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Eingewöhnung

Eingewöhnung in den Kindergarten
Bild: Gina Sanders - Fotolia.com

Wir fragten auf Väterzeit.de und im Magazin kidsgo parallel, wie die Eingewöhnung im Kindergarten am besten klappt. Auffallend: Männer wollen mehr Beteiligung, als Mütter ihnen zugestehen. „Eingewöhnung - wie klappt es am besten?“ war unsere Frage. Über kidsgo antworteten 350 Personen, fast alle sind Mütter. Auf väterzeit.de gaben knapp 200 ihre Meinung zu Protokoll, fast ausschließlich Väter.

Männer - partnerschaftlicher orientiert als Frauen?



Die größte Zahl ist bei Männern wie Frauen beim Balken „Beide Elternteile wechseln sich ab“ zu sehen. Eine satte absolute Mehrheit von 66% der Männer stimmt hier zu. Bei den Frauen nur eine relative Mehrheit von 46% - ein riesiger Unterschied. Sind Männer also stärker partnerschaftlich orientiert als Frauen?

Väterexperte Martin Verlinden von der Fachhochschule Köln warnt vor einer zu starken Interpretation dieses Ergebnisses: „Die gefühlte Realität hält mitunter einer genauen Messung nicht stand. Oft sind zudem sozial-erwünschte Antworten in der Überzahl, obwohl sie nicht die Realität treffen.“

Doch der Aussage „Nur der Papa macht die Eingewöhnung“ stimmten mit 18% prozentual doppelt so viele Männer wie Frauen zu. Obwohl immer wieder Erzieherinnen den Eltern raten, den Vater in den ersten Wochen das Kind in die Kita begleiten zu lassen. Denn aufgrund der vermuteten größeren Nähe des Kindes zur Mutter befürchten sie weniger Ablösungsschwierigkeiten, wenn der Mann diesen Part übernimmt.
Umfrageergebnisse Eingewöhnung im Kindergarten
Bild: kidsgo.de und väterzeit.de

Väter wollen stärker an der Erziehung beteiligt werden



Die Männer wollen diesen Zahlen zufolge sich offenbar stärker an der Eingewöhnung beteiligen, als Frauen es ihnen zugestehen. Martin Verlinden: „Wenn es stimmt, dass Frauen häufiger die Eingewöhnung des Kleinkindes im Kindergarten begleiten, dann steckt hinter den Antworten der Männer, dass sie vermutlich einen stärkeren Anspruch auf mehr Beteiligung in der Kleinkinderziehung erheben, als Frauen das ihrerseits zur Zeit in der Familienpraxis sehen. Oder umgekehrt, Frauen übersehen nach diesen Rohdaten möglicherweise, welche Anteile Väter an der Kleinkind-Begleitung haben und beanspruchen.“

Dazu passt auch, dass 41% der Frauen, aber nur 5% der Männer meinen: „Nur die Mama macht die Eingewöhnung“. Einer anderen Person, der Oma oder Kinderfrau, gestehen nur 4% der Frauen und 11% der Männer zu, dass sie das Kind bei der Eingewöhnung besser unterstützen können.

Wollen die Mütter also die Kontrolle über das, was mit dem Kind geschieht, erhalten? Verlinden: „Nicht wenige Mütter betrachten immer noch die Kleinkinderziehung als ihr Revier, wo der Vater eher als ‚Handlanger’ oder ‚Ersatzmann’ auftreten darf. Das wird sich in den nächsten Generationen zunehmend ändern. Doch schon heute ist sensible Aufmerksamkeit vonnöten. Grundsätzlich könnten Mütter sich fragen: Wo lasse ich meinem Partner ausreichend Spielraum, dass er eine eigene intensive Kommunikation mit unserem gemeinsamen Kind aufbaut? Wo mische ich mich als Mutter zu früh ein? Wo lasse ich ihn zu wenig zum Zuge kommen im Umgang mit dem Kind?“

Mehr Vertrauen in Väter!



Denn diese Umfrageergebnisse lassen auch den Schluss zu, dass Frauen Männern nicht zutrauen, von sich aus selbständig zum Wohl des Kindes zu entscheiden. Hierzu bemerkt der Väterexperte: „Es ist einerseits für Mütter, die das Kind neun Monate unterm Herzen trugen, nicht einfach das Kind anderen anzuvertrauen und sich zu sagen: ‚Das macht der anders als ich, aber ich vertraue darauf, dass er es gut macht!’ Vorsicht, Sorge, Schutz gegenüber dem Kind scheinen bei Frauen oft stärker ausgeprägt als bei Männern, die sich ja bekanntlich mit ihren Kindern auch mal gern an riskante Herausforderungen heranwagen.“

Den männlichen Part in der Erziehung sieht Verlinden in einer durchaus positiven Abgrenzung und Erweiterung des weiblichen pädagogischen Verhaltens: „Männer wollen den eigenen Spross gern stärken und ermutigen, über zu enge Grenzen hinauszuwachsen. Das halte ich für typisch bei Vätern: Umgang mit Werkzeug, Kraft- und Geschicklichkeitsspiele, Leistungssteigerung, kreative Erfindungen, gewagte Konstruktionen und kleine Expeditionen über den Horizont hinaus gehören meiner Meinung nach zum eher männlichen Erziehungsanreiz in der Familie.“

Ralf Ruhl

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