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Spaß an gesunder Ernährung: Essverhalten der Kinder prägen


Mädchen isst gesunden ApfelBild: pixabay.com @khamkhor

Was prägt eigentlich unser Essverhalten? Wieso greifen manche Kinder begeistert zu Mohrrüben und Äpfeln, während andere sich am liebsten ausschließlich von Pommes frites und Süßigkeiten ernähren? Warum sind Lebensmittel, die als „gesund“ bezeichnet werden, für Kinder weniger verlockend als ungesunde?

Die Zahlen sind alarmierend: Jedes siebte Kind in Deutschland ist übergewichtig oder fettleibig. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, an der 17.641 Mädchen und Jungen im Alter von drei bis 17 Jahren teilnahmen.

Wer bereits in jungen Jahren zu viel auf den Rippen hat, tut sich schwer, die überschüssigen Pfunde wieder loszuwerden. Über die Hälfte der übergewichtigen Zwei- bis Sechsjährigen kämpft in der Pubertät weiterhin mit Gewichtsproblemen. Experten betonen wie wichtig es ist, Übergewicht von Anfang an zu vermeiden.

Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe und zeigt auf, wie individuelle Nahrungsvorlieben entstehen. Je mehr Eltern darüber wissen, desto besser können sie ihren Nachwuchs vor Übergewicht schützen. Was nicht vergessen werden darf: Übergewicht zieht nicht nur gesundheitliche Probleme nach sich. Im Kindergarten und in der Schule leiden schwergewichtige Kinder häufig unter Hänseleien und Mobbing. Das kann zu einer seelischen Belastung werden.

Wir zeigen, wie sich ein gesundes Essverhalten mit Spaß fördern lässt. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis: Mit der Prävention muss noch viel früher begonnen werden als gedacht. Im Idealfall setzen Menschen mit Kinderwunsch bereits vor der Familienplanung an.

Aber es ist darüber hinaus möglich, Kinder in jedem Alter für Gemüse, Obst und Salat zu begeistern. Unter zwei Voraussetzungen: Das Wort „gesund“ verschwindet aus dem Vokabular und es gibt beim Essen keinen Zwang.

Was prägt das Essverhalten?


Kinder kochen gesunde ErnährungBild: pixabay.com @arembowski

Was vermutlich wenig überrascht: Gesundheit ist für Kinder nicht entscheidend, wenn sie an Nahrungsmittel denken. Sie bevorzugen Essen, das ihnen gut schmeckt. Der Geschmackssinn wird beim Ungeborenen Kind bereits im Mutterleib ausgebildet. Durch die Nahrungsauswahl der Mutter findet somit bereits eine erste Prägung statt. Diese setzt sich in den ersten Lebensmonaten und -jahren durch die vorgelebten Ernährungsgewohnheiten der Eltern und des nahen Umfeldes fort.

Gerade die Eltern haben mit der Auswahl der Zutaten und Speisen einen entscheidenden Einfluss, was Studien bestätigen. Später zeigt sich dann, dass Heranwachsende in erster Linie lustorientiert essen:
  • Für 100 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen zählt der leckere Geschmack.
  • 95 Prozent finden gute Stimmung beim Essen wichtig.
  • Ebenfalls 95 Prozent wünschen sich gern ganz bestimmte Speisen.
Gesundheit steht für junge Menschen beim Essen nicht im Vordergrund. Das Thema kommt unter den ersten acht Nennungen überhaupt nicht vor. Dementsprechend schwierig ist es, Mädchen und Jungen mit dem Hinweis: „Das ist gesund“ bestimmte Speisen näher zu bringen. Vor allem kleinere Kinder leben im Hier und Jetzt. Sie übersehen die Folgen ihrer Handlungen und Entscheidungen nicht. Essen und Emotionen sind eng miteinander verknüpft. Es geht für sie in erster Linie um Spaß und Lustgewinne durch Speisen.

