Vaterverlust und Vatersehnsucht |
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 Bild: Cherrytea@photocase.de
Nach einer Trennung verlieren Kinder oft den Kontakt zum Vater. Was das für die kindliche Seele bedeutet, wie sie das Trauma des Vaterverlustes verarbeiten können und wie ihnen der Vater helfen kann, erläutert der bekannte Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Dr. Horst Petri im Interview. |
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väterzeit: Kinder verlieren bei einer Trennung oft den alltäglichen Kontakt zum Vater. Was fehlt ihnen, wenn der Vater nicht da ist?
Prof. Dr. Horst Petri: Ihnen fehlt das Grundgefühl von Schutz und Sicherheit, die zu den Urbedürfnissen des Menschen gehören. Dadurch gehen ihnen innerer Halt und Orientierung verloren. Ihre eigene Entwicklung stagniert, weil sie auf ein männliches Vorbild verzichten müssen.
väterzeit: Was sind die hauptsächlichen Folgen des Vaterverlustes für die Kinder?
Prof. Dr. Horst Petri: Abhängig von den günstigen oder ungünstigen Einflüssen des sozialen Umfeldes (Restfamilie, Verwandtschaft, Erzieher, Lehrer, Freunde etc.) kann das Trauma ohne schwerwiegende Folgen verarbeitet werden. Oder aber der Verlust führt zu chronischen Leiden, intellektuellen Entwicklungshemmungen, Beziehungsstörungen in Freundschaften und Partnerschaften und nicht selten zu sozialem Scheitern.
väterzeit: Wie reagieren sie auf den Verlust des Vaters, wie verarbeiten sie ihn?
Prof. Dr. Horst Petri: Kinder reagieren kurzfristig mit Verlassensängsten, Verlustschmerz, Trauer und sozialem Rückzug. Diese Gefühle verwandeln sich auf Dauer in Wut, Trotz, Einsamkeit und Gleichgültigkeit und führen, besonders bei Jungen, zu sozialen Verhaltensauffälligkeiten. Verarbeiten können sein den Verlust nur, wenn der Vater von der Umwelt nicht negativ stigmatisiert wird, sondern als ausreichend positives Vaterbild verinnerlicht werden kann.
väterzeit: Gibt es in dieser Hinsicht Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen?
Prof. Dr. Horst Petri: Jungen agieren die mit dem Vaterverlust verbundenen Konflikte stärker nach außen aus, was nicht selten zu dissozialem und kriminellem Verhalten führt. Mädchen verarbeiten die Konflikte stärker nach innen und reagieren mit psychischen und psychosomatischen Symptomen. Bei beiden ist die Vaterentbehrung mit Störungen der psychosexuellen Reifung und Identitätsfindung verbunden.
väterzeit: Gibt es ein Alter, in dem die Trennung weniger heftig erlebt wird?
Prof. Dr. Horst Petri: Die Erlebnisintensität ist weitgehend altersunabhängig und hängt in hohem Maß von der individuellen Disposition der Betroffenen und von der Reaktion der Umwelt, insbesondere der Mütter, ab.
väterzeit: Wie können Väter die Folgen abmildern und den Kontakt verbessern?
Prof. Dr. Horst Petri: Der „Kampf“ um die Kinder, insbesondere gerichtliche Auseinandersetzungen, führen in der Regel in die Sackgasse und verhärten die Fronten. In strittigen Situationen ist viel Geduld und Toleranz von den Vätern verlangt. Nur so können sie darauf vertrauen, dass die Kinder in einem höheren Alter selbständig über den Kontakt entscheiden und sich ihre Vatersehnsucht durchsetzt. Bis dahin kann man die Trennung durch Kontaktangebote und freundliche Gesten (Briefe, Postkarten, kleine Geschenke, Telefonate etc.) am besten überbrücken.
Die Fragen stellte Ralf Ruhl |
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Angela, Stuttgart:
02.02.2012 19:14
Vatersehnsucht - das kennen meine Kinder nur zu gut. Doch, wie kann man Väter dazu bringen die Vaterrolle einzunehmen? Was tun, wenn wie in unserem Fall sich der Vater nicht um sein Kind kümmern will, sich nicht interessiert 1 - 2 Pflichtbesuche (2-3 Std.) pro Jahr!
