01.11.2011 36. Woche
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Wake up and smell the hummus!

Tim & Struppi: jetzt muss der Hund her! Blaues Auge; das Mittelalter ist vorbei; Finn und Geheimnisse
Habt ihr schon den neuen Tim & Struppi-Film gesehen? Wenn nicht, ich kann ihn empfehlen. Steven Spielberg macht ja an sich unterhaltsame Filme, aber oft lassen die Hollywood-Drehbücher doch zu wünschen übrig. Nicht so bei Tim & Struppi, denn der Film basiert ja auf dem Comic von Hergé und der hat sich wirklich Mühe gegeben bei der Gestaltung seiner Charaktere. Außerdem ist Tim Journalist und insofern finde ich seine Erlebnisse spannend, obwohl meine eigenen Artikel nicht ganz so abenteuerlicher Natur sind. Außerdem tobt wegen Struppi bei uns wieder die Hundediskussion, diesmal allerdings von mir ausgelösst. So ein Fox Terrier würde mir schon gut gefallen, wenn die Viecher nur nicht so teuer wären. Man könnte sagen ich bin auf den Hund gekommen. Eigentlich ist es nur noch eine Frage der Zeit und des Geldes bis der Vierbeiner angeschafft werden wird. Finn und Josh wollten ja schon immer einen und ich will jetzt auch einen. Meine Frau ist dagegen, aber ich fürchte wir werden das demokratisch halten und da ist sie leider überstimmt.

Wir waren am Sonntag im Kino, weil Finn letztes Wochenende Geburtstag hatte und da Josh und ich in Deutschland waren, fand die Party jetzt erst statt. Elf Kids und zahlreiche Erwachsene in unserem kleinen Haus. Für die Kids war das kein Problem, aber wir mussten uns um unseren kleinen Küchentisch quetschen. Der Film war übrigens ein voller Erfolg, alle fanden ihn toll. Bei uns gab es anschließend Kaffee und Kuchen. Neben den üblichen Videospiel-Sessions jagten sich die Kids den ganzen Nachmittag durchs Haus und Josh flog ein Spielzeug an den Kopf. Das Resultat: ein voll gelunges, blaues Auge, das er heute stolz seinen Kumpels in der Schule präsentierte. „Ihr solltet lieber vorsichtig sein“, kommentierte ich, „Josh ist gefährlich.“ Und alle waren sehr beeindruckt, obwohl ich natürlich nur Spaß gemacht hatte.

Vor dem Geburtstag gab es übrigens eine entscheidende Veränderung in unserem Haus: Sue hat das Zimmer der Jungs neu gestrichen, denn letzte Woche waren ja Ferien. Das ist insofern eine einschneidende Veränderung als es den Schritt von der Kindheit zum Teenageralter sehr deutlich dokumentiert. Vor vielen Jahren hatte meine Frau den Jungs nämlich eine riesige Burg im Kinderzimmer an die Wand gemalt. Ein tolles Ding (sie ist ja Künstlerin und kann von daher gut malen), und diese Burg fiel der aktuellen Renovierung zum Opfer. Jetzt sind die Wände cremeweiß, und die Kindheit ist zu Ende. Ich bin ein bisschen traurig darüber, denn mir hat das Mittelalter im Kinderzimmer gut gefallen, aber alles hat eben ein Ende. Jetzt wird bald das Zeitalter von Mädchen und Bier anbrechen. Aber auch das wird sicher schön und erlebnisreich. Wobei ich mir schon wieder Sorgen mache, wie das wohl mit Finn und der Pubertät werden wird. Die Pubertät ist ja für ein autistisches Kind sicher eine große Herausforderung. Mein Alptraumszenario ist, dass der eine Junge eine Freundin hat und der andere nicht. Aber ich fürchte vorab kann man nichts machen, sondern die Sache nur auf sich zukommen lassen.

