väterzeit.de - Vater sein, Mann bleiben

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Wenn aus Männern Papas werden


Schreibpause, denn Valentin will sich nicht mehr allein am Boden tummeln.

Ich spiele seit einer Stunde mit Valentin liegend auf dem Sofa. Wann kommt Mama, ICH BRAUCHE EINE PAUSE! Schließlich nehme ich den Kleinen hoch, er sitzt auf meinem Schoß, ist zufrieden, weil er mehr sieht. Da kommt die Mama heim und sagt, Du weißt doch, er soll nicht so viel sitzen. - Er sitzt erst seit einer Sekunde! knurre ich. Sie ist so ungerecht!! Sie hat ja Recht.

Zu Beginn der Elternzeit hatte ich mir vorgenommen, auch etwas für mich zu tun. Schreiben. Eine Fortbildung. Sport. Jetzt ist alles anders. Es ist wie es ist. Es gibt Tage, Wochen, da geht nichts, nicht mal Putzen oder Duschen oder mein Müsli in Ruhe essen. So ist das halt, sagt Mama. So kann es nicht gehen, sage ich. Sie hat schon eine Tochter, also mehr Erfahrung.

Ich versuche ihr zuzuhören. Manchmal geht es nicht. Wieviel Recht auf eigene Erfahrungen habe ich? Aber auch: Wunderbar, wie sie loslassen kann! Manche Mamas halten es nicht aus, bei einem zweistündigen Väter-Pekip außerhalb des Raumes zu warten! Ein Alptraum! Zum Glück nicht meiner. Rollenwechsel: Mama Arbeit, ich Baby. Endlich versteht man den anderen - denkt man. Jein! Jetzt sage ich, wenn sie heimkommt, Du fragst gar nicht, wie's mir geht! Sie sagt jetzt meinen Satz: Ich hab den ganzen Tag gearbeitet!

Aua, mein Knie! Kommt vom leise Aufstehen mit schlafendem Vali (Ich wollte seinen Namen doch nie verunstalten!) Valentin am Arm! Damit er gleich weiterschläft nach der Flasche. Aber das Kind soll doch lernen, Essen und Schlafen zu trennen, alleine einzuschlafen! Ich erlebe an mir die Inkonsequenz, die ich früher mancher Mama insgeheim vorgeworfen habe, während ich nach außen Verständnis mimte. Aua, mein Kreuz. Vom Stillen. Also, vom auf dem zu niedrigen Bett kauernd Flaschi geben, während der Kurze sich stur im Halbschlaf von mir wegdreht.

Valentin und Papa beim BabyschwimmenBild: Michael Mühlbauer

Valentin meldet sich unwirsch am Babyphon, Zwangspause...

Ich mache das gut. Ich merke das, wenn mein Sohn bei Mama ist und die Hände nach mir ausstreckt. Streicheleinheiten fürs Ego. Ich bin ein toller Papa! Meistens. Oft? Während ich den Kinderwagen schiebe, achte ich genau auf die Windrichtung, meide laute Passanten. Das schlechte Gewissen nagt an mir. Ich wollte doch aufhören, wenn er da ist. Kann es aber nicht lassen mit den vereinzelten Feierabendzigaretten...Wenn es einen Vorwand gibt, nicht mit Rauchen aufzuhören, ist es der Stress, den ein Baby im Alltag so mit sich bringt.

Und dann wieder diese wunderbaren Momente: Valentin zu sehen durch die beschlagene Wand des Badeeimers. Seine kleinen Zehen haben vom Abdrücken winzige weiße Druckstellen. Was gibt es für ein größeres Glück als ihn so in tiefster Versenkung plantschen zu sehen, sein Lächeln. Kleiner Tiger, was wird wohl aus uns, wenn im Herbst die Elternzeit endet?

Ich merke, ich bin über beide Ohren verliebt!

Michael Mühlbauer
Teil 1

Kinderwagenfahrten und Müdigkeitsalarm

Teil 2

Stress und verliebt sein

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