Seitenhieb vom 16. September 2017

Substitution des Wortes „Papa“

Papa ist das Unwort des Jahres! Ist es doch schon phonetisch mit allem Negativen dieser Welt assoziiert und infiziert. So lasset uns zu seiner Ausmerzung schreiten!
Sehr geehrte Mitglieder der Gesellschaft für Deutsche Sprache, sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen,
seit längerer Zeit schon fällt uns im Arbeitsausschuß „Substitution diskriminierender Begriffe“ eine Vokabel besonders unangenehm auf: "Papa"Das vermeintlich harmlose Wörtchen wird im deutschen Sprachgebrauch bereits seit dem 17. Jhd. völlig unreflektiert verwendet. Nach unserer Überzeugung ist der Begriff „Papa“ keineswegs eine liebevolle, der Kindersprache abgelauschte Bezeichnung für Vater, sondern ein Unwort erster Güte, bis ins kleinste Phonem hinein negativ besetzt. Auf subtilste Weise sind alle so Bezeichneten der Diskriminierung ausgesetzt. Und neueste Forschungen gehen sogar davon aus, daß die Verwendung dieses Zweisilbers, über Jahrhunderte hinweg die Beziehungen zwischen Vater und Kind auf subtilste Weise blockiert hat.

Ein Blick auf den täglichen Sprachgebrauch macht bereits deutlich, daß die Silbe „Pa“ Ablehnung und Ekel suggeriert. „Ba!“ sagen die Eltern zu ihrem Kleinkind, wenn es mit den Händchen eine klebrige, eklige oder stinkende Materie berühren will. „Pah!“ sagt später der Erwachsene, um seine Verachtung und Ablehnung auszudrücken. Und allein der Plosivlaut „p“ entspricht ja bereits dem mundmotorischen Vorgang des Ausspuckens - „p!“

Auch die Zusammensetzungen, die mit dem Bestandteil „Papa-“ gebildet werden, zeigen deutlich, welch negativierende Kraft in diesen beiden Silben steckt: Sowohl der „Papa-gallo“ als auch der „Papa-razzi" sind mit eindeutig negativen Assoziationen verbunden. Der „Papa-gei“ gilt als Inbegriff eines dummen, alles nachplappernden Vogels. Und die abwertende Vokabel „Papa-lapapp“ muß ich ja wohl kaum erwähnen.

Betrachtet man die Worte, die sich nur in einem Vokal von „Papa“ unterscheiden, wird schließlich deutlich, in welcher Verwandtschaft sich der Familienvater befindet: „Popo“ und „Pipi“.

Nicht soziologische Veränderungsprozesse sondern die schleichende Diskriminierung der Väter durch die Sprache sind also unserer Ansicht nach verantwortlich für die zunehmende Abwesenheit des Vaters in Familie und Erziehung, für das Fehlen von Vaterfiguren und Vorbildern, kurzum für den Zustand der heutigen Gesellschaft an sich.

Um mein Plädoyer zu untermauern, möchte ich Sie am Ende noch auf zwei Ergebnisse internationaler Forschungsarbeiten hinweisen: Hier wird ein Zusammenhang des Wortes „Papa“ zum österreichischen „baba“ und zum englischen „bye-bye“ nachgewiesen. Die Gleichsetzung der Bezeichnung für „Vater“ mit einer Abschiedsformel diskriminert den Papa von vorneherein als denjenigen, der sich verdrückt, nie zu Hause ist, seine Familie im Stich läßt usw.
Die angloamerikanische Bezeichnung für „Papa“ geht sogar noch einen Schritt weiter: „Daddy“ oder „Dad“ - also „kleiner Tod“ bzw. „Tod!“ nennen hier ungestraft die Kinder ihren Vater!

Meine Damen und Herren, ich frage Sie - wollen wir amerikanische Verhältnisse, oder wollen wir der Entfremdung unserer Gesellschaft von den Vätern entgegenwirken und ein Zeichen setzen? Es kann nicht länger angehen, daß sich in der deutschen Sprache ein Schimpfwort im täglichen Sprachgebrauch einnistet und die Grundlagen unserer Familien und damit unserer Zukunft zerstört.

ch bitte Sie deshalb für den Ersetzungsvorschlag unseres Ausschusses um Zustimmung durch Akklamation.

Vielen Dank.
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Tobias Bücklein

Tobias Bücklein lebt als Musiker, Entertainer und Moderator mit seiner Familie in Konstanz. Er war Mitherausgeber der Zeitschrift "Paps". Sein aktuelles Kabarettprogramm heißt "Testosteron - Der Stoff aus dem die Männer sind". Für private Auftraggeber entwickelt er mit seiner "Show-Manufaktur" individuelle Unterhaltungskonzepte.
Eigene Homepage www.testo-tobi.de

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