Meine Kids waren in den Ferien wirklich oberfaul. Ist das bei euch auch so? Sue strich wie gesagt das Kinderzimmer und ich hatte viel Arbeit. Die Jungs klebten bei jeder Gelegenheit vor dem Fernseher was darin gipfelte, dass Sue jetzt die Glotze mit einer PIN-Numer verriegelt hat. Das passte den Buben natürlich gar nicht, aber wenigstens ist jetzt Schlus mit unbefugtem TV-Konsum. Josh hat nämlich die Angewohnheit, schon vor der Schule ins Wohnzimmer zu schleichen und den Fernseher einzuschalten. Das geht jetzt zum Glück nicht mehr.

Neulich hatten wir es ja mal mit dem Thema haarsträubende Phrasen, die die Jungs aus der Schule mitbringen. Gestern abend sagte Finn zu mir: „Wake up and smell the hummus, dad!“ Wir bogen uns vor Lachen. Keine Ahnung woher er das her hat. Eigentlich heißt es „wake up and smell the coffee“ und die Briten sagen es, wenn jemand gerade nicht mitkriegt was passiert.

Davon abgesehen diskutierten wir gestern abend die Hundefrage. Ich habe den Jungs strengstes Stillschweigen auferlegt, wobei ich mir sicher bin, dass Finn es nicht hinkriegen wird. Er kann einfach nichts für sich behalten. Auch eines dieser typischen Asperger-Symptome. Obwohl das nicht heißen soll, dass er nicht lügt. Er kann eben nur keine Geheimnisse für sich behalten. Das hat schon zu den ulkigsten Situationen geführt. Zum Beispiel darf man nicht in Finns Beisein über die Nachbarn lästern, denn er wird es denen garantiert beim nächsten Mal auf die Nase binden, ohne das er es böse meint. Oft will er nur Spaß machen, aber so etwas kann natürlich haarsträubende Konsequenzen haben.

Also auf jeden Fall habe ich gestern verkündet, dass ich einen Hund kaufen will und die Jungs waren hellauf begeistert. Natürlich gibt es jetzt kein Zurück mehr. Die Einzelheiten habe ich noch nicht so genau durchdacht, wiel ich mich sonst in irgendwelche Überlegungen verstricke und es mir wieder anders überlege. Das beste ist also, den Vierbeiner einfach zu kaufen und dann zu sehen wie es läuft.

Am Montag war Halloween. Finn und Josh hatten ihre Monsterkostüme schon fertig für die große Halloween-Party. Sie zogen auch mit meiner Frau um die Häuser zum „trick or treating“ wie das in England heißt. Peinlich, peinlich: Ich bleibe zuhause, weil ich noch die Wäsche wegräumen und mein Auto saugen wollte. Prompt hatte ich vergessen, dass Halloween war und ich wunderte mich darüber wieso es ständig an der Tür klopfte. Zunächst öffnete ich nicht, weil ich zu viel zu tun hatte. Dann war ich aber doch neugierig und erst als ich die verkleideten Kids vor der Tür sah, fiel mir schlagartig ein, dass Halloween war. Süßigkeiten hatte ich keine im Haus (die hatten meine Kinder alle mitgenommen), also öffnete ich die Tür dann nicht mehr, weil mir das zu peinlich war. Ich selbst feiere Halloween nur insofern als das ich mir Horrorfilme im Fernsehen anschaue. Meist irgendeinen von den sechs „Halloween“ Filmen. Großartig!

So, jetzt langt’s mal wieder für diese Woche. Ich wünsche euch eine wunderschöne Woche und haltet die Ohren steif.

Bye, bye,

Frank

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Tagebuch Frank H. Diebel

Frank H. Diebel
Alter: 44 Jahre
Wohnort: London
Beruf: Journalist
Familienstand: verheiratet
Geburtstag Kind: Finn: 23.10.00; Josh: 2.9.02
Letzter Eintrag: 19.12.2011

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