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Ernstfälle erkennen - Kinderbeschwerden richtig deuten


Mädchen beim Kinderarzt, um Kinderbeschwerden deuten zu lassenBild: ©Photographee.eu@fotolia.com - Einige lebensgefährliche Bedrohungen und schwere Krankheiten wirken leider sehr harmlos. Weshalb Eltern sie richtig deuten müssen.

Nicht alles, was bedenklich aussieht, ist es auch – manchmal ist es aber umgekehrt. Als Vater ist man immer um das Wohlergehen seines Kindes besorgt. Und wenn sich Beschwerden auftun, reagieren die meisten vollkommen korrekt nach der Maxime „lieber einmal zu häufig zum Arzt als einmal zu wenig“.

Allerdings gibt es auch Kinderbeschwerden, die zunächst harmlos wirken, tatsächlich jedoch das Potenzial haben, sich zu verschlimmern. Vier von ihnen und ihren Anzeichen widmet sich der folgende Artikel.


Sein Kind zu kennen ist die wichtigste Voraussetzung


Jedes Kind ist anders und das schon von Geburt an und sich im Lauf der Monate und Jahre immer stärker ausprägend. In dieser Tatsache liegt nicht nur die Wurzel für die generelle charakterliche Entwicklung, sondern auch ein maßgeblicher Faktor für das Deuten kindlicher Beschwerden:

Jedes Kind drückt sich im Krankheitsfall anders aus. Das eine ist auch bei einer klaffenden, blutenden Kniewunde tapfer, das andere weint schon bittere Tränen, wenn ein Pflaster abgezogen wird.

Und es kann tatsächlich lebenswichtig sein, sein Kind zu kennen und genau zu wissen, ob es überreagiert oder, schlimmer, dazu neigt, Symptome herunterzuspielen oder gar zu unterdrücken.

Gerade letzteres kann lebensgefährlich werden, weil es einen als Eltern bei zu oberflächlicher Betrachtung in falscher, womöglich fataler Sicherheit wiegt.
Sein Kind so kennenzulernen, ist eine Fleißaufgabe, die nur gelingt, wenn man tagtäglich seine Reaktionen auf unterschiedlichste Umweltreize sammelt und wie ein Mosaik zu einem Gesamtbild zusammensetzt – gerne kann man dies durch ein Tagebuch unterstützen, in das man bestimmte Ausnahmesituationen (etwa Spritze beim Arzt, Stolpern, Erkältung…) mitsamt der kindlichen Reaktion einträgt.

Zudem sollte man immer eine Maxime einhalten:
Keine kindliche Krankheit ist unverdächtig. Selbst ein Mückenstich sollte immer in genauerer Beobachtung resultieren.

Das soll kein Aufruf zu Übervorsichtigkeit sein, aber durchaus einer, der zumindest bis ins Grundschulalter keine „Ach, das ist nichts“-Reaktion kennt.

1. Zeckenbisse


Gleich bei unserem ersten Punkt handelt es sich um einen, der sehr häufig fehlgedeutet wird. Denn Zeckenbisse lassen sich, wenn das Tier sich nicht in der Haut verbissen hat oder bereits abgefallen ist, von Laien nur schwerlich von einem normalen Mückenstich unterscheiden.

Die große Gefahr, die dahintersteckt, nennt sich Borreliose. Ein sehr langwierig verlaufendes Leiden, das chronisch werden kann und dabei sowohl das Nervensystem wie Herz und Gelenke schädigen kann. Zudem FSME, die Frühsommer-Meningoenzephalitis, Hirnhautentzündung.

WICHTIGE REGEL:
Nicht überall in Deutschland ist das Risiko von Zecken gleich hoch. Wo es hoch ist, können Zecken und somit Bisse überall vorkommen, wo Natur ist – auch im gepflegten Garten.


Daher sollte man seinen Nachwuchs nach jedem Draußen-Spielen zwischen Februar und Oktober gründlich absuchen und falls man auffällige Stellen bemerkt, auf folgende Symptome achten:
  • Bissstelle ist gerötet/entzündet (steigert sich), sehr häufig als „Ring“ zu erkennen.
  • Lymphknoten geschwollen
  • Ungewöhnliche Müdigkeit/Schwäche
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Erhöhte Körpertemperatur
Dabei sollte man sich nicht täuschen lassen: Die Zeit bis zum Auftreten erster Beschwerden kann drei Tage und länger dauern. Deshalb ist sorgfältige Beobachtung wichtig.

