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Gefährlliche Frühgeburten verhindern


Prävention von FrühgeburtenBild: © S.Kobold - Fotolia.com

Wenn das Baby zu früh kommt drohen dem vorzeitig entbundenen Kind teilweise schwerwiegende Spätfolgen. Um das zu verhindern können werdende Eltern aber auch selbst aktiv werden. Denn kommt es auf jeden Tag an.

Frühgeburten in Deutschland


Über 60.000 Frühgeburten werden in deutschen Krankenhäusern jährlich entbunden. Das entspricht mehr als acht Prozent aller Geburten überhaupt. Alle diese Babys haben eines gemeinsam: sie sind weniger als 37 Wochen in Mamas Bauch geblieben. Diese Anzahl der Schwangerschaftswochen gilt als Maßstab zur Einordnung einer Frühgeburt. 1,2 Prozent aller Geburten finden sogar vor der 32. Schwangerschaftswoche statt, die Kinder gelten dann als sehr frühe Frühchen und benötigen intensive Behandlung. Ob ein Frühchen überleben kann, hängt vor allem von der Ausbildung der Lunge ab, die sich vergleichsweise spät entwickelt. In Deutschland gilt ein Neugeborenes ab der 24. Schwangerschaftswoche als lebensfähig. Ab diesem Zeitpunkt kämpfen die Ärzte um das Überleben des Kindes. In Ausnahmefällen werden auch schon früher lebenserhaltende Maßnahmen ergriffen. Das hängt nicht zuletzt vom Ort der Entbindung ab. Findet sie in einem darauf spezialisierten Perinatalzentrum statt, ist die Chance mehr als doppelt so hoch, dass das Kind überlebt, als in einer normalen Klinik.

Ursachen und Erkennbarkeit


Eine der Hauptverursacher von Frühgeburten sind vaginale Infektionen. Eine andere mögliche Ursache ist Stress. Auch Alkohol, Zigaretten und Drogen können zu einer verfrühten Geburt führen, da sie Plazentastörungen oder Mangelsituation beim Fötus verursachen. Es gibt noch viele weitere mögliche Verursacher, wie falsche Ernährung, mangelnde Mundhygiene, Austrocknung durch häufiges Erbrechen (bei Problemschwangerschaften) oder medizinische Eingriffe. Wichtig ist daher der regelmäßige Besuch beim Frauenarzt. Dort sollte auch die persönliche Lebenssituation zur Sprache kommen. Der Arzt wird zur Ausschließung von Risiken den Gebärmutterhals untersuchen und die Vagina auf ihren pH-Wert bzw. auf Wehen auslösende Keime untersuchen. Den pH-Wert kann die Schwangere auch zu Hause regelmäßig kontrollieren. Hierfür gibt es spezielle Einweghandschuhe mit Teststreifen.

Was der Frau hilft?


Hinweise auf eine vorzeitige Entbindung sind vorzeitige Wehen, Blutungen oder einen verkürzten Gebärmutterhals. Dann muss die Schwangere vor allem Stress und Belastung vermeiden. Hier kann vor allem der Mann eine große Stütze sein. So kann er seiner Partnerin die oft dringend benötigte Bettruhe durch Übernahme der Haushaltspflichten ermöglichen.
Oder die empfohlene Bewegung unterstützen und sie bei Spaziergängen begleiten. Die oft notwendige Ernährungsumstellung kann er ebenso mittragen wie die jetzt häufiger vorkommenden Arztbesuche. Es gibt angeblich Wehen hemmende Öle (Toko-Öl aus Majoran, Lavendel und Rosenholz) oder Tees (aus Baldrian, Hopfen, Johanniskraut, Majoran, Melisse und Thymian) die er zubereiten kann - und die Lebensmittel vermeiden, die bei einer drohenden Frühgeburt nicht ratsam sind (Basilikum, Ingwer, Nelke, Zimt, Kampfer, Japanische Minze und Thuja). Auch auf Sex sollte verzichtet werden, da das Sperma Hormone enthält, die Wehen fördernd wirken. Ebenfalls ratsam: Die (dezente) Suche nach einem Perinatalzentrum in der Nähe oder eine spezialisierte Klinik.

Viel wichtiger als alle praktischen Tätigkeiten ist aber die psychische Unterstützung der Frau. Denn oft leiden die Schwangeren unter Schuldgefühlen oder gar Depressionen, aufgrund der verkomplizierten Schwangerschaft. Es gilt der Frau das Gefühl zu geben: Wir schaffen das gemeinsam!

Medizinische Möglichkeiten der Behandlung


Treten bei einer Schwangeren vorzeitige Wehen auf, muss das nicht unbedingt bedeuten, dass sie eine Frühgeburt erleiden wird. Oft ist es ein Signal des Körpers, dass die Schwangere ein bisschen kürzer treten sollte. Wenn es aber ernst wird, muss die Frau sofort ins Krankenhaus. Dort werden ihr in der Regel Wehen hemmende Medikamente, so genannte Tokolytika verabreicht, sowie Magnesium zur Entspannung der Muskeln. Das Ziel der Ärzte ist es dabei, das Kind so lange wie möglich in der Schwangeren zu halten, damit sie die Möglichkeit haben, das Wachstum der Lunge durch Verabreichung von Cortison oder Bethamethason zu beschleunigen. Das ist bei Entbindungen vor der 35. Schwangerschaftswoche unerlässlich für die spätere Gesundheit des Kindes. Ist die Lunge ausreichend gereift, wird per Kaiserschnitt entbunden, um dem noch schwachen Kind die Belastung des Geburtsvorgangs zu ersparen.

Die Überlebenschancen steigen, je länger das Baby im Mutterbauch sind: Beträgt sie bei einer Entbindung zwischen der 23. und 26. Schwangerschaftswoche nur 66 Prozent, steigt sie je nach Schwangerschaftsdauer auf 95 Prozent in der 36. Schwangerschaftswoche. Viele sehr frühe Frühchen leiden allerdings im späteren Lebensverlauf an den Folgen der verkürzten Schwangerschaft: So kann es zu Entwicklungsverzögerungen und chronischen Atemwegserkrankungen kommen. Auch droht die Gefahr, dass die Motorik nicht richtig ausgebildet ist oder das Kind unter Aufmerksamkeitsstörungen leidet. Jedes dritte Frühchen mit einem Geburtsgewicht von unter 1500 Gramm leidet an Langzeitschäden oder Behinderungen.

Risikogruppen


Auch wenn erst seit wenigen Jahren systematisch analysiert wird, bei welchen Frauen eine Frühgeburt wahrscheinlich ist, haben Ärzte erste Risikogruppen herausfiltern können. Als gefährdet gelten die so genannten Risikoschwangeren, also Erstgebärende die jünger als 17 oder älter als 35 Jahre sind. Aber das Alter spielt nach neueren Erkenntnissen eine weniger große Rolle als die individuelle Lebenssituation der Schwangeren. Untersuchungen haben gezeigt, dass Frauen in einer intakten Beziehung deutlich seltener Frühgeburten erleiden, als solche, die in Trennung leben. Auch Existenzängste, das soziale Umfeld und die Belastung im Beruf spielen eine nicht unerhebliche Rolle. Sie haben maßgeblichen Einfluss auf den Stresslevel der Schwangeren, eine der Hauptursachen für Frühgeburten. Aber auch mangelnde Hygiene und falsche Ernährung treten bei unsicherer Lebenslage häufiger in den Vordergrund und erhöhen das Frühgeburts-Risiko.

Karsten Frei

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