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Elterngeld für Väter und Elternzeit


Elterngeld für Väter und ElternzeitBild: fotolia - Svetlana Larina

Das Elterngeld für Väter und die Elternzeit mit den beiden speziell für Väter reservierten Monaten sind der größte Erfolg der Familienpolitik in den letzten Jahren. 65 Prozent des Einkommens und zwei Papamonate - das klingt zunächst gut. Doch die Ämter rechnen in der Regel anders als die Eltern. Wer also das Elterngeld für Väter in maximaler Höhe beziehen will, sollte sich vor der Antragstellung informieren.

Zwei Vätermonate - oder mehr?


Wer Elterngeld für Väter beziehen möchte, muss in Elternzeit gehen. So sieht es das Bundeselterngeldgesetz (BEEG) vor. Anspruchsberechtigt sind alle Eltern, egal ob sie erwerbstätig sind oder nicht, also auch Auszubildende, Studierende, Erwerbslose und Ausländer aus EU-Mitgliedstaaten und der Schweiz, sofern sie in Deutschland einen Arbeitsplatz mit deinem Arbeitsvertrag nach deutschem Recht haben.

Elterngeld für Väter - die wesentlichen Punkte


  • Die Elternzeit muss spätestens sieben Wochen vor Beginn beim Arbeitgeber angemeldet werden.
  • Die gleiche Frist gilt für die beiden Partnermonate. Auch sie müssen sieben Wochen vor Beginn angemeldet werden.
  • Wer erwerbstätig ist kann frei entscheiden, wer von beiden Eltern in Elternzeit geht. Ihr könnt auch gleichzeitig Elternzeit in Anspruch nehmen (z.B. die Partnermonate).
  • Ihr könnt in der Elternzeit bis zu 30 Stunden pro Woche arbeiten.
  • Das Elterngeld ersetzt 65% und bei gering Verdienenden bis zu 67% des nach der Geburt wegfallenden monatlichen Erwerbseinkommens, maximal werden 1800 Euro ausbezahlt.
  • Anspruchsberechtigt ist, wer die Kinder nach der Geburt selbst betreut, nicht mehr als 30 Stunden erwerbstätig ist, mit den Kindern in einem Haushalt lebt und einen Wohnsitz in Deutschland hat.

Elternzeit für Väter: Daten und Fakten


Seit 2007 gibt es Elterngeld für Väter, gekoppelt an die Elternzeit. Das Neue daran: Das Elterngeld wird als Lohnersatzleistung gewährt. Vorher war es eine Sozialleistung, bei der vor allem Mitnahmeeffekte zu beobachten waren. Erst 1979 wurde in der BRD das Mutterschaftsurlaubsgesetz eingeführt, um erwerbstätige Frauen über die Mutterschutzfrist hinaus freizustellen. 1986 ersetzte das Bundeserziehungsgeldgesetz diese Regelung. 10 Monate lang konnten nun Mutter oder Vater nach der Geburt beim Kind bleiben. Diese Frist wurde stufenweise erhöht und betrug ab 1992 36 Monate. Diesen damals offiziell so genannten Erziehungsurlaub nahmen nur 1,5% der Männer in Anspruch. Das wurde oft als Beleg für deren Desinteresse an der Familie und dem Kind gewertet. Nicht beachtet wurde dabei, wie Väter auch schon damals - durch Urlaub, am Stück abgefeierte Überstunden, Arbeitszeitreduzierung usw. – sich Zeit für ihre Familie frei schaufelten.

Entwicklung väterlicher Elterngeldbezüge


Prozentsätze der Väter mit Elterngeldbezug seit 2008
Entwicklung Elterngeldbezug Väter

Steigerung väterlichen Engagements


Übrigens gab es auch in der DDR Elterngeld. Seit 1986 vom ersten Kind an. Auch Väter konnten Elterngeld und das "Babyjahr" in Anspruch nehmen. Das Geld wurde als Lohnersatz direkt vom Betrieb überwiesen. Mit viel geringerem bürokratrischen Aufwand als heute. Zusätzlich gab es günstige "Ehekredite", die "abgekindert" werden konnten.

