väterzeit.de - Vater sein, Mann bleiben

zur Druckansicht

Wer das Geld verdient


Wer das Geld verdientBild: Robert Kneschke - Fotolia.com

Das Alleinverdienermodell ist out. In modernen Partnerschaften sind beide für die Haushaltskasse zuständig. Was Paare mitunter auf eine harte Probe stellt.

Zwei Drittel der Väter sehen sich eher als Erzieher ihrer Kinder, denn als Familienernährer. Das stellte bereits 2002 eine groß angelegte Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums fest. Aus dem Wunsch ist inzwischen handfeste Wirklichkeit geworden: Eine repräsentative Emnid-Umfrage im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass für 60% der Bundesbürger der Alleinverdiener ein Auslaufmodell ist.

In den westlichen Bundesländern sprechen eher wirtschaftliche Zwänge dafür, dass beide Partner Geld verdienen. Im Osten hingegen steht die Emanzipation der Frau im Vordergrund: 17% meinen hier, es sei wichtig, dass auch die Frau Karriere machen kann, im den alten Bundesländern sind das nur 5%.

Gleich und gleich heiratet gern


Auch die Einkommensschere innerhalb der Partnerschaften hat abgenommen, Männer verdienen also nicht immer wesentlich mehr als ihre Frau. Der innerhalb der Paarhaushalte erzielte finanzielle Ausgleich sei schwächer geworden, so eine Auswertung von Christoph Schröder in den IW-Trends 1/2011. Tatsächlich sei es seltener, dass ein gut verdienender Partner das geringe oder fehlende Einkommen des anderen ausgleiche.

Ein eindeutiger Trend sei zu erkennen: Wer reich ist, nimmt sich einen Partner mit hohem Einkommen, und auch wer arm ist, sucht die Partnerschaft unter seinesgleichen. Der Grund: Frauen sind häufiger erwerbstätig als noch vor 10 Jahren. Der Anteil von Paaren mit zwei Vollzeitverdiensten oder einem Vollzeit- und einem Teilzeiteinkommen stieg von 53% auf 57%.

Geld - ein Beziehungsproblem


Aber wie gehen Paare mit ihrem Verdienst um? Nach einer Untersuchung von Caroline Ruiner vom Institut für Arbeitswissenschaft an der Ruhr-Uni Bochum hat ein Drittel (von über 1100 befragten Paaren) ein gemeinsames Konto und gemeinsamen Besitz. Ein Fünftel trennt das Geld, die Mehrheit (45%) handhaben die Finanzen mal so, mal so.

Dennoch wird Geld oft zum Problem in einer Beziehung - und nicht nur, wenn zu wenig davon vorhanden ist. Carolin Ruiner nennt Geld ein "symbolisches Medium, das mit Bedeutung versehen wird". Dann ginge es nicht um auf Scheinen aufgedruckte Summen, sondern um das Rollenverständnis von Mann und Frau.

Ihre Studie zeigt, dass die Art, wie Paare mit Geld umgehen, auf ihrem Partnerschaftsverständnis basiert. Wer sein Einkommen als "gemeinsames Geld" ansieht, hat ein eher partnerschaftliches Verständnis. Wer es aufteilt, dem sind individuelle Freiheiten sehr wichtig.
Richtig oder falsch gibt es nicht bei der Art, wie das Haushaltseinkommen aufgeteilt wird. Aber spätestens, wenn ein Kind unterwegs ist, sollte man sich erneut darüber austauschen. Denn dann ist es mit "mein Geld - dein Geld" nicht mehr so einfach.

Ralf Ruhl

Kommentar zu diesem Thema schreiben:

Name, Ort:
Mein Kommentar:
Bisher wurden noch keine Kommentare abgegeben.

zur Druckansicht