Keine böse Mutter, die Auflagen macht - im Gegenteil die sich freuen würde über Anteilnahme, Liebe und Fürsorge am Aufwachsen des gemeinsamen Kindes. Das Schlimmste dabei, Ich habe keine Erklärung für meine Kinder und ich kann ihnen ihr Leiden nicht abnehmen. Ich kann nur Muttter sein und nicht Vater und Mutter. Gruß
Viert, Wadern , Saarland:
19.01.2012 14:26
Meine Zustimmung in jeder Hinsicht bezüglich einer hoch wichtigen Beziehung zwischen Vater und Sohn. Für die Entwicklung eines Jungen unendbehrlich !
Aber bitte schön, Hr. Prof. , bei aller Ehre, gegen verstockt bornierte -blockierende Frauen bezüglich Umgangsrecht hilft nur das Gericht. Da ist Ihre letzte Antwort leider sehr naiv.
Gruß
Michael Reith , Lich:
13.01.2012 20:29
Sehr geehrter Herr Prof Petri,
mein Gefühl sagt mir das Sie diesen Verlust ja tatsächlich seine eigenen Kinder nicht mehr beschützen zu können nicht selbst miterlebt haben. Durchaus sind Ihre Vorschläge in diesem rechtlichem Rahmen, denn uns dieser Staat vorgibt nützlich. Und Ihre Analyse bezüglich der Störungen die sich bei den Kindern entwickeln werden, ist auch nachvollziehbar. Was mich persönlich massiv hier stört ist, das wenn Ihr Analytiker schon alles ganz toll voraussehen könnt, warum Ihr dann nicht ein geschlossenes Plädoyer des Verbandes der Psychotherapeuten an diesen Staat abgebt, und einfach mal Tacheles redet! Diese erbärmlich asoziale Schieflage ist unerträglich. Und jeder Vater der dies miterlebt stimmt mir zu. Mit was für einer Gelassenheit Sie den Vaterverlust analysieren lässt mir Tränen in die Augen steigen. Ein Wechselmodel wo beide Eltern gleichermaßen in allen Bereichen gefordert werden ist doch eine logische Lösung auf all Ihre Störungen die Sie voraussagen. In sehr vielen Bereichen des alltäglichen Arbeitslebens wird Fachleuten die Entscheidung überlassen. Bezüglich der Erziehung unserer Kinder im Fall eine Trennung haben wir Mittelalterliche Gesetze. Hier erwarte ich von den Fachleuten ( Und das sind Sie )einfach mehr Verantwortung. Dann haben Sie aber wahrscheinlich nicht mehr so viel Arbeit. Ich weiß wahrhaftig nicht wie ich all das sonst einordnen soll. Und tatsächlich bestimmt der Staat. Und seine Mitarbeiter führen einfach diese Richtlinien wie Schafe aus. Es tut mir einfach nur alles schrecklich Leid!!
Mit freundlichen Grüßen.
Michael Reith
Harald R, Eckental:
09.10.2011 10:00
"Der „Kampf“ um die Kinder, insbesondere gerichtliche Auseinandersetzungen, führen in der Regel in die Sackgasse und verhärten die Fronten."
Wenn man den "Kampf" ausschließlich als egoistisches "Gewinnstreben" versteht, dann ist dies vll. so. Der Kampf kann aber gerade dann, wenn man die Kinder eben nicht als "Objekte" sieht, durchaus auch im Sinne der Kinder sein, ja deretwegen sogar zur "Pflicht" werden. Das ist kein Erfolgsgarant, aber auf den "Erfolg" des Stillhaltens kann man eben auch nicht "vertrauen", wie es von Petri etwas naiv postuliert wird. Das ist mehr ein "religiöser" Apell zur systemkonformen Fügsamkeit und zum praktischen "Wohlverhalten" mit unsicherem Himmels-Versprechen - egal ob mit oder ohne "Jungfrauen". Es ist Glaube und "Hoffnung", aber keinesfalls "verläßlich" und darf somit nicht ansatzweise als der "Fakt" firmieren, als der es von Psychologen gar zu gerne "verkauft" wird. Es ist kein "hilfreicher", sondern ein leider falscher "schöne-Welt-Tip". Gegenbeispiele gibt es genug. Auch meine Erfahrung ist anders. Das kann genausogut in die Hose gehen, weil es ausgenutzt wird - und die Zeit und derweil geschaffene Fakten dreht dann auch kein Richter und kein Psychologe mehr zurück.
