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Fußball-WM mit Kindern

Die Fußball-WM mit den Kindern erleben
Bild: Marc Schulte

Weltmeisterschaft! Millionen Fans fiebern zusammen vor Großbild-Leinwänden und zuhause vorm TV vom 11.6. bis 11.7. dem Endspiel entgegen. Und für meisten Väter stellt sich die Frage: Wie kann ich möglichst viele der 64 Spiele sehen und ab und an die Kinder mitnehmen?

Männer haben auch mal ihre Tage



Diesen pfiffigen Slogan ersannen die Betreiber des „Väterzentrums“ in Berlin-Prenzlauer-Berg zur Fußball-EM 2008 – mit großem Erfolg. Bis zu 70 Besucher kamen zu den Partien mit deutscher Beteiligung, darunter erstaunlich viele Frauen. Die Damen zählen mittlerweile zum absoluten Stammpublikum, wenn es im Nationaldress um Pokale geht.

Zigarette, Bier und Uhrzeit



Soll das Viewing in größerem Kreis oder zu Hause gelingen, gilt es einige Grundregeln zu beachten: „Geraucht wird draußen“ – das empfindet Marc Schulte vom Väterzentrum inzwischen als selbstverständlich. Was allerdings nicht nur etwas mit Kinderschutz zu tun hat. Auch die meisten Erwachsenen schätzen nikotinfreie Abende ohne nachträgliches Klamotten und Haare waschen. Die Frage nach Biergenuss hingegen scheint den Chef im Väterzentrum fast zu irritieren. „Na klar gibt’s Bier“, so der Lokal Manager, allerdings in Maßen: „Wer anruft und fragt, welches Bier es gibt und ob er im Laden rauchen kann und den sonst nichts interessiert, den brauchen wir nicht.“ Auch mit der Uhrzeit haben die meisten kein Problem. „Lange Abende sind Ausnahmen“, erklären die mit am Tisch sitzenden Väter unisono. Zwar seien die Schulpflichtigen manchmal ein wenig unausgeschlafen, aber zur WM darf das schon mal sein.
Leinwand hier, Spielzeug da und ein bisschen Fasching
Bild: Marc Schulte

Leinwand, Spielzeug und ein bisschen Fasching



Der Spaß am Verkleiden, ist ein großes Plus, um die Kids fürs Fußballfest zu motivieren. Fan-Devotionalien wie Fahnen, Perücken und mächtig Farbe im Gesicht lassen Kinderaugen strahlen. Eine Tröte sollte man aber lieber nicht mitbringen. Die Vuvuzelas, die immer dröhnenden Kunstoff-Fan-Trompeten, von den Tribunen aus dem fernen Afrika werden den gewöhnlichen Mitteleuropäer schon genügend strapazieren.

90 Minuten konzentriert verfolgen – das schaffen nur wenige Kinder. Im Väterzentrum stehen deshalb ein Kickertisch und eine Carrera-Bahn, auch Spielzeug für Kleinere ist vorhanden. Im Hinterzimmer können Kinderfilme gezeigt werden. Und wenn’s zur Sache geht, ein Tor gefallen ist oder ein Elfmeterschießen ansteht, sitzen alle wieder gespannt vor der Leinwand.

Kinderfreundliches Public Viewing ist selten



Suchanfragen im Internet zu kindgerechtem Public Viewing gibt’s reichlich. Nur die Antworten fallen spärlich aus. Kein Wunder, geht’s dabei doch um viele Menschen auf vergleichsweise kleinem Raum, die noch dazu Lärm und Radau machen – und zwar anders, als es Kinder gewohnt sind. Die klassischen Fanmeilen und -Plätze sind deshalb für Familien eher nicht geeignet. Also Augen auf! Mit etwas Kreativität findet man sicher in der Nachbarschaft ein paar passende Orte. So hat z.B. ein Biergarten bei mir um die Ecke einen Buddelkasten und Schaukelpferde aufgestellt. Außerdem gibt es ein paar Läden, bei dem es genug Auslauf für die Kleinen gibt und man mit einer kleinen Kopfdrehung neben dem Spiel auch die Kinder im Blick hat.

Christoph Hermanny

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Interview



Interview mit Marc Schulte, Vater dreier Kinder und Lokal Manager im Väterzentrum Berlin

„Erst Vater sein, dann Fan“



Väterzeit.de: Hallo Marc, wie seid ihr eigentlich darauf gekommen, die EM 2008 im Väterzentrum zu zeigen?

Marc Schulte: Die Idee kam 2007, nach der Babymesse hier in Berlin. Dort hatten wir einen Stand. Die Männer waren an der ganzen Veranstaltung sichtlich uninteressiert. Da war uns klar: Wir brauchen was für Männer.

Väterzeit: Und was liegt da näher als Fußball...

Schulte: Genau. Wir mussten uns einfach bewusst männerorientiert aufstellen. Mit den Deutschlandspielen ist uns das gelungen. Das hatte große Auswirkungen auf das gesamte Angebot bei uns. Zuvor haben die Leute mit langem Hals durch die Fenster geschielt. Jetzt kommen sie auch rein. Und wir haben gerade von den Frauen viele positive Rückmeldungen.

Väterzeit: Die schicken dann ihre Männer samt Anhang?

Schulte: Und kommen natürlich selbst gerne.

Väterzeit: Wie kann man solche Vorhaben auch zuhause mit Erfolg umsetzen?

Schulte: Das Angebot muss sowohl für die Erwachsenen als auch für die Kinder attraktiv sein. Die Kinder wollen ja kein ganzes Spiel gucken und machen gerne ihr eigenes Ding – das muss möglich sein. Dann kann es auch ein gemeinsames Erlebnis werden. Grundsätzlich ist wichtig, und dass sollte man übrigens auch beim Stadionbesuch beachten: Zuerst Vater sein und nicht Fan!

Die Fragen stellte Christoph Hermanny

WM im Netz

Infos und Online-Spielplan:
de.fifa.com/worldcup/index.html

Vater-Kind-Viewing in Berlin:
www.mannege.de/

Vuvuzelas für die echte WM-Stimmung:
www.youtube.com/ watch?v=SrYb9qtO8OQ)

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