In der BRD wurde von der sozialdemokratischen Familienministerin Renate Schmidt 2000 eine Budgetregelung eingeführt. Nun konnte man bis zu zwei Jahre lang Erziehungsgeld bekommen. Nahm man nur ein Jahr in Anspruch, gab es den erhöhten Satz von 450 Euro. Und schon stieg die Zahl der Väter, die diese Regelung in Anspruch nahmen, auf 5%. 250% mehr Väter in der Familie innerhalb eines Jahres! Dennoch wurde immer wieder auf die minimale Zahl der Männer am Wickeltisch hingewiesen. 2007 wurde erstmals das Elterngeld als Lohnersatzleistung eingeführt. Keine zwei Jahre dauerte es, da lag die Zahl der Väter, die Elterngeld in Anspruch nahmen, bei über 20%! Und die Zahl ist kontinuierlich gestiegen: von über 21 Prozent 2008 und knapp 24 Prozent 2009 auf 27,3 Prozent im Jahr 2011. Mittlerweile nimmt über ein Drittel der Väter Elterngeld zur Betreuung ihres Kindes in Anspruch: 2017 über 35 Prozent der Väter. Und wieder hören wir: Es sind viel zu wenig. Und sie nehmen auch nur zwei Monate und die am liebsten im Sommer.

Väterlicher Elterngeldbezug in Deutschland


Prozentsätze der Väter mit Elterngeldbezug nach Bundesland
Elterngeldbezug Väter nach Bundesländern

Große regionale Unterschiede


Solch pauschale Diffamierungen gehen an der Wirklichkeit vorbei. Von den mittlerweile 35 Prozent der Väter mit Elterngeldbezug nimmt ein Drittel mehr in Anspruch als die beiden Partnermonate. Diese Zahl scheint jedoch zurückzugehen. Das spricht dafür, dass der Widerstand gegen die "babyurlaubenden Väter" bei den Arbeitgebern nach wie vor vorhanden ist. Zwei Monate gehen als "verlängerter Urlaub" durch. Wer mehr beansprucht, fordert Umstrukturierungen heraus, zeigt, dass die klassische Anwesenheitskultur immer stärker hinterfragt wird. Nicht nur bei jungen Akademikervätern werden sich die Arbeitgeber auf veränderte Arbeitszeitwünsche einstellen müssen. Die Chance: Solche Arbeitszeitmodelle als Wettbewerbsvorteil in der Konkurrenz um gut ausgebildete Mitarbeiter zu sehen.

Außerdem wird die Elternzeit von Vätern regional sehr unterschiedlich in Anspruch genommen: In Bayern nehmen über 40 Prozent der Väter Elternzeit zur Betreuung ihres Kindes, im Saarland sind es nur 23 Prozent. Während in Bayern sich fast drei Viertel sich nur zwei Monate gönnen, nehmen sich in Bremen ein gutes Zehntel ein ganzes Jahr Babypause!

Deutlich wird: Männer fühlen sich immer noch stark für den Erhalt der Familie zuständig. Trotz aller berufstätigen Frauen hat sich an diesem Bild grundsätzlich nichts geändert. Ist jedoch durch Ersatz- oder Transferleistungen die finanzielle Grundlage der Familie gesichert, verzichten Väter gern für eine gewisse Zeit auf die Arbeit und widmen sich dem Baby und der Partnerin. Das Elterngeld für Väter ist da ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

ElterngeldPlus


Arbeitnehmer und Selbstständige, die während der Elternzeit arbeiten wollen oder müssen, können seit 2016 ElterngeldPlus in Anspruch nehmen. Der Antrag geht wie üblich an die entsprechende Stelle, die ist allerdings in jedem Bundesland eine andere. Eltern, die nach der Geburt ihres Kindes ElterngeldPlus in Anspruch nehmen wollen, dürfen in dieser Zeit mindestens 25 und maximal 30 Stunden pro Woche arbeiten. Dafür verlängert sich die Zeit des Elterngeldbezugs um bis zu vier Monate.

Leider ist der Antrag relativ kompliziert. Denn es wird gerechnet: Wer von den Eltern nimmt nach der Geburt wann wie viele Monate Elternzeit und beansprucht dafür Elterngeld? Wann wird Vollzeit gearbeitet, wann Teilzeit, wann gar nicht? Hier sollte vor dem Antrag unbedingt Beratung vor Ort in Anspruch genommen werden. Und ob es sich lohnt, nach der Geburt wieder so viel zu arbeiten, kann man sich selbst ausrechnen mit dem Elterngeldrechner auf www.elterngeld-plus.de.

Ralf Ruhl

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