Tipp: Zumindest gegen FSME gibt es eine Impfung. Wer in betroffenen Gebieten wohnt oder dorthin reist, sollte mit dem Kinderarzt sprechen.

2. Neurodermitis


Neurodermitis an der Stirn eines KindesBild: ©TwilightArtPictures@fotolia.com - Nicht jeder rote Hautausschlag deutet auf Neurodermitis hin. In Verbindung mit den anderen Symptomen ist es jedoch ein sicheres Zeichen.

Neurodermitis wird zwar von vielen Eltern diskutiert. Allerdings gibt es auch hier oftmals Fehldeutungen, die vor allem daran liegen, dass das Frühstadium sich häufig mit harmloseren Hautkrankheiten deckt.

Tatsächlich ist Neurodermitis, auch atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem genannt, eine sehr vielschichtige, häufig fehlverstandene Krankheit. Meist wird sie als Allergie bezeichnet, das ist sie jedoch nicht. Sie ist eine chronische Hautkrankheit, die nicht durch eine Reaktion des Körpers auf Allergene ausgelöst wird, sondern unterschiedliche, längst nicht vollumfänglich erforschte Grundlagen hat.

Erbliche Vorbelastung durch die Eltern mit anderen atopischen Erkrankungen (Heuschnupfen, chronische Bindehautentzündung…) spielt eine maßgebliche Rolle. Ebenso sind Umweltschadstoffe und Nahrungszusätze beteiligt.

Dazu gehören Symptome, die schon im Säuglingsalter auftreten können – aber nicht müssen:
  • Milchschorf im Kopfbereich.
  • Ekzeme in Knie- und Armbeugen, Handgelenken und Ohrläppchen.
  • Häufig eingerissene Mundwinkel.
  • Häufiges Jucken und dementsprechendes Kratzen, wobei die Haut weiße statt rote Kratzspuren produziert.
Sollten diese Symptome (auch einzeln) gehäuft auftreten, sollte beim Kinderarzt Sicherheit durch einen Test eingeholt werden – häufig werden harmlose Unverträglichkeiten (etwa auf Waschmittel oder Badezusätze) als Neurodermitis fehlinterpretiert.

Tipp: Neurodermitis lässt sich heute gut behandeln und kontrollieren und verschwindet meist zwischen Grundschul- und Teenageralter wieder.

3. Eichenprozessionsspinner


Wir kommen zum wahrscheinlich neuesten, heimtückischsten und lebensbedrohlichsten Kapitel dieses Artikels, dem Eichenprozessionsspinner.

WICHTIGE REGEL:
Bei Kontakt mit diesem Tier besteht akute Lebensgefahr! 
Bitte besonders umsichtig sein!


Der Eichenprozessionsspinner ist eine Schmetterlings-Unterart, die sich in Deutschland aber erst seit Mitte der 1990er ausbreitet. Dabei ist jedoch nicht das Schmetterlingsstadium das Problem, sondern das vorherige Raupenstadium.

Dann sind die Tiere, die sich oft in langen Reihen prozessionsartig fortbewegen (daher stammt der Name) von stachelartigen Haaren bedeckt. Diese brechen sehr leicht ab, werden durch Wind fortgetragen. Kommen sie mit der Haut in Berührung oder gelangen in den Körper (verschlucken, einatmen…), wird es kritisch. Denn in den Haaren steckt das Nesselgift Thaumetopoein.

