väterzeit.de - Vater sein, Mann bleiben

unterstützt von
FolioMen
zur Druckansicht

Geschwister als Streithähne


Wenn Papa schlichten muss - Geschwister als StreithähneBild: Markus Langer@fotolia.de

Ein neues Baby kommt! Die Eltern freuen sich - und das erstgeborene Kind freut sich deshalb auch. Anfangs. Doch dann spürt es, wie viel Aufmerksamkeit das neue Geschwisterchen bekommt, wie jeder Pups wohlwollend kommentiert wird, wie viel Zeit Papa und Mama mit dem Jüngsten verbringen. Und nicht mehr mit ihm! Prinz oder Prinzessin wurde vom Thron gestoßen - von dem Neuankömmling. Das ist ein Grund für die häufige Rivalität zwischen Geschwistern. Und das betrifft nicht nur gleichgeschlechtliche Geschwister.

Gerade Väter, die aufgrund ihrer Arbeitssituation weniger Zeit mit den Kindern verbringen können, haben das Problem, die Stunden möglichst gerecht aufzuteilen. Das fällt häufig schwer, da man sich gerade daran gewöhnt hat, mit dem ein paar Jahre alten Sohn zusammen Fußball zu spielen, Rad zu fahren oder zu Werkeln. Ein Baby oder kleineres Kind stört da und kann nicht mithalten.

Andererseits kann das ältere Kind gar nicht verstehen, was der Papa jetzt so toll daran findet, mit dem kleinen Baby zu kuscheln, wo man doch eigentlich gerade die angefangene Laubsägearbeit beenden wollte. Da ist man als Vater hin und her gerissen und weiß oft nicht, wie man sich nun entscheiden soll.

Die Reaktionen der Kinder


Zwei typische Arten, wie die älteren Kinder mit der neuen Situation umgehen: Das ältere Geschwisterkind versucht, den jüngeren Bruder oder Schwester zu erziehen. Oft hat das eine aggressive Komponente: Das ältere Kind versucht, das jüngere zu bevormunden. Oder in einem unbeobachteten Moment ärgert es Bruder oder Schwester oder schlägt sogar zu.

Die andere Variante: Es regrediert auf eine frühere Entwicklungsstufe. Es macht sich sozusagen selbst wieder zum Baby - denn das Geschwister bekommt ja sichtbar viel Aufmerksamkeit, einfach, weil es kleiner ist.

Aber auch anders herum entsteht Rivalität. Schon kleine Kinder beobachten mit Argusaugen, ob das ältere Geschwisterkind vielleicht mehr oder andere Dinge tun darf. Der Jüngere fühlt sich zurück gesetzt oder nicht ernst genommen, wenn er nicht ebenfalls beim Abwasch helfen darf oder gar früher ins Bett muss. Neid und das Gefühl ungerecht behandelt zu werden drücken sich in Wutausbrüchen aus oder können dazu führen, dass sich das jüngere Kind zurück zieht, weil es sich ausgegrenzt fühlt.

Eltern als Schlichter


Wichtig: der Altersunterschied


Je größer der Altersunterschied ist, umso seltener entsteht eine ernsthafte Geschwisterkonkurrenz. Geschwister mit einem Altersunterschied von über acht Jahren gelten in Pädagogik und Psychologie als Einzelkinder. Was man bei einem Altersunterschied von zwei Jahren nicht behaupten kann. Negative Gefühle, wenn z.B. der große Bruder ein ferngesteuertes Flugzeug zum Geburtstag erhält, flammen da aufgrund der völlig unterschiedlichen Interessen der Altersgruppen nicht auf.

Prof. Dr. Hartmut Kasten vom Münchener Institut für Frühpädagogik rät jungen Eltern, einen Abstand von drei Jahren zwischen ihren Kindern einzuhalten: "Dieser Altersabstand hat sich in der Praxis häufig als optimal erwiesen, denn er trägt nicht selten dazu bei, dass die Geschwister besonders gut miteinander auskommen, nicht so oft rivalisieren und viel miteinander anfangen können."

