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Praktikant für wilde Spiele


Interview mit Adrian (13) - Praktikant im Kindergarten

Adrian, 13, ist für vier Wochen Praktikant im Kindergarten Petrihaus in Göttingen. Im Interview berichtet er von seinen Erlebnissen.


Vier Wochen im Kindergarten


Guten Morgen, Adrian. Darf ich "Du" sagen?

Ja. Ich auch?

Sicher. Wie lange dauert Dein Praktikum?

Vier Wochen. Ich bin schon fast drei Wochen dabei. Sonst gehe ich noch zur Schule. Es geht morgens um neun los bis nachmittags um drei, also sechs Stunden mit Mittagspause.

Warum machst Du ausgerechnet im Kindergarten ein Praktikum?

Mit Kindern zusammen zu sein hat mir schon immer Spaß gemacht. Ich habe einen kleinen Bruder, mit dem ich auch ab und zu etwas mache.

War es schwer, diese Stelle zu finden?

Nein. Ich bin mit meiner Mutter einfach hierher gegangen und die Leiterin hat mir sofort eine Stelle angeboten. Außer mir sind hier noch zwei Nachmittagspraktikantinnen, neun Betreuerinnen und eine Frau im FSJ (Freiwilliges soziales Jahr).

Bist Du der einzige Mann hier?

Ja. Ist aber kein Problem. Manchmal muss ich die anstrengenderen Sachen machen, wie in der Turnhalle den Bewegungsparcours auf- und abbauen. Oder Bilder in neue Rahmen stecken, die hatten je 24 Haken, das war ganz schön viel.

Was machst Du am liebsten mit den Kindern?

Mittwochs ist immer Sport, das macht viel Spaß. Einmal haben wir eine große blaue Turnmatte an die Sprossenwand gebunden. Die Kinder mussten sich an einem Seil festhalten und hochklettern und dann herunter springen. Das wollen die Kinder oft, von immer höheren Türmen springen. Auch Fußball und Basketball spiele ich hier oft.

Was ist beim Springen Dein Job?

Ich habe Hilfestellung gegeben, sie oben an der Sprossenwand festgehalten. Dann sind sie auf die dicke Matte gesprungen. Da passiert nichts, die ist dick genug.

Geduld ist das Wichtigste


Rosa Dreiradrennen

Und wenn es nicht um Sport geht?

Wir haben in der Gruppe eine schöne Hochebene. Dahin ziehen sich die Kinder oft zurück oder machen Rollenspiele. Jetzt ist gerade Krankenhaus angesagt. Weil ich Erfahrung in Erster Hilfe habe, muss ich immer der Arzt sein. Ich bin oft mit den Kindern draußen. Wir haben einen Berg, da lassen die Kinder große Autoreifen herunterkullern, am liebsten in Sandburgen, die sie extra dafür gebaut und freigegeben haben. Oder Höhlen und Baumhäuser bauen, ganz einfache, nur zwei Bretter in den Baum legen. Das sind auch immer wieder Sachen, die die Erzieherinnen von sich aus nicht so machen, das wollen die Kinder dann von mir.

Die Kinder wollen von Dir andere Sachen?

Außer mir sind hier nur Frauen. Die wilderen Spiele, das machen die nicht so häufig, zum Beispiel Fangen spielen. Das wollen die Kinder dann von mir. Auch Verfolgungsjagden mit den Dreirädern stehen hoch im Kurs, überhaupt die wilderen Sachen, ganz oft auch Räuber und Gendarm.

Gibt es da Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen?

Nein, die Mädchen haben genauso viel Spaß daran, mit den Dreirädern andere zu rammen wie die Jungen. Auch, wenn sie rosa Klamotten anhaben.
Geduld ist das Wichtigste

Was nimmst Du für Dich mit aus dem Praktikum?

Wir haben in der Eingangshalle ein Foto von einem Kind, das sich Matsch an die Backe schmiert. Dabei steht ein Spruch, dass man die Kinder auch Sachen machen lassen soll, in denen die Erwachsenen nicht sofort einen Sinn erkennen, dass man die Kinder also ausprobieren und ihre Erfahrungen machen lassen soll.

Hat das Praktikum in Dir einen Berufswunsch geweckt?

Für ein Jahr kann ich mir gut vorstellen, im Kindergarten zu arbeiten. Aber nicht für den Rest meines Lebens. Da habe ich noch andere Interessen, die ich ausprobieren möchte. Außerdem ist der Tagesanfang immer gleich, die Routine mit dem Morgenkreis und so. Das liegt mir nicht so.

Was sind Deine Tipps für Jungen, die sich für den Beruf des Erziehers interessieren?

Man muss viel Geduld haben. Wir haben gestern ein Dinosaurierskelett aus einem Sandstein ausgegraben. Ich habe den Meißel gehalten, die Kinder durften hauen. Am Ende hatte ich einen blauen Daumen. Nach zwei Stunden hatten wir den Dino fertig. Aber zwischendurch hätte ich den Kindern am liebsten das Werkzeug aus der Hand genommen und es selbst zu Ende gebracht, weil es so lang dauerte. Aber da muss man sich beherrschen und sich zurücknehmen.

Die Fragen stellte Ralf Ruhl

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