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Seitenhieb vom 10. August 2018

Papi allein zuhaus

Mutti fährt mit den Kindern weg und Papa hat ein freies Wochenende! Toll! Wäre da nicht die Liste mit den eben mal schnell zu erledigenden Aufträgen.
Tobias Bücklein - Papi allein zuhaus
Illustration: Michael Luz
Manchmal hat meine Lieblings-Gattin hervorragende Ideen, bei deren Umsetzung ich sie uneingeschränkt unterstütze. Zum Beispiel die, mit meinen beiden Lieblings-Kindern zu meiner Lieblings-Schwiegermutter zu fahren. Ohne mich! Drei Tage lang das ganze Haus für mich allein! Drei Tage ungestörter Schlaf. Mit einer Zeitung vor einem Pott Milchkaffee lümmeln, ohne Schulbrote schmieren oder Reiterlein schneiden zu müssen. Drei Tage ungestört arbeiten bis zum Abwinken! Herrlich!!

Dafür nehme ich die paar kleinen Aufträge gerne in Kauf, die mir die langen Tage bis zur Wiederkehr der Restfamilie überbrücken helfen sollen: Zwei Lampen aufhängen, Elises Wecker reparieren, ein Küchenregal anbringen, für Oskar eine Spielzeugkiste schreinern, jeden Tag die Meerschweinchen versorgen und Blumen gießen, am dritten Tage die Wohnung in einen zivilisierten Zustand versetzen und den Kühlschrank füllen. Nun denn.

Die Meerschweinchen füttere ich lieber gleich und gebe ihnen und den Blumen Futter und Wasser für drei Tage, damit ich wenigstens daran nicht mehr denken muss. Schließlich habe auch ich mir einiges vorgenommen: Jeden Tag eine Stunde Joggen, eine halbe Stunde Yoga und dann sind da noch geschäftliche Termine, zwei Arztbesuche und die Glosse, die ich bis zum Wochenende schreiben soll.

Mich beschleicht die Erkenntnis, dass es so richtig erholsam wohl nicht werden wird. Die Erkenntnis verfestigt sich, als allein das Besorgen der Materialien für Oskars Kiste zwei Stunden in Anspruch nimmt. Schließlich hat meine Lieblings-Gattin nicht nur die Kinder, sondern auch das Auto mitgenommen ...

Am Ende des ersten Tages habe ich eine Lampe aufgehängt, einen Arztbesuch hinter mich gebracht und den ersten Geschäftstermin abgesagt. Zum Joggen ist es bereits zu dunkel. Elises Wecker liegt in Einzelteile zerlegt auf meinem Schreibtisch, als ich gegen 2.30 Uhr vor dem Laptop einschlafe.

Gegen drei Uhr nachts werde ich von einem Fax geweckt und schleppe mich ins Ehebett. Um fünf Uhr höre ich vermeintliche Schreie meines Sohnes Oskar. Als um 9.30 Uhr das Telefon klingelt, stolpere ich die Treppe in Richtung Arbeitszimmer hinunter und bin gerade noch schneller als der Anrufbeantworter.

Es ist meine Gattin. Sie freut sich darüber, dass ich mich offensichtlich so gut erhole und endlich mal richtig ausschlafen kann. Während ich mühsam meine Gehirnzellen in die richtige Formation bringe, berichtet sie, Oskar könne inzwischen Treppen steigen und habe ganz deutlich „Bagga“ und „Mami lieb“ gesagt. Von mir habe er nicht gesprochen. Ob ich an die Meerschweinchen denke? Ob es den Blumen gut geht? Ob die Spielzeugkiste schon fertig ist?

„Alles in Ordnung, Schatz!“ lüge ich. „Dann hast ja wenigstens du eine schöne Zeit“, tönt es etwas vorwurfsvoll aus dem Hörer. Und liebevoll fügt sie hinzu: „Wenn wir morgen heimkommen, bist du aber mal dran mit den Kindern!“
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Tobias Bücklein

Tobias Bücklein lebt als Musiker, Entertainer und Moderator mit seiner Familie in Konstanz. Er war Mitherausgeber der Zeitschrift "Paps". Sein aktuelles Kabarettprogramm heißt "Testosteron - Der Stoff aus dem die Männer sind". Für private Auftraggeber entwickelt er mit seiner "Show-Manufaktur" individuelle Unterhaltungskonzepte.
Eigene Homepage www.testo-tobi.de

Die Seitenhiebe sind auch als Buch erschienen:
Die Seitenhiebe von Tobias Bücklein
Preis: 5,80 Euro (zzgl. Versand)