http://unpapa.de
Sascha M. Taufkirchen bei München:
18.01.2011 07:57
Man vergisst die negativen Gefühle die Elter oft für einander haben. Und somit man dann weiter versucht, durch Entfremdung den Ex zu verletzten. Ich bin Wahrscheinlich auch bald betroffen. Als Vater der jeden Tag sein Kind liebevoll umsorgt, meist alleine, stehe ich bald abhängig von einer Frau da, die entscheidet wann ich mein Kind sehen darf. Unerträglich und schmerzlich für mich.
Blauer-Weihnachtsmann.de - Hamburg:
07.09.2010 15:42
Um Gottes Willen nicht das Bemühen um die Kinder aufgeben! Einmal entfremdet und es gibt kein zurück. Wir brauchen in Deutschland die Doppelresidenz als Trennungsmodell. Die Kinder werden von beiden Eltern gleichwertig betreut, es gibt nur Ausgleichsunterhalt, die Sorge wird gemneinsam ausgeübt und die Mütter können in Ruhe ihre Karriere machen.
Und nur wenn sich die Eltern auf abweichende Regelungen einigen, dann sind sie zulässig, soweit sie nicht gegen das Wohl der Kinder verstoßen.
Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg in Deutschland. Und es werden noch viele Kinder einen Elternteil verlieren.
Trauriges Familienrecht!
Britta B. - bei Hamburg:
15.06.2010 10:40
Prof. Dr. Horst Petri: Der „Kampf“ um die Kinder, insbesondere gerichtliche Auseinandersetzungen, führen in der Regel in die Sackgasse und verhärten die Fronten..
- Das mag generell gut möglich sein. Einzelfälle zeigen jedoch das Gegenteil: Ich habe 3 Jahre lang versucht, den Kontakt ohne gerichtliche Regelung aufrecht zu halten und wurde vom Kindesvater, bei dem die Kinder leben, ausgespielt. Heute wirft man mir vor, ich hätte nicht genug Interesse gezeigt. Meine Kinder grüßen mich nicht mehr auf der Straße. Meine Anrufe auf den Handys der Kinder wurden nicht beantwortet, genausowenig wie diverse SMS. Ich hätte viel früher eine gerichtliche Entscheidung herbeiführen sollen, damit der Kontakt bestehen bleibt. In der Zeit der Freundlichkeiten und Zugeständnisse hatte er unendlich viele Möglichkeiten, mich vor den kids dumm dastehen zu lassen.... Manchmal ist ein Ende mit Schrecken und liebevoller Druck einfach die umsetzbarere Lösung, auch wenn´s nicht jedem gefällt.
Dorette Kühn, Geesthacht:
12.06.2010 19:28
Prof. Petri erkennt zwar die gr. Gefahr, die durch die Väterentbehrung ausgeht, ist aber nicht in der Lage, den Kindern zu helfen. Seine Zeit-Überbrückungs-Vorschläge
gehen weit an der Realität vorbei. Wir brauchen grundlegend neue Gesetze im Familienrecht. Die Psychologen müssten den Politikern die Augen öffnen und vor der psycho-sozialen Massenkatastrophe warnen.
lotzejong, Fulda:
02.06.2010 17:00
Im der letzten Antwort von Prof. Dr. Petri höre ich für mich raus, das NUR der Vater etwas tun kann?
Die Mütter, die die besseren Erzíehungskompetenz zu besitzen scheinen können nichts tun?
Wenn diese so kompetent wären, dann wüßten sie was ein Kind fühlt, wenn es in solch einer Situation steckt und würden es nicht im Loyalitätskonflickt alleine lassen.
