Vaters Tochter
Bild: © moodboard - Fotolia.comMütter identifizieren sich eher mit ihren Töchtern, Väter eher mit ihren Söhnen. Dennoch sind Väter wichtig für ihre Töchter! Wie wichtig - das wird allerdings oft unterschätzt. Dabei hilft eine gute Vater-Tochter-Beziehung dem Mädchen zu Selbstbewusstsein, beruflichem Erfolg und positiven Beziehungen zu anderen Männern. Von herausragender Bedeutung ist vor allem die Anerkennung durch den Vater.
Der erste Mann
Leider gilt das auch für die negative Seite des Vaterseins und kann auch eine Erklärung dafür sein, warum manche Frauen immer wieder "an die falschen Männer geraten" oder in Gewaltbeziehungen ausharren. In diesen Fällen ist ein Umlernen nötig - und in therapeutischer Behandlung auch möglich. Viele Untersuchungen, u.a. von Prof. W.E. Fthenakis, zeigen, dass Mädchen, die eine positive Beziehung zu ihrem Vater haben, weitaus seltener zu Drogen und Alkohol greifen, deutlich weniger zu Depressionen und anderen psychischen Krankheiten neigen, auch Essstörungen treten seltener auf.
Viel Vater - viel Selbstbewusstsein
Nun muss nicht jedes Mädchen zur Führungsfrau werden. Aber die Unternehmungen mit dem Vater haben einen großen Einfluss auf das Erlernen der Geschlechtsrolle. Mit den Söhnen ins Stadion gehen, mit ihnen einen Blick unter die Motorhaube werfen oder den Fernseher richtig einstöpseln - das tun viele Väter. Mit den Töchtern findet das weitaus seltener statt. Wohl auch, weil viele Männer gar nicht erwarten, dass sie hier ein Interesse teilt. Da ist Ermutigung angesagt! Und manche gut gemeinte Äußerung verkehrt sich in ihr Gegenteil: "Toll, hätte nie gedacht, dass ein Mädchen so hoch auf den Baum klettern kann" heißt eben nicht "toll, dass du das geschafft hast!" Es heißt "normale Mädchen klettern nicht auf Bäume."
Lob und Anerkennung
Manche Mutter hat allerdings Schwierigkeiten, wenn der Vater sich so viel mit seiner Tochter beschäftigt. Da steht möglicherweise Eifersucht im Raum oder die Angst, für die Tochter nicht mehr wichtig zu sein. Vielleicht auch der Verlust eigenen Selbstwerts, wenn sich die Mutter sehr über ihre Erziehungsaufgabe definiert. Hier sind Gespräche zwischen Mann und Frau angesagt - und vor allem die Einsicht, dass letztendlich die Tochter den Preis für eine gestörte Beziehung der Eltern bezahlt.
Ralf Ruhl



