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Unisex-Versicherungen


Unisex-VersicherungenBild: Thomas Weißenfels - Fotolia.com

Ab Dezember 2012 dürfen nur noch einheitliche Versicherungstarife für Männer und Frauen angeboten werden. Das klingt nach einer gerechten Maßnahme, birgt aber viele Ungereimtheiten. Wir zeigen, wer die Verlierer und Gewinner sind.

Versicherungstarife müssen einheitlich sein, alles andere ist eine geschlechtliche Diskriminierung, urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg (AZ C-236/09). Bislang galt das Geschlecht als ein Risikofaktor. Der darf nun nicht mehr in die Berechnungen eingehen.

Grundsatz der Gleichstellung

Der EuGH verweist in seiner Begründung auf die "Unisex-Richtlinie" der Europäischen Union aus dem Jahr 2004. Gleiche Tarife für Frauen und Männer sind demnach seit dem 21.12.2007 Vorschrift, eine Überprüfung soll nach 5 Jahren, also am 21.12.2012 erfolgen. Ausnahmen gibt es nicht, meint das Gericht, sonst würde der Grundsatz der Gleichstellung unterlaufen.

Bisher wurde die Statistik bemüht, um die Tarife festzulegen. Je nach der Wahrscheinlichkeit des Eintritts des Versicherungsfalls zahlten daher Männer manchmal höhere oder niedrigere Tarife. Mit Einführung der Unisex-Tarife ab 2013 erwartet der Bund der Versicherten, dass stärker nach Risikogruppen unterschieden wird. In denen sind dann Frauen und Männer unterschiedlich stark vertreten. Gegen das Urteil des EuGH ist kein weiterer Einspruch möglich.

Krankenversicherung

Bei privaten Krankenversicherungen profitieren Männer nach Ansicht des Bundes der Versicherten von der alten Regelung. Wer hier mit einem Vertrag liebäugelt, sollte also bald abschließen. Der Grund: Männer leben nicht so lange und gehen seltener zum Arzt. Und natürlich schlagen die Schwangerschaften als Risikofaktor zu Buche. Frauen werden hier also von den Unisex-Tarifen deutlich profitieren.

Lebensversicherung

Für Risikolebensversicherungen zahlen Männer höhere Beiträge. Denn sie erleiden häufiger tödliche Unfälle, vor allem am Arbeitsplatz und im Straßenverkehr. Für eine Risikolebensversicherung, die bei einer Laufzeit von 25 Jahren 100 000 Euro im Todesfall ausschüttet, zahlt ein 40 Jahre alter Mann etwa 50% mehr als eine gleichaltrige Frau. Statistisch ist es eben wahrscheinlicher, dass seine Angehörigen die Leistung in Anspruch nehmen werden. Frauen sollten daher also jetzt in eine Risikolebensversicherung einsteigen, Männer sollten auf die neuen Tarife warten.

Auch bei kapitalbildenden Lebensversicherungen stehen sich die Frauen momentan besser: Da sie eine statistisch höhere Lebenserwartung haben, müssen die Versicherungen für Sterbefälle während der Laufzeit weniger Geld zurücklegen.

Rentenversicherung

Hier zahlen Frauen mehr als Männer, weil ihre durchschnittliche Lebenserwartung höher ist, sie daher also länger Leistungen beziehen. Bereits seit 2006 müssen aber bei der Riester-Rente gleiche Bedingungen für die Geschlechter gelten. Die Versicherungswirtschaft befürchtet, dass mit der Einführung gleicher Tarife die private Rentenversicherung für Männer völlig unattraktiv werde. Denn sie würden gleichviel einzahlen, aber deutlich weniger ausbezahlt bekommen, da die Zeit, in der sie Leistungen empfangen können, kürzer ist. Frauen sollten also auf die neuen Tarife warten, Männer mit einem Abschluss vor Ende 2012 liebäugeln.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Momentan zahlen Männer heute noch bis zu 25% geringere Beiträge. Das gilt bis zum Ende der Vertragslaufzeit. Sie sollten sich daher mit einem Vertragsabschluss beeilen, Frauen hingegen auf die günstigeren Tarife 2013 warten.

Autoversicherung

Frauen bezahlen in der Regel geringere Beiträge für ihre Kfz-Haftpflicht, denn in der Summe verursachen sie weniger Unfälle. Das trifft insbesondere auf junge Frauen bis 25 Jahre zu. Sie werden ab 2013 also mit deutlich höheren Tarifen rechnen müssen.

Ralf Ruhl

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