väterzeit.de - Vater sein, Mann bleiben

04.08.2010 5. Woche
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Ein neues zu Hause in fremder Umgebung

Wir richten uns ein neues zu Hause ein. Jetzt ist Zeit auszuruhen und anzukommen.
Wir leben jetzt in einem kleinen Häuschen in den Bergen am südlichen Rand des Himalaja. Aus den Fenstern kann man auf einen kleinen Bazar blicken. In der Ferne zeigen sich bei klarer Sicht fünf Bergketten, die sich am Horizont übereinander auftürmen. Meistens hängen dichte Wolken über den Häusern, Bergen und Wäldern. Doch es klart immer wieder plötzlich auf. Bei starkem Regen tropft es durch unser Dach. Und jeden Tag toben Affen über das Blechdach.

Vergangenen Freitag haben wir Noas 2. Geburstag gefeiert. Sie hat Luftballons, Seifenblasen und eine Autoriksha zum aufziehen bekommen. Die nennt sie jetzt: Mein Auto.

Wir kommen zur Ruhe und werden langsamer. Unsere Landung in Indien war wirklich anstrengend. Jetzt ist Zeit zum Ausruhen. Endlich haben Johanna und ich wieder Zeit für uns. Noa tut es gut dass wir beide da sind und dass wir an einem festen Ort bleiben. In unserer Wohnung rennt sie glücklich hin und her. Sonst gibt es nur wenige Orte, an denen sie sich so sicher fühlt, dass sie auf ihren eigenen Beinen laufen will. Ich trage sie meistens auf dem Arm.

Langsam finden wir als Familie zurück zu einem Rhythmus. Das gibt mir die Freiheit auch mal allein loszugehen. Bergauf beginnt der Bergwald. Morgens gehe ich gern zwischen den Bäumen spazieren. In der Abenddämmerung wandere ich lieber bergab über den Landour-Bazar in Richtung der kleinen Stadt Mussourie, die nur einige Kilometer entfernt liegt.

Mir tut es im Moment wirklich gut nicht mehr vor zu haben, als hier anzukommen und gut für Noa zu sorgen. Gleichzeitig ist das gar nicht so leicht auszuhalten. Immer wieder ertappe ich mich selbst dabei, wie ich mir die Frage danach stelle, was hier meine Aufgabe ist. Oder ich mache aus dem Wunsch Hindi zu lernen einen Anspruch der mir zur Last wird.

Mit etwas Geduld findet sich ein gesunder Tagesablauf fast von selbst. Ich frühstücke morgens mit Noa, während Johanna ihrer Yogapraxis nachgeht. Dann trinke ich einen Chai, übe mein spärliches Hindi und gehe im Bergwald spazieren. Die Baumstämme sind vom Flechten und Moosen umschlossen. Zarte Farngewächse wachsen aus den Moosen an jedem Ast. Wenn ich zurückkomme schläft Noa. Johanna gibt dann eine kurze Yogastunde für mich. Bald klettert Noa aus ihrem kleinen Reisezelt und sagt: Abendbrotzeit! Das ist unser Zeichen langsam zusammenzupacken und auf dem Bazar etwas zu Mittag zu essen.

Ganesh heist der Mann zu dem wir meistens gehen: Er versteht dass Johanna und Noa ein einfaches indisches Essen nur ohne Chili vertragen. Abends kochen wir in unserem neuen Heim. Da gib es dann etwas ganz Vertrautes auf den Teller.

Unsere Indienreise stellen wir nicht mehr prinzipiell in Frage. Ich denke wir sind aber etwas realistischer mit unseren Vorstellungen darüber geworden, wie wir zusammen Reisen können.

P.S.: Die ä und ü dieses Textes sind übrigens ein kleines Kunstwerk meinerseits. Heute schreibe ich uns einem Internetcafe mit einer super schnellen Verbindung. Dafür klemmen auf der Tastatur gleich mehrere Buchstaben. Insbesondere das T bedarf einer besonderen Kraftanstrengung.

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Kommentare von Lesern:

 
Karsten:
04.08.2010 14:38
Hallo Nils,

schön, von Euch zu lesen und das Ihr offensichtlich angekommen seid!