väterzeit.de - Vater sein, Mann bleiben

zur Druckansicht

Fahrradanhänger oder die Prinzessin in der Kutsche


Handelsüblicher Fahrradanhänger, zweisitzigBild: Hersteller

Stiftung Warentest (2010) und Ökotest (2014) stellten in ihren neuesten Tests bei knapp der Hälfte der geprüften Anhänger gravierende Mängel fest - neben Problemen bei der Sicherheit besonders im Bereich der Schadstoffbelastung. Nur jeweils ein Modell erhielt das Werturteil "gut". Wie steht es allgemein mit Sicherheit und Komfort im Fahrradanhänger? Und was kostet der Spaß?


Ob zum Einkaufen oder für mehrtägige Touren über Land - ich fahre gern mit Fahrradanhänger. Und meine Tochter thront mit wehenden Haaren in ihrer Kutsche. Neugierig sieht sie die Welt vorüberziehen. Im Fahrradanhänger bleibt sogar noch Platz für einen kleinen Einkauf oder Zelt und Schlafsack.

Das Radfahren mit Fahrradanhänger und Kind ist ein sportliches Erlebnis. Bei Gegenwind und bei leichten Steigungen muss ich kräftig in die Pedale treten, um mein Gefährt in Bewegung zu setzen. Bergab schiebt der Hänger. Die Landschaft fliegt im Sausewind vorbei.

Sicherheit und Komfort

Grundsätzlich sind Fahrradanhänger sicherer als Fahrradsitze. Der Hänger kippt nicht um, wenn der Radfahrer stürzt. Bei einem Unfall fallen die Kinder nicht vom Rad. Wenn ein Auto auffährt, wird der Hänger weggeschoben. Er wird nicht zerdrückt und wirkt durch Pufferzonen wie ein Kokon. Eine Metallwanne als Boden bietet mehr Stabilität als ein Boden aus gespanntem Stoff. Ein harter Boden schützt das Kind vor Schlägen von unten. Hängermodelle mit Wanne sind zwar deutlich schwerer, dafür eignen sie sich auch zum Transport größerer Lasten. Zusätzlich bieten Anhänger Schutz vor Wind und Wetter. Egal wie sicher und komfortabel aber das Gefährt auch sein mag - grundsätzlich sollte das Kind im Anhänger immer einen Helm tragen! Auch darf der junge Passagier erst ab einem halben Jahr mitfahren und sollte nicht älter als sieben Jahre sein.

Federung und stabile Deichsel

Das Kind sollte im Fahrradanhänger ruhig sitzen können, ohne dass der Kopf von der einen Seite zur anderen baumelt. Auch Stöße auf die Wirbelsäule sind bedenklich. Eine gute Federung ist daher empfehlenswert. Ausschlaggebend für den Fahrkomfort im Kinderhänger ist jedoch weniger die Federung als vielmehr ein angepasster Fahrstil. Vorsicht ist angesagt: Bordsteine und Schlaglöcher vermeiden! Breite, nicht zu stark aufgepumpte Reifen können Bodenunebenheiten zusätzlich ausgleichen.

Babys unter neun Monaten sollten im Hängesitz transportiert werden. Kleinere Stöße werden darin abgefedert wie in einer Hängematte. Babyhängesitze kosten etwa 80€. Gebraucht sind sie kaum günstiger. Mit 12 Monaten ist das Kind aus dem Hängesitz herausgewachsen und kann ganz normal angeschnallt im Anhänger mitfahren.

Viele Hersteller haben zudem bei der Verarbeitung der Deichselstangen aus den verheerenden Ergebnissen früherer Tests gelernt: Seit 2013 gibt es eine europaweit geltende Sicherheitsnorm für stabile Deichselkonstruktionen. Das Angebot für Eltern hat sich dadurch insgesamt verbessert, die Deichselstangen sind robuster geworden. Doch nicht alle Hersteller erfüllen die Kriterien dieser Norm, oder es hapert nun an anderen Stellen - labile Kabinenkonstruktionen, fehlende Ablenkvorrichtungen oder ungenügender Seitenaufprallschutz finden sich mittlerweile auf so mancher Mängelliste. Vor dem Kauf des Wunschobjektes sollte man also gründlich recherchieren und sich alle nötigen Produktbewertungen einholen.

Genügend Platz für den Passagier

Beim Kauf eines Kinderanhängers ist besonders auf die Geräumigkeit im Inneren zu achten. Der Platz muss auch für größere Kinder ausreichen. Daher sollte das Kind beim Anhänger-Kauf dabei sein und Probe sitzen. Für kleinere Kinder eignen sich spezielle Sitzverkleinerer und Kopfstützen, um die Haltung zu bewahren. Zweisitzer-Anhänger bieten zusätzlichen Stauraum, und es kann auch mal ein Freund mitgenommen werden - in diesem Fall sollte man allerdings auf das zulässige Gesamtgewicht achten. Durch die breite Achse ist die Gefahr des Kippens in Kurven praktisch ausgeschlossen. Wird nur ein Kind im Zweisitzer befördert, sollte es möglichst in der Mitte sitzen, um den Schwerpunkt zu optimieren. Im Vergleich zu Zweisitzern sind Einsitzer schmaler und meist auch leichter. Aufgrund ihrer Wendigkeit eignen sie sich besser im engen Stadtverkehr.

Am Anfang ohne Kind üben

Besonders für Anfänger sind viel befahrene Straßen jedoch nicht zu empfehlen. Denn der Passagier im Fahrradanhänger reist auf Auspuffhöhe. Das Fahrverhalten des Hängers sollte auf ruhigen Straßen getestet werden. Der Bremsweg mit Kinderanhänger ist viel länger als ohne. Und auch in Kurven verändert sich das Fahrgefühl. Es ist hilfreich, in sicherer Umgebung ohne Verkehr zu üben - der Anhänger sollte mit Zeitungsstapeln oder Getränkekisten beladen werden, um das Gewicht mit Kind zu simulieren. Auf diese Weise können Bremsverhalten, Breite und Wendekreis besser eingeschätzt werden. Chauffeur darf jeder sein, der mindestens 16 Jahre alt ist.
Teil 1

Sicherheit und Komfort

Gute Federung und stabile Deichsel

Genügend Platz für den Passagier

Am Anfang ohne Kind üben

Teil 2

Ein guter Anhänger braucht ein gutes Fahrrad

Hohe Schadstoffbelastung

Und was kostet der Spaß?

Günstige Alternativen

Zugfahren mit Fahrradanhänger

Kommentar zu diesem Thema schreiben:

Name, Ort:
Mein Kommentar:

Kommentare von Lesern:

 

zur Druckansicht