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Väter wollen gefragt werden

Innovative Konzepte sind gefragt. Es reicht nicht mehr, Väter zum kostengünstigen Renovieren der Gruppenräume einzuspannen oder sie beim Sommerfest an den Grill zu stellen, sonst aber zu ignorieren. Sitzungen des Elternrates oder Aufführungen des Kindertheaters, früher schon wegen ihres Zeitpunktes reine Frauentreffpunkte, müssen zu einem Termin stattfinden, den auch voll erwerbstätige Väter und Mütter wahrnehmen können. Männer, die zeitweise allein für ihr Kind verantwortlich waren, wollen von Erzieherinnen, Beraterinnen oder Lehrerinnen beachtet und ernst genommen werden. Schon in die Ausbildung dieser Berufsgruppen gehören deshalb Seminare und Bausteine, die sich mit Väterarbeit beschäftigen.

Aktive Väter wollen mit Kindern „ihr eigenes Ding machen”. Doch trotz der Erfolgsmeldungen beim Elterngeld haben Väter oft Schwierigkeiten, Gleichgesinnte zu finden. Treffpunkte für Mütter gibt es selbst in kleinen Gemeinden, für Väter fehlen sie weitgehend. In einigen Großstädten gibt es inzwischen eigene Väterzentren als Alternative zur herkömmlichen Familienbildung und als neues Element von Gemeinwesenarbeit.

Parallel dazu erreicht die Welle der engagierten Väter die Unternehmen - und damit jene „ernste Arbeit, die den ganzen Mann ausfüllt”, wie Kurt Tucholsky einst ironisch formulierte. Fakten setzen die Firmen dort unter Druck. Die Zahl der Väter in Elternzeit ist in vielen Betrieben deutlich gestiegen. Bei der Fraport AG zum Beispiel gingen nach Einführung der Papamonate plötzlich nicht mehr nur drei, sondern gleich 50 männliche Mitarbeiter in die Babypause - was am Boden des Frankfurter Flughafens besonders in der sommerlichen Hochsaison unerwartete logistische Probleme aufwarf.
Notwendig: eine neue Arbeitskultur in den Betrieben

In den Betrieben entscheidet sich, ob Lebensentwürfe langfristig individuell gestaltet werden können. Die „familienfreundliche” Erwerbswelt, die die Beraterszene predigt, erweist sich vielerorts als Mogelpackung. Tatsächlich gibt es eine Reihe von großen wie kleinen Unternehmen, die Eltern (oder auch Mitarbeitern, die ältere Angehörige pflegen) entgegenkommen. Sie wollen weniger unverbindlich „freundlich” sein als mit einer „familienbewussten” Personalstrategie vorausschauend dem befürchteten Fachkräftemangel begegnen. Vor allem qualifizierte Mütter möchten die Firmen nicht verlieren. Sie machen ihnen Angebote in Form mehr oder weniger attraktiver Teilzeitstellen. “Väterfreundlichkeit” ist deutlich weniger verbreitet: Männer sollen weiter voll einsatzfähig sein; Frauen gesteht man eine Nische zu, aus der heraus eine Karriere allerdings schwierig wird.

Die Wirtschaftspresse schreibt ständig über „Work-Life-Balance”, weil die Personalverantwortlichen das Umdenken in ihrer Belegschaft spüren. Zumindest ein Teil des umworbenen männlichen Nachwuchses erwartet nicht nur tolle Büros und schicke Dienstwagen, sondern auch Angebote zur Vereinbarkeit für Väter. Sie suchen betriebliche Partner für einen alternativen Karriereweg, der ruhig ein bisschen langsamer sein darf, der private Umwege akzeptiert und das Sammeln von Erfahrungen auch jenseits des Berufes positiv bewertet. Nur wenige Firmen haben schon überzeugende Konzepte vorgelegt, die Beschäftigte mit Fürsorgeaufgaben (dazu zählt auch die Pflege älterer oder behinderter Menschen) wirklich entlasten. Diese Vorzeigebeispiele prägen aber den öffentlichen Diskurs auf Tagungen, in Wettbewerben oder Zertifizierungsverfahren. Sie erwecken den Eindruck, es handele sich um einen allgemeinen Trend.

Die Unternehmen bieten gerade Berufsanfängern nur prekäre oder befristete Beschäftigung - und erwarten ständige Verfügbarkeit, sobald potenzielle Väter einen festen Job bekommen haben. Von den Hochglanzbroschüren unberührt dominiert eine Betriebskultur, die durch geringe Zeitsouveränität, regelmäßige Überstunden und Anwesenheitspflicht geprägt ist. Die Flexibilisierung im Firmeninteresse und die Ausweitung von Servicezeiten deckt sich keineswegs mit den Wünschen von Eltern oder pflegenden Angehörigen. Daran schrittweise etwas zu ändern ist die entscheidende Gestaltungsaufgabe der Zukunft

Thomas Gesterkamp
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Der Autor



Dr. Thomas Gesterkamp,
Journalist und Buchautor, lebt in Köln und ist Vater einer Tochter. Mitbegründer des Väter-Experten-Netz Deutschland, www.vend-ev.de

Buchveröffentlichungen:
„Hauptsache Arbeit? - Männer zwischen Beruf und Familie" (mit Dieter Schnack), Rowohlt Verlag, Reinbek 1996, Neuauflage als Taschenbuch 1998.

„Gutesleben.de - Die neue Balance von Arbeit und Liebe”, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2002.

„Die Krise der Kerle - Männlicher Lebensstil und der Wandel der Arbeitsgesellschaft”, Lit Verlag, Münster 2004, Neuauflage 2007.


„Die neuen Väter zwischen Kind und Karriere - So kann die Balance gelingen”, Verlag Barbara Budrich 2010

Kontakt: thomas.gesterkamp@t-online.de
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