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Erfolgsmodell Väterzeit - eine Bilanz nach vier Jahren

Erfolgsmodell Väterzeit - eine Bilanz nach vier Jahren
Bild: Wladimir Wetzel - Fotolia.com

Das Elterngeld koste Milliarden, verfehle aber die von der Bundesregierung gesteckten Ziele, behauptet der “Spiegel”. Buchautor und Väterforscher Thomas Gesterkamp widerspricht.
Vor vier Jahren führte die frühere Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) gegen Widerstände im eigenen konservativen Lager das Elterngeld und die Vätermonate ein. Von “Windelvolontariat” sprach damals abschätzig ein CSU-Politiker, ZDF-Moderator Klaus Kleber fantasierte von der “3600 Euro-Peitsche”, mit der die Männer nach Hause getrieben werden sollten.

Die Erregung älterer Herren über “Zwangsverpflichtung” und “Freiheitsberaubung” konnte den Erfolg der neuen Regelung nicht aufhalten. Seit die Familienauszeit mit einer lukrativen Lohnersatzleistung honoriert wird, hat sich die Beteiligung der Männer mehr als versechsfacht. Nach den jüngsten Auswertungen des Statistischen Bundesamtes bezog im ersten Halbjahr 2009 fast jeder vierte frischgebackene Papa (23 Prozent) Elterngeld. Vor dem Start des Instrumentes im Januar 2007 waren es nur 3,5 Prozent; in den Jahren zuvor dümpelte die Männerquote um 1,5 Prozent.

Immerhin ein Viertel der Väter pausiert nach den letzten Zahlen länger als zwei Monate. Es handelt sich keineswegs um reine “Mitnahmeeffekte”, wie Kritikerinnen notorisch behaupten, sondern um einen grundlegenden kulturellen Wandel. Die hohe Akzeptanz der Väterzeit liefert zudem den Beweis, dass Politik Verhalten beeinflussen oder gar steuern kann. Mit bis zu 1800 Euro Unterstützung im Monat (von der vor allem Gutverdienende profitieren) wird Männern seither ein finanziell attraktives Angebot gemacht. Sie werden nicht mehr mit maximal 300 Euro abgespeist, sondern tragen trotz Babypause Wesentliches zum Familieneinkommen bei. Sie müssen ihre Versorgerrolle nicht vollständig aufgeben - und sind dabei zu monetärem Pragmatismus: Leichter als frühere Vätergenerationen können sie ertragen, zeitweise weniger zu verdienen als ihre Partnerinnen.

Einkommensunterschiede bei Mann und Frau



Wegen der Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen förderte das frühere Erziehungsgeld traditionelle Geschlechterrollen. “Ich verdiene einfach mehr” aus väterlicher oder auch “Mein Mann verdient einfach mehr” aus mütterlicher Sicht lauteten die gängigen Argumente für die althergebrachte Arbeitsteilung in den Familien. Verstärkt durch niedrige Verdienstgrenzen funktionierte der Zuschuss als “Herdprämie” für Frauen. Für gut qualifizierte Eltern stellte das Erziehungsgeld meist keine attraktive Alternative zur Berufstätigkeit dar. Mit der Reform von 2007 änderte sich das grundlegend - und führte zu einer nie dagewesenen Beteiligung der Väter.

“Neue Männer - altes Muster” titelte dennoch die Zeitschrift Brigitte. Auf Frauentagungen kursiert weiterhin die verstaubte und nicht mehr besonders witzige Floskel von der “verbalen Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre” (der Männer, selbstverständlich). Das Bonmot des Soziologen Ulrich Beck stammt von 1986, ist also ein Vierteljahrhundert alt!
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Der Autor

Dr. Thomas Gesterkamp

Dr. Thomas Gesterkamp,
Journalist und Buchautor, lebt in Köln und ist Vater einer Tochter. Mitbegründer des Väter-Experten-Netz Deutschland, www.vend-ev.de

Buchveröffentlichungen:
„Hauptsache Arbeit? - Männer zwischen Beruf und Familie" (mit Dieter Schnack), Rowohlt Verlag, Reinbek 1996, Neuauflage als Taschenbuch 1998.

„Gutesleben.de - Die neue Balance von Arbeit und Liebe”, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2002.

„Die Krise der Kerle - Männlicher Lebensstil und der Wandel der Arbeitsgesellschaft”, Lit Verlag, Münster 2004, Neuauflage 2007.

"Die neuen Väter zwischen Kind und Karriere", Verlag Barabara Budrich 2010, 2. Aufl.

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