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Von Zuhause aus arbeiten


Home-Office für Väter - Von Zuhause aus arbeitenBild: © goodluz - Fotolia.com

In Deutschland ist der Trend zum Home Office rückläufig. In den Niederlanden hingegen wurde gerade ein Gesetz erlassen, das Angestellten das Recht auf einen Heimarbeitsplatz ermöglicht. Eine Chance für Väter? Und könnte das auch in Deutschland gelingen?

Recht auf Heimarbeit


Rechtsanspruch auf Home Office? Davon können Arbeitnehmer in Deutschland nur träumen. In den Niederlanden ist es ab Sommer 2015 Gesetz. Dem hat das Parlament übrigens mit breitester Übereinstimmung fast aller Parteien zugestimmt.

Der Grund für dieses Gesetz liegt allerdings nicht in besonderer holländischer Familienfreundlichkeit, wie man vermuten könnte. Es ist Teil eines Pakets zur Entlastung des Staatshaushalts bei häuslicher Pflege. Wer einen Heimarbeitsplatz hat, kann sich eher um pflegebedürftige Eltern kümmern, so der Gedanke. Der Staat zieht sich aus der Verantwortung für die Pflege der Alten und Gebrechlichen zurück, dafür bietet er flexiblere Arbeitszeiten und bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Home Office auf Antrag


Die Arbeitgeber sind nicht gerade begeistert. Das Financieele Dagblad, eine der wesentlichen Wirtschaftszeitungen, spricht von einem Ärgernis. Selbstverständlich muss das Home Office beantragt werden. Und viele Berufsgruppen sind gar nicht betroffen. Dass ein Taxifahrer nicht von Zuhause aus arbeiten kann, liegt auf der Hand. Ebensowenig eine Krankenschwester oder ein Maurer. Bei Bürotätigkeiten hingegen muss der Arbeitgeber nachweisen, warum er das Home Office ablehnt. Die Beweislast liegt also in Zukunft beim Arbeitgeber und der Angestellte kann dagegen juristisch vorgehen.

Nach einer Untersuchung des Kennisinstituut voor Mobiliteitsbeleid hat der Anteil der Menschen, die von Zuhause aus arbeiten, in den Niederlanden zwischen 2008 und 2012 von 27 auf 32 Prozent zugenommen. Das Gesetz scheint also auch eine Reaktion auf ein vorhandenes Bedürfnis der Arbeitnehmer zu sein. In Deutschland hingegen gibt es immer weniger Heimarbeiter. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung besagt, dass zwischen 2008 und 2012 der Anteil der im Home Office Beschäftigten von 9,7 Prozent auf 7,8 Prozent zurückging. In absoluten Zahlen sind das gut 800.000 Mitarbeiter.

Motivation, Produktivität und Anwesenheitskultur


Insbesondere gut Qualifizierte arbeiten in Deutschland gern Zuhause. Die meisten allerdings nur teilweise. Der Unterschied zwischen Frauen und Männern ist jedoch nicht so hoch, wie man erwarten könnte: 7,8 Prozent der Männer und 7,3 Prozent der Frauen haben ihren Telearbeitsplatz am heimischen Schreibtisch. Und das, obwohl Frauen doch eher den Wunsch nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie äußern.

Über die Gründe wird noch gerätselt. Einige sehen die hohe Anwesenheitskultur in deutschen Betrieben als Ursache. Allerdings fühlen sich auch die Mitarbeiter vom Geschehen im Betrieb abgekoppelt, fühlen sich nicht mehr so gut vertreten - und das bremst die Motivation. Allerdings gibt es auch andere Stimmen, gerade aus den Niederlanden. Im Home Office sei die Motivation besonders hoch, weil die Mitarbeiter ihre Produktivität unter Beweis stellen wollen, so die Rotterdam School of Management.

Ralf Ruhl

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