Steinzeitliches Erbe


Die Vorliebe für Süßes ist uns angeboren. Das hat vermutlich evolutionäre Gründe. In der Steinzeit war der Geschmack der wichtigste Hinweis darauf, ob etwas essbar ist oder nicht: Eine Pflanze schmeckt bitter? Vermutlich ist sie giftig. Eine Frucht ist sauer? Offenbar ist sie noch nicht reif. Was süß schmeckt, kann in der Regel gefahrlos verzehrt werden. Außerdem liefern süß schmeckende Speisen die dringend benötigte Energie zum Überleben.

Experimente mit Neugeborenen bestätigen die universelle Vorliebe für Süßes: Bei einem bitteren Geschmack verziehen Säuglinge das Gesicht. Saures wehren sie ab. Süßes dagegen sorgt sofort für Zufriedenheit.

Beeinflussung schon im Mutterleib


Werdende Eltern kochenBild: pixabay.com @089photoshootings

Trotzdem gibt es weitere Faktoren, die den Geschmack des Kindes prägen. Die Speisen, die die Mutter in der Schwangerschaft zu sich nimmt, beeinflussen das Aroma des Fruchtwassers. Das Baby isst gewissermaßen die Nahrung der Mutter mit. Dadurch gewöhnt es sich früh an die geschmacklichen Eindrücke.

Auch die süß schmeckende Muttermilch kann ihren Geschmack verändern. Müttern wird daher häufig geraten, in der Stillzeit auf gravierende Nahrungsumstellungen zu verzichten. Besser sei es, sich genauso zu ernähren wie während der Schwangerschaft. Das sorgt dafür, dass das Baby die Milch später ohne Probleme zu sich nimmt.

Greift die Mutter in der Stillzeit zu ungewohnten Speisen, kommt es vor, dass der Säugling beim Füttern den Kopf von der Brust wegdreht. An neue Aromen sollte er darum vorsichtig herangeführt werden.

Die Ernährung der Mutter beeinflusst, welche Nahrungsmittel das Kind nach seiner Geburt bevorzugt. Nach aktuellem Kenntnisstand muss die Prävention gegen Übergewicht aus diesem Grund bereits im Mutterleib beginnen. Anders gesagt: Vor der Schwangerschaft sollten werdende Eltern sich um einen gesunden Lebensstil bemühen – und diesen konsequent durchziehen.

Was können Frauen aktiv tun, um die Gesundheit ihres Babys zu fördern? Die meisten Paare gehen die Familienplanung heute bewusst an. Frauen und Männer mit Kinderwunsch können ihrem Nachwuchs den Einstieg in ein gesundes Leben erleichtern:
  • das Rauchen aufgeben
  • eventuell vorhandenes Übergewicht vor der Schwangerschaft auf Normalgewicht reduzieren
  • selbst auf eine gesunde, abwechslungsreiche Kost mit viel Gemüse, Salat, ein wenig Obst, magerem Fleisch und Fisch achten und diese Ernährungsweise beibehalten
Allerdings lassen sich nicht alle Aromastoffe in der Muttermilch nachweisen. Beispielsweise hat das Schlucken von Fischölkapseln keine Auswirkungen auf die Muttermilch.

Warum werdende Mütter nicht „für zwei“ essen sollten


Untersuchungen zeigen: Werdende Mütter, die in der Schwangerschaft stark zunehmen, bringen Kinder mit einem höheren Geburtsgewicht zur Welt. Das wiederum gilt als Risiko für Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2.
Die empfohlene Gewichtszunahme während der Schwangerschaft richtet sich nach dem Body-Mass-Index (BMI) der Mutter:
  • bei einer normalgewichtigen Frau zwischen 11,5 und 16 kg
  • bei einer untergewichtigen Frau zwischen 12,5 und 18 kg
  • bei einer übergewichtigen Frau 7 bis 11,5 kg
  • bei einer adipösen Frau 6 kg

Muttermilch als Nahrung


In der Muttermilch sind Antikörper vorhanden, die das Neugeborene vor Infekten bewahren. Außerdem stärkt das Stillen die Bindung zwischen Mutter und Kind.

