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Kinder wollen mehr Papa


Kinder wollen mehr PapaBild: © goodluz - Fotolia.com

Mehr Zeit mit ihrem Vater wünschen sich die meisten Kinder. Und sie sehen es nicht so eng, wenn beide Eltern arbeiten, so die Ergebnisse der 3. World Vision Kinderstudie.

Kinder fühlen sich in ihrer Familie wohl


Den Kindern in Deutschland geht es gut. Das meinen sie jedenfalls selbst. TNS Infratest hat zum dritten Mal 2500 Kinder im Alter zwischen sechs und elf Jahren nach ihrem Wohlbefinden gefragt. Den Kindern eine Stimme zu geben ist das Hauptziel der Untersuchung.

Besonders deutliche Veränderungen haben sich in den letzten Jahren beim Thema Erwerbstätigkeit ergeben. Die ehemals typische Einverdienerfamilie mit dem Mann als Haupternährer ist fast nur noch ein Randphänomen, sie findet sich nur noch in 32 Prozent der Familien. Überholt wurde sie vom Doppelverdienermodell: In 35 Prozent der Familien ist ein Elternteil vollzeit, der andere teilzeit berufstätig oder beide arbeiten teilzeit. Dass beide vollzeit arbeiten trifft auf 13 Prozent zu. Alleinerziehend und dabei voll oder teilweise erwerbstätig sind 12 Prozent, arbeitslos vier Prozent der Familien.

World Vision StudieBild: World Vision

Mangel an Zuwendung


Viele Mütter und Väter sind also wegen der Erwerbsarbeit jeden Tag außerhalb der Wohnung tätig. Und in der Tat beklagen Kinder, dass die Eltern - entweder einer oder beide - zu wenig Zeit für sie haben. Allerdings sind das nicht, wie man meinen könnte, die Familien mit zwei berufstätigen Elternteilen. Dort meinen nur acht Prozent der Kinder, Vater oder Mutter hätten zu wenig Zeit für sie. Am höchsten ist dieser Anteil mit 32 Prozent bei Alleinerziehenden, die gleichzeitig erwerbstätig sind. Wer arbeitslos oder nicht berufstätig ist, hat ebenfalls zu wenig Zeit für gemeinsame Aktivitäten, meinen 29 Prozent der Kinder.

Prof. Dr. Sabine Andresen, Mitautorin der Studie, meint hierzu, dass nicht die Zahl der Stunden zähle, die Kinder mit den Eltern verbringen. Wesentlich seien die Möglichkeiten der Eltern, mit ihren Kindern etwas zu unternehmen. Explizit weist sie darauf hin, dass sich Kinder mehr Zeit mit ihren Vätern wünschen. Lange Arbeitszeiten und damit Abwesenheit von Zuhause sind demnach Gift für die Familie. Gerade auch für Väter werde das Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie immer deutlicher.

Zu viele Regeln


Auf die Kinder hat das gleich mehrfach negative Auswirkungen: Zum einen bekommen sie weniger direkte Zuwendung von den Eltern. Zum anderen empfinden sie ihren Alltag als stärker reglementiert als andere Kinder, ihre Eltern würden zu stark vorgeben, was sie wann und wie zu tun hätten.

Hier sieht Andresen einen starken Zusammenhang zwischen der Zugehörigkeit zu sozialen Milieus, der elterlichen Zuwendung und den Chancen der Kinder auf Bildung und Teilhabe in der Gesellschaft. Und das nicht zum ersten Mal: "Wie viele Studien brauchen wir eigentlich noch, bis sich da etwas ändert?" fragt sie. Denn immer noch fehlen Strategien, um die negativen Auswirkungen der sozialen Herkunft auszugleichen.

Ralf Ruhl

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