karsten, väterzeit.de:
09.05.2011 11:45
Hallo Frank,

schön, dass Du wieder gesund bist!

Karsten

Tagebuch Frank H. Diebel

Frank H. Diebel
Alter: 44 Jahre
Wohnort: London
Beruf: Journalist
Familienstand: verheiratet
Geburtstag Kind: Finn: 23.10.00; Josh: 2.9.02
Letzter Eintrag: 19.12.2011

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