väterzeit.de - Vater sein, Mann bleiben

zur Druckansicht

Arbeitszeit reduzieren


Väter im Job - Arbeitszeit reduzierenBild: © zinkevych-fotolia.com

Viele junge Väter wollen mehr Zeit für ihre Familie. Auch wenn die Elternzeit vorbei ist. Wir zeigen, welche Möglichkeiten es gibt für weniger Arbeit und mehr Familie.

Teilzeitarbeit


Immer mehr Menschen wollen nicht mehr hauptsächlich für ihren Arbeitgeber da sein. Laut Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung arbeiten 57 Prozent der Frauen nicht auf einer Vollzeitstelle. Doch auch immer mehr Männer wollen weniger für ihren Chef da sein: Knapp 20 Prozent sind teilzeitbeschäftigt. Seit 1991 hat sich die Teilzeitquote der Männer damit fast vervierfacht, die der Frauen verdoppelt. Laut Bundesagentur für Arbeit sind derzeit etwa ein Viertel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Teilzeit berufstätig.

In der Hauptsache ist dies in den klassischen Frauenjobs, den sogenannten "Care-Berufen", der Fall. In Alten- und Pflegeheimen sind 45 Prozent, in Kitas und Schulen gar die Hälfte teilerwerbstätig. Aber auch in Berufen mit familienunfreundlichen Arbeitszeiten, wie in der Gastronomie und im Einzelhandel, ist ein sehr hoher Teil der Mitarbeiter in Teilzeit beschäftigt.

Interessant: Etwa 80 Prozent der deutschen Chefs und Manager sind Teilzeitmodellen gegenüber aufgeschlossen. Allerdings hat nur jeder hundertste einen Vertrag mit 30 oder weniger Stunden, so das Wirtschaftszentrum Berlin.

So geht Teilzeit


Ein Recht auf Teilzeit haben laut Gesetz alle Arbeitnehmer in Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten. Und sie müssen selbst länger als sechs Monate dort angestellt sein.

Spätestens drei Monate vor dem gewünschten Beginn muss der Arbeitnehmer einen Antrag einreichen, in dem er darlegt, ab wann und in welchem Umfang er seine Arbeitszeit reduzieren möchte. Widerspricht der Arbeitgeber nicht spätestens vier Wochen vorher, gilt der Antrag als genehmigt. Allerdings muss die Ablehnung begründet sein: Höhere Kosten, Schichtarbeit, Arbeitsabläufe, die sich mit der gewünschten Teilzeit nicht organisieren lassen. Auch die Konzepte von pädagogischen Einrichtungen können dem Teilzeitgesuch widersprechen - etwa, weil in Ganztagskitas durchgängig das Bezugskinderprinzip gilt.

Es empfiehlt sich daher, sich bei Kollegen zu erkundigen, wie sie ihre Teilzeitwünsche umgesetzt haben. Der Betriebsrat weiß, welche Modell dafür es in der Firma gibt. Dann kann man sich auf Argumente der Arbeitgeber einstellen und seine Wünsche entsprechend formulieren. In der Regel hilft es, frühzeitig das Gespräch mit den Vorgesetzten zu suchen. Das ist auch deshalb nötig, weil die Arbeitnehmer nicht von sich aus die Arbeitszeiten festlegen dürfen. Dies hat in Abstimmung mit dem Arbeitgeber zu geschehen.

Verhandlungssache


Außerdem sollte man mit der Partnerin und der Familie aushandeln, um wie viel Stunden man seinen Arbeitstag verkürzen will. Denn schließlich heißt weniger Arbeit auch weniger Geld. Auch sollten die gewünschten Zeiten zur Familienorganisation passen - etwa so, dass die Kinder morgens zu Kita oder Schule gebracht oder nachmittags abgeholt werden können. Das sollte man sich gut überlegen: Denn einen weiteren Antrag auf Arbeitszeitverkürzung darf man frühestens zwei Jahre später stellen!

Für viele Arbeitnehmer prekär: Ein Rückkehrrecht auf eine Vollzeitstelle gibt es nicht! Sollen jedoch neue Vollzeitstellen geschaffen werden muss der Arbeitgeber - eine entsprechende Eignung vorausgesetzt - die Teilzeitkräfte bevorzugt berücksichtigen. Daher kann es sinnvoll sein, bei den Verhandlungen mit dem Chef gleich eine Befristung der Teilzeit vertraglich zu regeln.

Familienpflegezeit


Seit 2015 sieht das Familienpflegegesetz vor, dass Berufstätige für eine Dauer von zwei Jahren ihre Arbeitszeit reduzieren können, um sich um kranke Angehörige zu kümmern. Dies gilt nicht nur für pflegebedürftige Eltern, sondern zum Beispiel auch für chronisch kranke Kinder. Diese Regelung gilt allerdings nur für Betriebe mit mehr als 25 Beschäftigten. Und ganz auf Null kann man auch nicht reduzieren: Mindestens 15 Stunden pro Woche muss man arbeiten.

Selbstverständlich kann man auch direkt im Anschluss an die Elternzeit die Arbeitszeit reduzieren. Wie das geht findet Ihr in dem entsprechenden Artikel (Infospalte rechts). Auch das Home-Office ist eine Möglichkeit, Arbeit und Familie besser aufeinander abzustimmen. Das ist in vielen Betrieben möglich, ein Recht darauf gibt es in Deutschland jedoch nicht.

Ralf Ruhl

Kommentar zu diesem Thema schreiben:

Name, Ort:
Mein Kommentar:
Bisher wurden noch keine Kommentare abgegeben.

zur Druckansicht