...durch Kontaktangebote.....freundliche Gesten.... am besten überbrücken.
Wie soll ich mich verhalten, wenn ich nicht zum Geburtstag gratuliert bekomme oder die Kinder an der Schule ohne Gruß an mir vorbeigehen?
Vier Wochen später zum Geburtstag anrufen und .....nette Gesten?
Vielen Dank Herr Petri!
Wenn ein Kind nicht mehr in die Schule gehen will, dann lasse ich es auch nicht in Ruhe bis es von selbst wieder will. Sondern die Eltern und alle daran Beteiligten würden nichts unversucht lassen, dem Kind deutlich zu machen was die Folgen wären, welche zukünftigen Probleme entstehen könnten, um beim Kind ein 180°-Wendung im Verhalten zu erreichen.
Beim Mobbing eines Elternteils, der ausserhalb der Ein-Eltern-Familie lebt (welch sinnfreie Wortschöpfung), schaut die Gesellschaft einfach so zu.
Nebenbei bemerkt, das Jugendamt, die Schule, Erziehungsberatungstellen, Kindergarten, Klassen-Eltern, Freunde, Rechtsanwälte und noch viele ungenannte mehr schauen auch einfach nur zu und weg.
Wenn ein Kind gestorben ist, bekommt der Trauernde Elternteil mehr Unterstützung, als in diesem Fall.
Was fühlt ein Kind das nichts fühlen will?
lotzejong, Fulda:
02.06.2010 16:39
Hallo Heike, ja leider gibt es mittlerweile auch immer mehr Mütter mit diesem Problem.
Ich kenne meine Gefühle diesbezüglich und denke, dass ich mir deine Gefühle der Wut, Ohnmacht, Verzweiflung und noch viele ungenante mehr, sehr gut vorstellen kann.
Ich hadere beim schreiben über dieses Thema auch immer im Begriff darüber: Ausgegrenzter Elternteil, Ausgrenzender Elternteil, Entsorgter Vater, Entsorgte Mutter, uvm..
Aber wie ich sehe bist du aus Berlin? Am 26.Juni 2010 ist in Berlin die Demo vom Väteraufbruch für Kinder. Ich werde dort sein, denn dadurch kann ich die Situation besser ertragen.
Alles Gute!
lotzejong
Heike, Berlin:
01.06.2010 11:28
Ich finde es Schade, dass es immer nur um den Verlust der Väter geht. Es gibt inzwischen auch genug Mütter, denen es so geht. Ich gehöre leider auch dazu. Warum kann man nicht schreiben "betroffene Mütter und Väter"?
Jean-Jacques, Karlsruhe:
31.05.2010 22:48
Dass gerichtliche Lösungen grundsätzlich in der Regel in eine Sackgasse führen, stimmt so nicht - hier widerspricht sich Herr Petri ein Stück weit selbst.
Gemeinsame Zeiten von Vater und Kindern verringern die Vaterentbehrung, auch wenn diese Zeiten erst durch einen Gerichtsbeschluss festgelegt werden mussten. Wenn ein Gerichtsverfahren eingeleitet wird, ist die Situation ohnehin "verhärtet", und ein gerichtliches Verfahren muss nicht zu einer zusätzlichen und dauerhaften Verhärtung führen, wenn es umsichtig und vernünftig geführt wird.
Das Problem an Gerichtsverfahren ist viel eher die vielfach zu beobachtende Einseitigkeit und Borniertheit von Gerichten den Vätern gegenüber. Die Demütigung der Väter durch ihre Ex-Frauen und Mütter ihrer Kinder wird durch die herrschende Familienrechtspraxis, die sich viel zu langsam der gesellschaftlichen Realität stellt, fortgesetzt. In vielen europäischen Ländern sieht es im Vergleich dazu besser aus. Kritiker bezeichnen Deutschland teilweise als familienrechtliche "Bananenrepublik". Hier gibt es großen Nachholbedarf.
Mike Heese, Wettenberg:
31.05.2010 11:51
was ist DAS denn für ein Vorschlag: "Kampf um die Kinder aufgeben.."??? Ohne Worte.
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