Das Gerechtigkeitsempfinden macht keine Pause


Geschwister beobachten ganz genau das Verhalten der Eltern. Sobald ihr Gerechtigkeitsempfinden gestört ist und sie meinen, benachteiligt zu werden, begehren sie auf, sie schreien oder weinen. Die Auslöser können den Eltern gering erscheinen, spielen für die Kinder aber eine große Rolle. Schon ganz kleine Kinder erkennen, wenn das ältere Geschwisterkind mehr Spielzeug oder Aufmerksamkeit erhält. Manche bislang schlechten Esser entwickeln gar einen regelrechten Futterneid, sobald sie wahrnehmen was der Bruder oder die Schwester mit Lust isst.

Die Kinder können sich selbst viele Jahre später an die schlimmsten vermeintlichen Ungerechtigkeiten erinnern und empfinden immer noch den Status des Zurückgesetzten. Sie wissen ganz genau, wer das Lieblingskind in der Familie war, oder mit welchen Mitteln die Geschwister oder das Geschwisterkind die Eltern "weich geklopft" hat. Die Familien-Mediatorin Brigitte Komescher aus Mettmann: "Menschen können Eifersucht und Rivalität - und diese gibt es nicht nur bei Geschwistern - ausschließlich durch Anerkennung und Liebe überwinden, durch Vertrauen in sich selbst, ansonsten leiden sie lebenslang an den negativen Erfahrungen."

Manchmal klappt es: Streit vermeiden


Wie Eltern das Problem erkennen und damit umgehen, entscheidet zum großen Teil, wie der Konflikt sich entwickelt, ob die Geschwister sich ein Leben lang nicht verstehen oder ob eine friedvolle Geschwisterkonstellation entsteht.

Es hat sich oft als positiv erwiesen, dass, sobald ein Geschwisterkind geboren wurde, sich ein Elternteil sehr intensiv mit dem großen Bruder oder der großen Schwester beschäftigt. Klare Regelungen können helfen, den Tagesablauf ruhiger zu gestalten: Wenn Papa nach Hause kommt, werden beide Kinder begrüßt. Dann spielt Papa mit dem Großen eine halbe Stunde gespielt, während der Kleine bei Mama bleibt. Danach beschäftigt sich Papa ausgiebig mit dem Kleinen. Der Große kann sich schließlich schon alleine waschen und den Schlafanzug anziehen! Und wir dafür gebührend gelobt. Weil zuerst mit dem Großen gespielt wurden, bringt Papa dann den Kleinen zuerst in Bett.

Oft braucht es nur ein wenig Fantasie, um sich mit mehreren Kindern gleichzeitig zu befassen. Wenn man Angst hat, der Kleinere könne beim Tischdecken die Gläser fallen lassen, dann drücke ich ihm einfach ein paar Plastikbecher in die Hand, die wir dann zwar bei Tisch gar nicht brauchen, aber er ist zufrieden, dass er auch mit helfen

Eltern als Schlichter


Natürlich lassen sich Streits trotz aller Bemühungen nicht immer vermeiden. Dann müssen sich Eltern auch einmal einschalten und gemeinsam mit ihnen nach einer altersgerechten Lösung suchen, die im Idealfall von allen akzeptiert werden kann.

Allerdings kann zu frühes Einschreiten auch die Fähigkeit, Konflikte auszutragen und selbst zu lösen, behindern. Der anfänglich heftige Streit wird oft nach ein paar kindlichen Schimpfwörtern und harmlosen Handgreiflichkeiten auch von kleineren Kindern einvernehmlich gelöst. Wenn es heftiger zur Sache geht, muss man natürlich einschreiten. Das braucht Fingerspitzengefühl und Erfahrung.

So nervenaufreibend die Zänkereien auch sind, so schön ist das Erfolgserlebnis, wenn man es geschafft hat, die Streithähne wieder zu versöhnen.

Gunther Bayer

Kommentar zu diesem Thema schreiben:

Name, Ort:
Mein Kommentar:

Kommentare von Lesern:

 

zur Druckansicht