Muttermilch erleichtert die Versorgung des Säuglings im Alltag: Als Nahrungsquelle ist sie jederzeit verfügbar. Die Temperatur stimmt und es gibt keine Schwierigkeiten mit der Hygiene. Das Baby entscheiden selbst, wann es wie viel trinken möchte. Dadurch kann es seine Bedürfnisse optimal befriedigen. Die Gefahr, es womöglich mit Muttermilch zu überfüttern, besteht nicht.

Dennoch gibt es zahlreiche Gründe, die gegen das Stillen sprechen, etwa, wenn nach der Geburt bestimmte Medikamente eingenommen werden müssen oder wenn beim Stillen verschiedene Probleme auftauchen.

Lernen aus Erfahrung


Nach dem Abstillen bringen die engsten Bezugspersonen das Kind mit neue Geschmackseindrücken in Kontakt. Auf diese Weise lernt es dazu. Es kostet unterschiedliche Speisen und erweitert so seinen geschmacklichen Horizont. Auch das trägt zur Ausbildung von Vorlieben bei.

Sinnvoll ist es Speisen mehrfach anzubieten. Lehnt das Kind beispielsweise Spinat ab, kann es in ein paar Tagen oder Wochen schon anders aussehen. Es braucht Zeit, um sich an Neues zu gewöhnen.

Je älter das Kind wird, desto unterschiedlicher sind die Gemüse- und Obstsorten, die es ausprobieren kann. Mit verschiedenen Südfrüchten wie Ananas und Orangen sollten Eltern beispielsweise bis zum ersten Lebensjahr warten. Sie sind sehr säurehaltig und darum schwer verdaulich.

Eltern als Vorbilder


Kinder lernen durch Beobachten. Sie sehen anderen Menschen beim Essen zu. In den meisten Fällen sind ihre wichtigsten Bezugspersonen die Eltern, Großeltern und ältere Geschwister. Später kommen Gleichaltrige dazu. Kinder ahmen das Verhalten ihrer Vorbilder nach und übernehmen ihre Handlungen, Denkweisen und Gewohnheiten. Das Nachahmen spielt für zahlreiche Lernprozesse eine zentrale Rolle.

Das bedeutet, dass Kinder in Familien mit einem hohen Gesundheitsbewusstsein selbst auch zu gesünderer Ernährung neigen als Kinder, in deren Elternhaus vor allem Fertiggerichte und Fastfood auf dem Tisch stehen.

Für ältere Kinder wird die Gleichaltrigen-Gruppe, mit der Zeit wichtiger – auch für die Ernährungsgewohnheiten. Später gewinnen mediale Vorbilder wie Influencer in den sozialen Medien (Instagram, Facebook), Schauspieler, Musiker, Sportler und andere Prominente verstärkt an Bedeutung.

Gesunde Ernährung von Anfang an


Zwischen dem fünften und dem siebten Monat erfolgt die Umstellung des Babys von Muttermilch auf Breikost. Viele Eltern fragen sich, was ihr Kind eigentlich wann essen darf. Dabei sind verschiedene Punkte zu beachten:
  • Manche Speisen sind zwar prinzipiell gesund, aber dennoch erst ab einem höheren Lebensalter geeignet. Dazu zählen etwa Nüsse. Diese sind sehr klein und könnten beim Verschlucken in die Atemwege gelangen. Aus diesem Grund sollten Eltern sicherheitshalber Früchte wie Weintrauben und Kirschen vor dem Füttern mundgerecht zerkleinern.
  • Für rohes Gemüse sind Zähne vorteilhaft.
Honig ist zwar ein alternatives Süßungsmittel. Allerdings ist es frühestens ab dem ersten Lebensjahr geeignet. Es handelt sich um ein Naturprodukt, das Bakterien beinhalten könnte. Die Darmflora des Kindes ist noch nicht voll ausgebildet. Schlimmstenfalls bekommt es eine lebensgefährliche Darminfektion (Botulismus).

Ab welchem Alter darf was gefüttert werden?


Kleinkind wird gefüttertBild: pixabay.com @yalehealth

Die Umstellung von der Muttermilch beziehungsweise der Milchnahrung auf Breinahrung sollte behutsam erfolgen. Dafür eignet sich mittags ein pürierter Brei aus Gemüse, Kartoffeln und Fleisch – etwa ab dem 5. Lebensmonat.

