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Väter und Erzieher – Rivalen?

Wenn mehr Väter im Kindergarten sind, wie wirkt sich das auf die Alltagsarbeit der Erzieherinnen aus?
Mit Müttern ist der Umgangston für die Erzieherinnen viel vertrauter. Sind Männer in der Einrichtung, sei es als Hospitant oder als Elternvertreter, müssen die Erzieherinnen sich über ihr Konzept von Männlichkeit klar werden. Sie könnten sich z.B. fragen, wo sie Qualitäten oder Defizite bei Männern sehen. Sie sollten lernen, mit Männern anders umzugehen als mit den Jungen in der Bauecke, die mal etwas zu laut werden. Sie können Stärken bei allen Vätern entdecken, ihnen signalisieren, dass sie erwünscht sind und einen wichtigen Beitrag zur Erziehung leisten – einen, den Frauen nicht oder anders leisten können. Väter wollen aktiv eingebunden werden; das kann der Grill beim Sommerfest sein, Väter wollen aber auch einen Turnkurs anbieten, einen Sing-, Spiel- oder einen Holz-Bastelnachmittag. Interessant, wenn es nicht typisch männlich ist, denn damit wird anderen Männern signalisiert: In der Kindererziehung sind Qualitäten gefragt, an die ihr vielleicht noch gar nicht gedacht habt.
Entstehen nicht schnell Konkurrenzsituationen zwischen dem Vater und dem männlichen Erzieher?
Ich glaube, dass weniger Rivalität um die Aufmerksamkeit und den besten Umgang mit dem Kind entsteht, sondern dass ein Lernen am Modell stattfindet. Der Erzieher sieht, wie der Vater sein Kind begrüßt, wie er sich verabschiedet, wie er es in den nächsten Abschnitt des Tages überleitet. Der Vater sieht, dass ein Erzieher sein Kind freundlich behandelt, obwohl es vielleicht gerade eine Tasse Kakao umgeschüttet hat. Von dieser Wertschätzung, von dieser Art des fairen und wohlwollend distanzierten Umgangs mit dem Kind nimmt er etwas mit nach Hause. Ein Vater fühlt sich in seiner Rolle als Mann ent-anonymisiert. Er fühlt sich erkannt, allein durch den Blick eines männlichen Erziehers. So entsteht eine Kommunikation, die den Vätern hilft, ein wenig pädagogische Distanz zu entwickeln. Denn die ist notwendig, um den Kindern genügend Spielraum zu geben, gelassener mit Erziehungsschwierigkeiten zu Hause umzugehen, weniger Gewalt anzuwenden, mehr auszudiskutieren und dem Kind zuzuhören. Da kann ein Erzieher Vorbild sein und weniger Konkurrent des Vaters.

Was haben die Jungen und Mädchen davon, wenn mehr Väter im Kindergarten anwesend sind?
Kinder haben das Recht täglich Männern in der Einrichtung zu begegnen. Jungen und Mädchen haben so die Chance, den Stereotypen, die mit männlich und weiblich verknüpft sind und dem typischen Verhältnis von männlich zu weiblich, nicht einfach aufzusitzen. Sie erleben, wie ein Vater/(Erzieher) mit einer Erzieherin umgeht, wie sie Konflikte lösen, dass das nicht mit Dominanz, Gewalt und Unterwerfung geht, sondern durch Aushandeln – und dass es manchmal lange dauert. So werden sie die Illusion los, Väter seien immer Täter und Macher, Frauen seien immer Vermittlerin, nachgiebig und anschmiegsam. Da können kleine Menschen lernen, es gibt Männer, die sehr verständnisvoll und rücksichtsvoll sind, die nicht nur auf Gehorsam aus sind und auf die Anerkennung ihrer Position pochen, sondern die durchaus maskuline Qualitäten haben – aber andere, alltagstauglichere als in Werbung und Filmen demonstriert werden.

Ist es besonders schwer, auf ausländische Väter zuzugehen?
Beispielsweise in Köln haben 56% der unter 18-jährigen einen Migrationshintergrund. Da ist es gut, das Spezifische des Konzeptes der Kita in vielen Sprachen schriftlich zur Verfügung zu haben. Wichtig sind auch Paten aus der Herkunftskultur der Eltern. Die können zeigen, es ist machbar, sich sowohl der einen als auch der anderen Kultur zu verpflichten. Es geht nicht darum, dass die Minderheit sich an die Mehrheit anpasst, sondern dass man die Chancen erkennt, die in der Vielfalt der Hintergründe liegt und den Dialog führt. Im Kindergarten kann man zum Beispiel zusammen mit allen Vätern kochen und landestypische Gerichte auftischen. Oder Märchen aus der Heimat vorlesen und erzählen. So zeigt man den Vätern, dass sie nicht allein sind, und kommt ins Gespräch.

Die Fragen stellte Ralf Ruhl
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Martin Verlinden

Martin Verlinden ist Väterforscher und Dozent an der Fachhochschule Köln im Bereich Pädagogik der frühen Kindheit und Familienbildung

Veröffentlichung:
Martin Verlinden, Anke Külbel: Väter im Kindergarten: Anregungen für die Zusammenarbeit mit Vätern in Tageseinrichtungen für Kinder, Cornelsen Verlag Scriptor 2005, Euro 15,50

Aufruf für mehr Männer in Kitas:
www.maennerinkitas.de

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