Seitenhieb vom 25. März 2017

Aber bitte mit Ketchup!

Schon als Kind habe ich ihn gehasst: Den Fressmarathon zwischen Heilig Abend und Silvester. Nicht dass ich ungern essen würde. Im Gegenteil, das ist ja das Problem!
Tobias Bücklein - Aber bitte mit Ketchup!
Illustration: Michael Luz
Aber diese Ansammlung von Gänsebraten, Lasagne, Pastetchen, Würstchen mit Kartoffelsalat und Plätzchenbergen überstand mein Verdauungssystem schon als Kind nur mit Mühe und – inzwischen – mit einigen Grappas. Stets war der Genuss getrübt durch die Gewissheit, dass ich Anfang Januar beim alljährlichen Durchprobieren meiner Garderobe wieder einmal aus allen Nähten platzen würde.

Heute sind zu diesen Problemen zwei weitere hinzugekommen: Elise und Oskar, meine beiden Lieblingskinder. Nur für sie eigentlich machen wir ja den ganzen Zauber, stellen Kerzen auf und Weihnachtsbäume, decken den Tisch festlich, backen Kekse und ertragen es, dass den ganzen Tag Weihnachtslieder von namhaften Popkünstlern in modernem Arrangement vorgetragen durch unser Haus säuseln.

Früher war alles ganz einfach: An Heilig Abend gab es Würstchen mit Kartoffelsalat, am ersten Feiertag kochte meine eine Großmutter Pastetchen, am zweiten meine andere Sauerbraten, an Silvester gab es Lasagne, an Neujahr Hefebrezel mit Nutella. Jedes Jahr. Wir wurden nicht gefragt. Da wusste man wenigstens, was auf einen zukam.

Wenn wir heute Ende September in der Familienkonferenz das Programm für Weihnachten diskutieren, stellt meine Tochter erst einmal klar: Sauerbraten schmeckt mir nicht, Pastetchen mag ich nicht, ich möchte Pommes mit Ketchup! Und ihr kleiner Bruder Oskar hätte ohnehin gerne nichts weiter als eine große Dose mit Butterkeksen.

Aber was werden meine Eltern dazu sagen? Was meine Schwiegermutter? Einerseits sind zufriedene Kinder die Grundlage jeder gelungenen Weihnachtsfeier. Andererseits stehen die dann fälligen Gespräche über die Ernährungsgewohnheiten unserer Familie diesem Ziel reziprok entgegen. Wen also soll man nörgelnd ertragen?

Gesucht wird also einen Essensplan für ca. 8 Tage, der alle Generationen befriedigt. Die Mahlzeiten sollten sich ohne längere Vorbereitung oder Hochschulabschluss zubereiten lassen, sämtlichen Anforderungen der modernen Ökotrophologie stand halten und so beschaffen sein, dass auch mein Jüngster beim Verzehr nicht die wunderbare traditionelle Tischdekoration verschmieren kann. Rezeptvorschläge bitte an die väterzeit.de-Redaktion einsenden.

Ach ja: Es reichen die Mengenangaben für sechs Personen aus. Ich selbst bin ohnehin damit beschäftigt, Oskar vom Weihnachtsbaum fern- und Elise vom frühzeitigen Geschenkeauspacken abzuhalten. Mir genügt inzwischen der Grappa danach. Und auch die Hosen passen wieder.
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Tobias Bücklein

Tobias Bücklein lebt als Musiker, Entertainer und Moderator mit seiner Familie in Konstanz. Er war Mitherausgeber der Zeitschrift "Paps". Sein aktuelles Kabarettprogramm heißt "Testosteron - Der Stoff aus dem die Männer sind". Für private Auftraggeber entwickelt er mit seiner "Show-Manufaktur" individuelle Unterhaltungskonzepte.
Eigene Homepage www.testo-tobi.de

Die Seitenhiebe sind auch als Buch erschienen:
Die Seitenhiebe von Tobias Bücklein
Preis: 5,80 Euro (zzgl. Versand)