Den Anfang macht ein Gemüsebrei mit leicht verdaulichen, milden Gemüsearten wie Möhren, Kürbis oder Fenchel. Sie haben von Natur aus süße Aromen. Das macht die Umstellung leichter. Blähendes Gemüse wie Kohl und Bohnen ist nicht geeignet für Babys.

Nach einer Woche Gemüsebrei können Kartoffeln hinzugegeben werden. Wird der Gemüse-Kartoffelbrei gut vertragen, ist mageres Geflügel-, Rind- oder Schweinefleisch eine sinnvolle Ergänzung. Das Fleisch stellt die Versorgung des Babys mit Eisen sicher.

Zwischen Monat sechs und Monat acht kann die abendliche Milchmahlzeit durch einen Brei aus Milch und Getreide ersetzt werden. Ideal sind Milchpulver und glutenfreie Getreide-Flocken (Reis, Hirse, Mais). Damit nimmt das Kind Eiweiß und Calcium auf. Beides ist entscheidend für starke Knochen und die Entwicklung der Zähne.

Ist das Baby sieben Monate alt, wird es Zeit, auch die morgendlich Milchmahlzeit auszutauschen. Dazu empfiehlt sich ein Brei aus mit Wasser angerührtem Getreide und Obst. Gut geeignet sind Apfel, Banane oder Birne. Zusätzlich braucht das Baby mehr Flüssigkeit. Als Getränke kommen Leitungswasser und ungesüßte Früchte- und Kräutertees infrage.

Im Alter von acht Monaten kann das Baby morgens erstmals klein geschnittene Brotstückchen mit ein wenig Butter statt Brei bekommen. Vegetarische Brotaufstriche und magere Wurst sind gute Alternativen. Wichtig ist, dass das Brot keine Körner enthält. Diese könnten beim Verschlucken in die Luftröhre geraten.

Statt Brot bieten sich morgens auch Getreideflocken mit Obst an. Der Mittagsbrei aus Gemüse, Kartoffeln und Fleisch braucht nicht mehr püriert werden. Es reicht, ihn grob mit der Gabel zu zerkleinern.

Abends eignet sich ebenfalls Brot mit vegetarischem Aufstrich, fettarmer Wurst oder Frischkäse. Als Beilage ist geraspeltes Gemüse eine gute Wahl. Den kleinen Hunger zwischendurch stillen kindgerechte Portionen Obst und Gemüse oder eine Mais- oder Reiswaffel.

In der Zeit vom 12. bis zum 18. Lebensmonat erfolgt die Umstellung auf das Familienessen. Das Kind bekommt nun drei Hauptmahlzeiten und zwei kleinere Zwischenmahlzeiten. Zwar müssen Speisen nicht mehr unbedingt speziell für das Kind zubereitet werden.

Trotzdem sind bestimmte Punkte bei der angebotenen Nahrung wichtig:
  • Stark gewürzte Speisen eignen sich nicht für Kinder.
  • Bei blähenden Gemüsesorten wie Bohnen und Kohl ist weiterhin Vorsicht angebracht.
  • Ein- bis zweimal pro Woche sollte Fleisch und Seefisch serviert werden.

Abwechslung ist das A und O


Um Kinder mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen in Kontakt zu bringen, ist Abwechslung nötig.

Kinder mit Einbeziehen


Kind knetet Teig und backt mitBild: pixabay.com @webandi

Einkaufen ist für Kinder eine spannende Aktivität, wenn sie in die Auswahl der Speisen einbezogen werden. In der Obst- und Gemüseabteilung kann das Kind beispielsweise selbst die Mohrrüben und die Äpfel aussuchen und in den Kinder-Einkaufswagen legen. Es sollte dazu ermutigt werden, unterschiedliche Gemüse, Salate und Kräuter anzuschauen, sie zu berühren, daran zu schnuppern und sie so mit möglichst allen Sinnen zu erleben.

