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Polarisierung der Gesellschaft nimmt zu

Müssen wir mit einer Zunahme der Gewalt in den Familien rechnen?



Wir müssen davon ausgehen, dass es Gewalt in den Familien gibt und weiter geben wird, von Müttern wie von Vätern ausgehend. Dabei geht es nicht um ein Aufrechnen wer schlimmer ist. Wir müssen aber hinschauen auf die Männer, die große Probleme haben, sich als Opfer zu outen, es sich selbst zuzugestehen und dann gegebenenfalls zur Polizei zu gehen. Es ist so schwer, weil „man“ meint, man sei entweder ein Mann oder ein Opfer; beides zusammen ist im herkömmlichen Männerbild nicht vorgesehen.

Ein Ausblick in die Zukunft: Wie wird es in 10 Jahren mit Vätern und Müttern aussehen?



Prognosen sind für empirische Forscher immer schwierig. Ich vermute, dass die Polarisierung, die wir 2008 im Vergleich zu 1998 festgestellt haben, sich fortsetzen wird. Moderne Familienarrangements werden sich ausdehnen, es wird aber auch Gegentendenzen geben, vor allem in der Arbeitswelt. Da wird ja hohe Flexibilität und grenzenlose Verfügbarkeit der Arbeitskräfte durch die Arbeitgeber gewünscht. Flexibilität muss auch von den Familien gedacht werden können!
Flexibilität geben uns zwar auch technische Arrangements, wie das home-office, die Möglichkeit, sich für die Arbeit nicht von der Familie trennen zu müssen. Damit das anerkannt wird, brauchen wir eine Abkehr von der Anwesenheitskultur in Deutschland. Da wird physische Anwesenheit immer noch per se als Leistung gesehen. Dabei ist das medizinisch und physiologisch Unsinn, niemand kann acht Stunden am Stück konzentriert arbeiten. Teilzeit und entzerrte Arbeit wäre also effizienter und daher auch im Sinne der Unternehmen. Wenn Manager und Chefs selbst Väter sind, sind da auch in kleineren Betrieben interessante Arrangements möglich. Väter müssen auch nicht alles allein schaffen, sie sollten sich Unterstützung holen, sich erkundigen, welche Modelle es in den Betrieben gibt und wer sie schon in Anspruch genommen hat. Sie können Kontakte zu Gewerkschaften oder Männernetzwerken aufnehmen. Im politischen Bereich müssen die Betreuungsangebote weiter verbessert werden: Sie müssen flächendeckend, gut erreichbar und verlässlich vorhanden sein. Erst dann kann man von einer echten Wahlfreiheit für die Väter und Mütter sprechen, ob sie die Kinder zu Hause erziehen oder sie sie in eine Einrichtung geben wollen. In Frankreich, wo das seit Jahrzehnten praktiziert wird, ist Vereinbarkeit kein gesellschaftspolitisches Thema.

Die Fragen stellte Ralf Ruhl
TEIL 6

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Kommentare von Lesern:

 
Chris,Westerwald:
06.05.2010 12:51
Mir ist gerade aufgefallen das ich recht oft das Wort "man" benutzt habe.....Ich bitte das zu entschuldigen :-)
  unmöglicher Beitrag? Bitte melden!
Chris,Westerwald:
06.05.2010 12:47
Hi,Ich finde die Zeit ist gekommen Gleichberechtigung Partnerschaftlich zu leben.Und zwar nicht nur mit Worten sondern auch mit Taten.Mein Leben hat mit der Geburt meines Sohnes, den Genuss der Vater-zeit für sich entdeckt. Nach meiner Meinung sollte jeder Mann das mal gemacht haben.Es ist eine sehr interessante Erfahrung und bereichert ungemein.Leider wird man als Vater (in)Elternzeit immer noch belächelt.Man muss sich dumme Kommentare von Männern anhören, die sich selbst noch nie so einer Herausforderung gestellt haben.Ich erspare euch Details .Meine Meinung nach 9 Monaten Elternzeit ist::"Unsere Frauen machen einen super Job mit der Kindererziehung".Arbeiten gehen ist leichter.Es ist ein Unding wie wenig Anerkennung unsere Gesellschaft erziehenden Eltern zukommen läßt.Familie+Kinder+Haushalt ist eine Vollzeitjob.Leider weis ich das erst seit ich es selber mache.Den Haushalt bekomme ich nicht ganz so gut hin wie es meine Frau macht.Aber ich gebe mir mühe.Als Gegenleistung für die ganze Mühe,bekommt "Mann" etwas was man mit Worten nicht beschreiben kann.Man hat direkt teil am Leben des kleinen.Man ist nicht nur Vater sondern auch Freund,Spielgefährte,Lehrer des Kindes.Man hat teil an jeder Neuigkeit die es entdeckt.Teilweise wird man selber wieder etwas zum Kind :-).Wenn man Morgens den kleinen beim Aufstehen aus dem Bett holt, und dieses kleine wesen einen anstrahlt, mit einer Herzlichkeit die seines gleichen sucht, ist der ganze Tag ...egal wie schwer er noch werden wird gerettet. Wie gesagt umdenken ist angesagt.Väter traut euch. Vielleicht denkt ja nach meiner kleinen Ausführung der ein oder andere darüber nach mal für eine weile die seiten zu wechseln!Ich würde mich freuen...Gruss Chris

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TEIL 6

Dr. Rainer Volz



Dr. Rainer Volz ist Sozialwissenschaftler und Referent bei der Männerarbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland. Vor 10 Jahren veröffentlichte er mit Paul Zulehner die Studie „Männer im Aufbruch“. 2009 folgte die Untersuchung „Männer in Bewegung“. In beiden repräsentativen Studien wurden Männer zu ihrem Selbstbild und Frauen zu ihrem Bild über Männer befragt.

Studie Männer in Bewegung

Die Studie wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und kann hier heruntergeladen werden:

zur Studie

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