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Die „Super-Dads“ kommen!

Väter in England - Die „Super-Dads“ kommen!
Bild: Melo@photocase.de

Gibt es „neue Väter“, die sich gleichberechtigt um ihre Kinder kümmern wollen, nur in Deutschland? Nein, gerade in England, im Land der Bowler-Hüte und der steifen Oberlippe, engagieren sich Väter viel stärker, als das Klischee des Gentleman oder des Power-Proletariers vermuten lässt. Und wie sie es machen, das klingt gar nicht so unvertraut.

Brotverdiener und Kinderpfleger



Kalt, unnahbar, streng – das machte früher den guten Vater aus. Einst Brotverdiener, Respektsperson und Mittelpunkt der Familie in einem. Von zahlreichen Kinder-Generationen wurde er gefürchtet. Jetztist auch in Großbritannien der moderne Vater von seinem patriarchalischen Thron gestiegen. Plötzlich redet man auf den britischen Inseln von „touchy-feely“ und „Super-Dads“.

Wohin das Auge schaut werden die einstigen Domänen der Muttis von Dads erobert: früh morgens am Eingang zur Schule, auf dem Kinderspielplatz, im Café, in Schwangerschafts-Kursen. Väter wechseln Windeln, schieben Kinderwagen, stehen nachts zum Füttern auf und studieren Bücher über den richtigen Umgang mit dem Nachwuchs. Am Stammtisch und im Fußballstadion werden kindgerechte Freizeitpläne diskutiert.

Jede freie Minute, die britische Papas nicht mit den Kleinen verbringen, plagt sie die Sorge schlechte Väter zu sein. „Der Beweis dafür, dass Väter mehr involviert sein wollen ist unwiderlegbar“, erklärt Adrienne Burgess vom Fatherhood Institute im walisischen Abergavenny, „Väter verbringen mehr Zeit mit ihren Kindern und übernehmen Haushaltspflichten – 800 Prozent mehr als 1975. Der Begriff Männlichkeit wurde um die Dimension Pflege erweitert – wenn sie heute Väter fragen, was ihnen wichtig ist so wollen sie immer noch Brotverdiener sein, aber sich um die Kinder zu kümmern steht auch sehr hoch im Kurs.“

Väter sind „hands on“



Während die Generation meines Vaters noch meist mit Abwesenheit glänzte, wenn es um die Kindererziehung ging, hat sich das Blatt inzwischen um 180 Grad gewendet. Vater-Sein bedeutet heute weit mehr als Würstchen grillen, Fußball spielen und Löcher in die Wand bohren. Väter im Inselkönigreich sind „hands on“, wie es im Englischen heißt. Sie legen Hand an – und damit ist weit mehr als das Heimwerkertum gemeint, einst die Königsdisziplin eines jeden stolzen Vaters.

Heutzutage geht es schon vor der Entbindung los. „Antenatal classes – Geburtsvorbereitungskurse“ heißt das Zauberwort und auch die sind heute nicht mehr Sache der Frau allein: Die Kurse werden meist von Paaren besucht. Dort lernen sie in trauter Eintracht die wichtigsten Handgriffe im Umgang mit dem Neugeborenen. Und dann die Geburt selbst: Kein britischer Vater aus meiner Generation, der etwas auf sich hält, würde sich die Blöße geben und nicht bei der Geburt seines Nachwuchses anwesend sein – hautnah mittendrin, live dabei. Vor 40 Jahren noch lieferten britische Ehemänner ihre hochschwangeren Frauen im Krankenhaus ab und tranken sich anschließend eine Woche lang im Pub Mut an. Zuhause stapelten sich derweil Geschirr und dreckige Wäsche bis zur Decke, weil Dad natürlich die Hausarbeit nicht auch noch machen konnte.
Während mein englischer Schwiegervater Windeln nur von der Wäscheleine kannte ist es heute eine „heilige“ Pflicht für britische Dads zu wickeln, zu baden und zu füttern was das Zeug hält. Vom Plymouth im Süden bis zu den schottischen Highlands im hohen Norden sieht man heutzutage Väter mit Babytragen und trendigen Offroad-Kinderwagen.
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Kommentare von Lesern:

 
Ilse Brübach:
30.06.2010 18:43
Ich fand den Bericht sehr gut. Die neue Generation der neuen
Väter ist gut dargestellt. Super. Ich finde es sehr gut wie die
junge Generation das Thema angeht und sehr gut bewältigt.
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Autor

Frank Heinz Diebel ist ein deutscher Journalist, der seit 1999 an der Themse lebt. Er ist verheiratet mit einer englischen Künstlerin, und die beiden haben zwei Söhne. Seit zwei Jahren ist Frank ein Stay-At-Home-Dad, der sich um seine Söhne kümmert, während seine Frau teilzeit als Kunstlehrerin an einer Privatschule arbeitet.

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