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Die väterfreundliche Kita


Die väterfreundliche KitaBild: nadezhda1906-fotolia.com

Wie schafft es eine Kita, dass sich Väter dort wohlfühlen und sich engagieren? Das wollte Yvonne Reyhing wissen und startete eine Online-Befragung, die sie im Rahmen ihrer Masterarbeit an der Universität Konstanz und der Pädagogischen Hochschule Thurgau auswertete. Mit der Nachwuchswissenschaftlerin sprach Ralf Ruhl.

Das Wichtigste ist die Atmosphäre


väterzeit: Frau Reyhing, warum interessieren Sie sich für Väter?

Yvonne Reyhing: Weil sie für die Kinder immens wichtig sind. Allerdings sind sie in allen Bereichen, die Familien betreffen, deutlich unterrepräsentiert: bei der Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der Frühförderung und auch in Kitas. Das gilt auch für die entsprechende Forschung und das wollte ich ein klein wenig ändern.

väterzeit: Ist ein klein wenig gelungen. Wenn Sie ein Bild der väterfreundlichen Kita malen - wie sieht das aus?

Yvonne Reyhing: Uuuh, ein Bild zu malen wird schwierig. Denn es kommt dabei weniger auf Ausstattung und Außengelände an. Das wichtigste ist eine Atmosphäre, in der sich Väter wertgeschätzt fühlen. Dafür ist vor allem die Haltung der Fachkräfte relevant: Halten sie die Väter für kompetent, das Kind in seiner Entwicklung genauso gut zu begleiten wie die Mutter, dann fühlen sich die Väter wohl und dann engagieren sie sich auch in der Kita.

Selbstverständliche Wertschätzung


väterzeit: Worin drückt sich die Wertschätzung aus?

Yvonne Reyhing: Zunächst darin, dass die Väter selbstverständlich zu allen Elterngesprächen eingeladen werden, dass sie genauso wie die Mutter im E-Mail-Verteiler stehen, dass sie alle Informationen über das Kind bekommen. Wie das im Einzelnen aussieht, ist natürlich individuell unterschiedlich. Aber wenn ein Vater sich von der Erzieherin beim Bringen freundlich angesprochen fühlt und es ein kurzes Gespräch über den Tag des Kindes beim Abholen gibt, dann fühlt er sich genauso wertgeschätzt wie die Mutter.

Väter als Störenfriede


väterzeit: Worin ist eine negative Haltung Vätern gegenüber gegründet?

Yvonne Reyhing: Immer noch spricht man fast überall von Frauen und Kindern in einem Atemzug. Daran sieht man, dass die Welt der Kinder stark weiblich dominiert ist. Und diese von Frauen gestaltete Welt wollen manche Erzieherinnen bewusst oder unbewusst verteidigen. Sie wollen die Verantwortung nicht aus der Hand geben, Dadurch kommt es dann zu diesem klassischen Bild, dass nur Frauen Erziehung können.

väterzeit: Welche Rolle spielt dabei die Leitung der Einrichtung?

Yvonne Reyhing: Eine sehr große, denn sie ist für die Atmosphäre in der Kita verantwortlich. Sie gestaltet die Rahmenbedingungen und bestimmt die Regeln.

väterzeit: Sie sprachen schon die männlichen Erzieher an. Wie wichtig ist ein Mann in der Kita für Väter?

Yvonne Reyhing: Wenn ein Mann in der Kita arbeitet ist klar: das ist kein reiner Frauenladen. Er wird von den Vätern als Ansprechpartner gesucht. Die Kommunikation von Mann zu Mann ist oft leichter, wie ja auch die von Frau zu Frau. Ein männlicher Erzieher kann die Bedürfnisse der Väter oft besser erfassen. Und er hat eine wichtige Vorbildfunktion dafür, wie Männer sich in der Kita bewegen, wie sie mit den Erzieherinnen kommunizieren, wie mit den anderen Eltern - und vor allem natürlich, wie sie mit den Kindern umgehen.

Frauen müssen Väter Vater sein lassen!


väterzeit: Welchen Einfluss hat die Partnerin auf das väterliche Engagement in der Kita?

Yvonne Reyhing: Der ist ganz wesentlich. Wenn die Mutter das Engagement befürwortet, ist der Vater viel präsenter. Wenn sie ihm nicht zutraut, dass er den Alltag mit dem Kind eigenständig bewältigt, wird er sich eher zurückziehen. Aber auch pragmatische Gesichtspunkte sind wichtig: Meine Untersuchung zeigt eine deutliche Korrelation zwischen der Arbeitszeit der Frau und dem Engagement des Mannes. Je mehr die Mutter also arbeitet, desto präsenter ist der Vater in der Kita. Das ist aber nicht nur pragmatisch zu sehen, es zeigt auch ein gewandeltes Rollenverständnis. Diese Väter wollen sich mehr einbringen, sehen sich als wichtigen Faktor in der Familie und als Bezugsperson für genauso wichtig wie die Mutter. Auf den Punkt gebracht: Wenn die Mutter den Vater lässt, engagiert er sich auch.

väterzeit: Was haben die Kitas davon, dass sich Väter engagieren?

Yvonne Reyhing: Es geht ja nicht um die Institution, sondern um die Kinder, die dort betreut werden. Und die haben viel davon, wenn sie sehen, dass Papa den Ort kennt, an dem sie einen großen Teil des Tages verbringen, dass er sich dort gern aufhält, dass er dort auch mal mit ihnen spielt. Für die Erzieherinnen ist der Vater ein wichtiger Partner für Berichte aus der Welt des Kindes. Er ist nicht nur eine weitere Person, die das Kind kennt, er hat auch eine andere Perspektive als die Mutter. Er hat andere Erlebnisse mit dem Kind - Väter spielen ja meist körperlicher und herausfordernder - und kann daher auch Seiten beleuchten, die bei einer "rein weiblichen" Betrachtung vielleicht untergehen.

So wollen sich Väter engagieren


väterzeit: Und was wollen die Väter in der Kita?

Yvonne Reyhing: Die meisten verstehen unter Engagement erst einmal die klassischen individuellen Elterngespräche oder Elternabende der Gruppe. Gerade aus Antworten auf offene Fragen habe ich erkannt, dass es eine große Gruppe gibt, die kein Verständnis dafür haben, warum sie denn nun in der Kita etwas mit ihrem Kind tun oder spielen sollten. Für sie ist Kita Betreuung, das Kind wird gebracht und abgeholt, fertig. Es gibt aber auch eine große Gruppe, die wollen gerne in die Welt des Kindes eintauchen, mit ihm spielen, konstruieren oder Sport treiben. Dafür sind die Möglichkeiten aufgrund der Räume, des Außengeländes oder vielleicht sogar der vorhandenen Werkstatt in der Kita besser als zu Hause. Diese Väter sind offen für exklusive Väterveranstaltungen - sei es eine Lesenacht oder das Bobbycar-Tuning. Und sie lernen dadurch den Kontakt und den Austausch mit anderen Vätern schätzen.

Interview: Ralf Ruhl

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