Bei der späteren Zubereitung des Essens sollte das Kind nach Möglichkeit ebenfalls dabei sein und kleine Aufgaben übernehmen. Beim gemeinsamen Backen oder Kochen lernen die Kleinen immer wieder neue Zutaten und den Umgang mit Lebensmitteln kennen.

Um die Akzeptanz von Obst und Gemüse zu erhöhen, sind lustige Gemüsegesichter eine gute Idee: Kinder mögen alles, was bunt und fröhlich ist. Mithilfe von Plätzchenausstechern lässt sich Obst und Gemüse ebenfalls unkompliziert in Form bringen.

Auch lustige Geschichten rund um Obst und Gemüse sorgen für ein gutes Gefühl beim Essen. Wichtig ist, die Speisen in den Erzählungen nicht mit dem Etikett „gesund“ zu versehen. Kinder assoziieren Gesundes schnell mit „schmeckt nicht“.

Wie anfangs erwähnt: Für sie zählt vor allem der leckere Geschmack. Danach folgt die gute Stimmung am Esstisch. Sinnvoller ist es also Wörter wie „lecker“, „köstlich“, „himmlisch“ und ähnliches zu benutzen.

Gemeinsame Mahlzeiten


Das Essen im Familienkreis verbindet. Zusätzliche Rituale machen die gemeinsame Mahlzeit zu etwas Besonderem. Darum sind feste Essenszeiten eine gute Idee. Ablenkung ist hier unbedingt zu vermeiden. Beim Essen sollten weder der Fernseher noch das Radio oder der Computer nebenher laufen. Für Eltern ist der Blick auf Handys und in Zeitungen tabu.

Kinder orientieren sich an ihren Eltern. Mama und Papa sind als Hauptbezugspersonen ihre wichtigsten Vorbilder. Liegen auf den Tellern der Eltern unterschiedliche Gemüsearten und verzehren sie diese mit aufrichtiger Begeisterung, weckt das die Neugier des Kindes. (Heucheln bringt allerdings nichts. Kinder haben sehr feine Antennen!)

Es möchte beispielsweise wissen, wie die Aubergine schmeckt oder entwickelt ein Interesse am Feldsalat.

Umgang mit Problemen beim Essen


Nicht alle Kinder vertragen sämtliche Nahrungsmittel ohne Einschränkung. Manchmal zeigen sich schon im frühen Säuglings- und Kindesalter Allergien und Unverträglichkeiten.

Die Nationale Stillkommission empfiehlt Frauen aus diesem Grund, ihre Kinder nach Möglichkeit vier bis sechs Monate lang ausschließlich zu stillen. Muttermilch gilt als wirksamer Schutz gegen Allergien. Außerdem verbessert sich die Verträglichkeit neuer Lebensmittel. Kinder, die über diesen Zeitraum gestillt werden, haben weniger mit Atemwegsinfekten, Übergewicht und Typ-2-Diabetes zu kämpfen.

Falls das Stillen für die Kindesmutter nicht infrage kommt, gibt es die Möglichkeit, Kinder aus allergiebelasteten Familien in den ersten vier Lebensmonaten mit Alternativen zu versorgen wie etwa hypoallergener Anfangsnahrung (HA).

Diese beinhaltet weniger allergenes Vollmilch- oder Molkeeiweiß. Zumindest Neurodermitis kann damit vorgebeugt werden. Vor Asthma und Heuschnupfen schützt die HA-Säuglingsnahrung nicht. Einer Langzeitstudie zufolge wirkt die Spezialnahrung auf Kaseinbasis und Molkebasis am besten.

Umgang mit Unverträglichkeiten und Allergien


Umgangssprachlich werden die Begriffe „Nahrungsmittelunverträglichkeit“ und „Allergie“ häufig synonym gebraucht. Allerdings gibt es gravierende Unterschiede.

