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„Appetit auf Bewegung machen“

Väter sind wichtige Bewegungsvorbilder
Bild: lowwman@photocase.de

Väter sind wichtige Bewegungsvorbilder für ihre Kinder, insbesondere für Jungen. Wie sie zu guten Sportpartnern werden, verrät Prof. Klaus Bös im Interview.
Kinder bewegen sich heute weniger als vor 20 Jahren. Wie kommt es zu dieser Entwicklung?

Unsere Forschungen belegen, dass sich Kinder in der Tat heute deutlich weniger bewegen als noch vor 10 oder 20 Jahren. Bewegung macht im Freien mehr Spaß, Kinder halten sich heute aber sehr viel in geschlossenen Räumen auf. Denn drin ist es für sie oft schöner! Ihr Zimmer ist voller Spielzeug, die virtuellen Welten von Nintendo und PC bieten viele Reize. In Computer- und Konsolenspielen können sie ohne viel Anstrengung und Frustration spannende Abenteuer erleben.

Wie können Eltern gegensteuern?

Eltern müssen das Problem erst einmal als solches erkennen – und Appetit auf Bewegung machen, indem sie zu Bewegungsvorbildern werden. Kinder bis zum Alter von etwa 10 Jahren sind sehr gut zu motivieren. Zwei- bis Fünfjährige machen überall gern mit, wo die Eltern mit Herz und Begeisterung bei der Sache sind. Wenn das Kind mit dem langsamen Abnabelungsprozess beginnt, wenn es in die Schule geht, dann ändert sich das Bezugssystem, die Freunde und die Gleichaltrigengruppe werden wichtiger. Hat das Kind früh gelernt, dass Bewegung mit Freude und Erfolg verbunden ist, kann es leichter wieder zum Sport zurückfinden – auch, wenn es in der Pubertät in dieser Hinsicht eine Pause einlegt.

In Schule und Verein



Reicht der Sportunterricht in der Schule nicht aus?

Keinesfalls. Zum einen sind drei Unterrichtsstunden in der Woche nicht genug, das brauchen Kinder täglich! Nach meiner Einschätzung sollten sie eine Stunde am Tag richtig ins Schwitzen kommen. Der Schulsport hingegen ist eine organisierte Unterrichtseinheit. 45 Minuten Sport bedeuten nicht 45 Minuten Bewegung – der Bewegungsanteil beträgt für jedes Kind durchschnittlich nur 10 bis 15 Minuten.

Viele Kinder sind doch in Sportvereinen aktiv...

Gut 80% der Kinder sind im Laufe ihrer Jugend in einem Sportverein organisiert. Die höchste Quote liegt bei den Achtjährigen. Aber hier haben wir eine „Zapping-Mentalität“. Wenn eine Sportart nicht gefällt, wenn es zu anstrengend wird, wenn man Schwierigkeiten mit dem Trainer hat, wenn es Frustrationen gibt – dann wird schnell die Sportart gewechselt. So kann sich weder eine Bindung an den Verein, noch ein echtes Erlernen der Sportart ergeben. Nach einem Jahr kann man die Bewegungsabläufe einfach noch nicht gut, weder in der Leichtathletik, noch im Mannschaftssport.

Aber Kinder sollten doch viele Bewegungsmuster kennenlernen.

Das ist richtig. Hier haben die Vereine die Zeichen der Zeit nicht erkannt, die Organisation in Sparten ist da eher hinderlich. Viele Vereine sind auf nur eine Sportart – meist eben Fußball – fixiert. Kinder brauchen aber, gerade aufgrund der Bewegungsdefizite im Alltag, viele unterschiedliche Bewegungsanreize. Sie müssen verschiedene Bewegungsarten kennenlernen, hineinschnuppern in verschiedene Sportarten. Nur so können sie herausbekommen, was ihnen Spaß macht, wo sie Fähigkeiten haben und wo sie sich wirklich einsetzen wollen.
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Prof. Dr. Klaus Bös



Prof. Dr. Klaus Bös ist Leiter des Instituts für Sport und Sportwissenschaft und Vorsitzender des Forschungszentrums für den Schulsport (FoSS) am KIT (Karslruher Institut für Technologie). Er ist Vater einer Tochter, sein Lieblingssport ist Tennis.

Das große Kinder-Bewegungsbuch



Letzte Veröffentlichung:
Klaus Bös, Margit Pratschko: Das große Kinder-Bewegungsbuch. Campus Verlag 2009, € 19,90
Mehr Informationen: www.sport.uni-karlsruhe.de

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