Die Eckdaten:
  • Gefahrenzeit besteht nur von Mai bis Juni.
  • Die Tiere siedeln (noch) nicht in allen Gebieten Deutschlands, breiten sich aber durch Wärme und Trockenheit verstärkt aus.
  • Sie siedeln nur auf Eichenbäumen, dort bevorzugt auf einzelnen Pflanzen, aber auch in Wäldern.
  • Gefahr besteht sowohl beim direkten Berühren wie in gewisser Distanz.
Problematisch ist, dass die Symptome sehr vielfältig sein können. Beim ersten Kontakt trifft meist folgendes auf:
  • An Insektenstiche erinnernde, jedoch stark juckende Stellen (tritt praktisch ausschließlich auf unbedeckten Hautpartien auf).
  • Atemnot, starkes Husten (beim Einatmen/Verschlucken).
  • Mund- und Rachenentzündungen, Schleimhautschwellungen.
  • Stark geschwollene, gerötete Augenlider.
  • Allgemeine Reaktionen wie Fieber und Abgeschlagenheit.
In seltenen Fällen kann schon beim ersten Kontakt ein anaphylaktischer Schock aufgrund einer Fehlreaktion des Körpers auftreten. Sollte der Nachwuchs einmal Kontakt gehabt haben, ist jedoch enorme Vorsicht geboten: Durch abermaligen Kontakt mit dem Gift kann es beim Zweitkontakt zu lebensgefährlichen Reaktionen kommen.

Wichtig: Die Haare behalten ihre Giftigkeit bis zu drei Jahre nach dem Abbrechen. Selbst verlassene Nester bzw. Eichenbäume nach der Verpuppungsphase sind daher nicht sicher.

4. Sekundäres Ertrinken


Junge im Freibad droht Sekundäres ErtrinkenBild: ©valiza14@fotolia.com - Sekundäres Ertrinken, obwohl selten, ist deshalb so bedrohlich, weil ihm keine typische Ertrinkungs-Situation vorausgehen muss.

Bereits dieser Begriff sollte allen Eltern sofort den Ernst der Lage anzeigen. Denn hier geht es um echtes, lebensbedrohliches Ertrinken.

Zwar muss festgestellt werden, dass Sekundäres Ertrinken sehr selten vorkommt. Ob seiner Natur, noch Tage später aufzutreten, ist es jedoch enorm gefährlich, weil es in falscher Sicherheit wiegt.

Was ist Sekundäres Ertrinken? Der medizinischen Definition nach handelt es sich dabei um eine Variante des normalen Ertrinkens. Das bedeutet, der Körper kann keinen Sauerstoff über die Lunge ins Blut aufnehmen, weil diese durch darin eingedrungenes Wasser blockiert ist.

Doch wo normales Ertrinken Kinder wie Erwachsene gleichermaßen betrifft, sind beim Sekundären Ertrinken Kinder jeder Altersstufe überrepräsentiert. Das Gefährliche daran ist, dass es auch in harmlosen Situationen auftreten kann – etwa Ausrutschen und mit dem Kopf ins Wasser fallen, aber auch beim Eintauchen ins Becken von Wasserrutschen oder Sprungbrettern aus.

In diesem Fall kann wie beim normalen Ertrinken Wasser in die Lunge gelangen. Da es aber keine lebensbedrohliche Umfeld-Situation gibt (etwa, weil das Kind sofort in Papas Armen landet oder aus dem Wasser aufsteht), wird die Gefahr nicht erkannt.

Dabei gehen Fachleute davon aus, dass schon zwei Milliliter Wasser pro Kilogramm Körpergewicht ausreichen, um mutmaßlich tödlich zu enden. Das Wasser verbleibt in der Lunge. Durch seine Inhaltsstoffe wird das Lungengewebe angegriffen, es können Ödeme und Lungenentzündungen entstehen, die zum Tod führen können (wie im prominenten Fall von Frankie Delgado).

WICHTIGE REGEL:
Sekundäres Ertrinken kann bis zu einer Woche nach dem 
Schwimmen auftreten und bedarf keiner vorherigen Ertrinkungs-Situation!


Die einzige (und so gefährliche) Konstante ist es, dass es nach dem Baden zunächst keinerlei Symptome gibt. Allerdings geht es dann oft schnell:
  • Ungewohnt schnelles Atmen, oft in Verbindung mit rasselndem Geräusch.
  • Stunden oder Tage nach dem Schwimmen auftretendes anhaltendes Husten.
  • Teilnahmslosigkeit und Abgeschlagenheit.
  • Verfärbte Lippen.
Sollten diese Symptome im Zeitraum von bis zu einer Woche nach dem Schwimmen auftreten, sofort die Notfallambulanz aufsuchen, es herrscht im unbehandelten Zustand akute Lebensgefahr!

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