Symptome bei einer Allergie



Bei einer Allergie kommt es zu einer Überreaktion des Immunsystems. Schon kleinste Mengen führen zu Beschwerden. Ungefähr vier von 100 Babys und Kleinkindern leiden an einer Nahrungsmittelallergie. Dabei reagiert ihr Immunsystem auf Grundnahrungsmittel wie Milch, Eier, Nüsse, Soja, Weizen und Fisch.
Beim Kontakt kommt es zu Schleimhautschwellungen im Mund-, Nasen- und Rachenraum, einschließlich der Zunge. Zusätzlich zeigen sich Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Blähungen und Durchfall. Bei allergischem Asthma verengen sich die Bronchien. Allergien lassen sich im Blut, durch Hauttests und Ausschlussdiäten nachweisen.

Symptome bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit



Nahrungsmittelunverträglichkeiten dagegen rufen keine Antwort des Immunsystems hervor. Sie zeigen sich durch ähnliche Beschwerden: Durchfall, Magenkrämpfe und Blähungen. Das erschwert die Abgrenzung zu Allergien.

Umgang mit Nahrungsverweigerung


Bei 25 bis 40 Prozent der Säuglinge und Kleinkinder kommt es kurzzeitig zu Schwierigkeiten beim Füttern beziehungsweise beim Essen. Beispielsweise dreht das Baby beim Stillen den Kopf weg. Oder das Kleinkind verweigert die Nahrung, wodurch sich jede Mahlzeit in die Länge zieht.

Dahinter stecken oft Umstellungsschwierigkeiten. Kurze Phasen der Nahrungsverweigerung gibt es bei Übergangsphasen, zum Beispiel bei der Umstellung von Muttermilch auf Beikost. Oder wenn das Kind von der Breikost zur Familienkost wechselt. Hier ist in erster Linie elterliche Geduld gefragt: Meistens geben sich diese Probleme von selbst. Das Kind braucht Zeit, um sich an die neue Situation zu gewöhnen.

In seltenen Fällen liegen massive Fütterstörungen vor. Diese betreffen fünf bis zehn Prozent der Kinder. Bei drei bis vier Prozent verliert das Kind an Gewicht oder nimmt nur sehr wenig zu. Eine mögliche Folge sind Verzögerungen im Wachstum.

In diesem Fall kann eine organische Ursache hinter der Nahrungsverweigerung stecken. Das Kind sollte umgehend einem Kinderarzt vorgestellt werden. Möglicherweise steckt eine Erkrankung wie eine Zöliakie dahinter. Bei dieser seltenen Erkrankung löst das Klebereiweiß Gluten eine Darmentzündung aus.

Im Kleinkindalter zeigt sich die Zöliakie nach der Einführung glutenhaltiger Nahrung wie Grießbrei, Vollkornbrei und Brot. Typische Symptome sind Gedeihstörungen: Das Kind nimmt nicht mehr zu oder verliert Gewicht. Es hat keinen Appetit, erbricht und leidet unter Durchfall und/oder Verstopfung. Teilweise ist der Bauch auffällig aufgebläht. Dazu können Wesensveränderungen kommen: Die Kinder erscheinen ungewohnt weinerlich und verlieren die Freude am Spielen.

Im Vorschulalter Essstörungen vorbeugen


Kinder brauchen Regeln und Strukturen. Das gibt ihnen Halt und die Möglichkeit, sich optimal zu entwickeln. Um Essstörungen im Vorschulalter zu vermeiden, hilft es, gemeinsam Regeln und Rituale zu etablieren. Dies sorgt zudem dafür, dass Kinder lernen, das (gesunde) Essen mit einem positiven Gefühl zu verbinden.

Fazit


Es reicht nicht, mit Präventionsprogrammen im frühen Kindesalter anzufangen. Wer junge Menschen wirklich vor Übergewicht schützen möchte, sollte bereits bei der Familienplanung ansetzen und vor der Schwangerschaft die eigenen Ess- und Lebensgewohnheiten optimieren.

Nahrungsvorlieben entstehen durch unsere Gene, eine vorgeburtliche Prägung im Mutterleib und Gewohnheit. Dabei ist die Vorbildfunktion von Eltern, Großeltern und Geschwistern nicht zu unterschätzen. Es gilt, konsequent mit gutem Beispiel voranzugehen.

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