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Pränataldiagnostik: schwere Entscheidung für werdende Eltern


Pränataldiagnostik Bild: © Sven Bähren - Fotolia.com

Ersttrimester-Test, Nackentransparenz-Messung, Fruchtwasserpunktion - die Pränataldiagnostik, die vorgeburtliche Untersuchung des Babys, stellt Paare vor schwierige Entscheidungen. Denn sie bietet keine Klarheit, gibt nur Wahrscheinlichkeiten an. Mann und Frau sollten sich vorher genau über die Untersuchungen in der Schwangerschaft informieren und sich einigen, was sie wissen wollen. Und natürlich, wie sie mit den Ergebnissen umgehen werden.


Blick in den Mutterbauch


Die Ultraschalluntersuchungen sind für werdende Mütter und Väter ein Highlight in der Schwangerschaft. Der Blick in den Mutterbauch ist für beide etwas ganz besonderes, erlaubt er den Eltern doch eine direkte Ansicht ihres kommenden Nachwuchses. Natürlich werden diese Untersuchungen nicht zum Spaß angeboten, sie liefern dem Frauenarzt wertvolle Erkenntnisse über die ordnungsgemäße Entwicklung des Babys.

Es gibt aber noch viele weitere mögliche Untersuchungen, mit Hilfe derer sich die werdenden Eltern über die Gesundheit des Babys im Bauch informieren können. Da sich alle werdenden Väter und Mütter ein gesundes Kind wünschen, ist die Bereitschaft solche Untersuchungen durchführen zu lassen oft hoch. Allerdings sollten Mann und Frau sich vorher genau informieren und sich einigen, ob sie wirklich alles wissen wollen.

Standard: Die Ultraschalluntersuchungen


Drei Ultraschalluntersuchungen sind während der Schwangerschaft Standard. Durch das via Schalwellen entstehende Bild erkennen Arzt oder Ärztin, ob die Patientin tatsächlich schwanger ist, ob es sich um mehr als ein Kind handelt und schließt bestenfalls eine Bauchhöhlen- oder Eileiterschwangerschaft aus. Zudem werden durch den Ultraschall das Wachstum und die Versorgung des Ungeborenen kontrolliert.

Der so genannte Feinultraschall oder das Organ-Screening, kann Aufschluss über mögliche Fehlbildungen geben. Diese Leistungen sind für alle Schwangeren Standard und werden von der Krankenkasse bezahlt. Andere Untersuchungen hingegen müssen privat bezahlt werden, falls die Schwangerschaft scheinbar normal verläuft.

Schätzwerte: Nicht-invasive Untersuchungen


"Hauptsache, es ist gesund", ist ein Satz, den Eltern oft und gern äußern. Wer diese Hoffnung bestätigt haben will, muss weitere Untersuchungen vornehmen lassen. Mit Nackentransparenz-, Ersttrimester- und Triple-Test lässt sich das Risiko möglicher Fehlentwicklungen einschätzen. Hier liegt auch bereits die wesentliche Kritik an diesen Verfahren: Es sind eben nur Schätzungen.

Ein auffälliger Wert kann werdende Eltern verunsichern und die Zeit der "guten Hoffnung" in Tage und Wochen des Bangens verwandeln. Oft genug haben sich derartige Messungen als falsch erwiesen oder mussten durch riskantere Untersuchungen weitergehend beobachtet werden.

Nackentransparenz-, Ersttrimester- und Triple-Test


Die Nackentransparenz-Messung kann zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche mittels Ultraschall vorgenommen werden. So kann eine Wahrscheinlichkeit für das Bestehen einer Chromosonenbesonderheit oder eines Herzfehlers berechnet werden. Ein auffälliger Wert zieht meist weitere Untersuchungen nach sich.

In der Regel sind dies der Ersttrimester-Test oder der Triple-Test. Bei beiden Verfahren wird der werdenden Mutter Blut abgenommen und auf Hormonwerte untersucht. Alle drei Methoden ziehen zur Einschätzung etwaiger Risiken Alter, Gewicht und die Schwangerschaftsdauer hinzu und ergänzen sich.

Nicht ungefährlich: Invasive Untersuchungen


Verfahren, bei denen der Schwangeren Flüssigkeits- oder Gewebeproben aus dem Mutterbauch entnommen werden, liefern genauere Ergebnisse. Dafür haftet ihnen aber auch ein nicht zu unterschätzendes Fehlgeburtsrisiko an.
  • Chorionzottenbiopsie

    - Bei der Chorionzottenbiopsie werden zwischen der 10. und 12. Schwangerschaftswoche mit einer Hohlnadel Gewebeproben aus dem Mutterkuchen entnommen, um anschließend deren Chromosomensatz zu untersuchen. So können sich Erbkrankheiten oder Chromosomenanomalien feststellen lassen, beispielsweise ob Trisomie-21 vorliegt. Eine anschließende Therapie ist allerdings nicht möglich. Außerdem birgt der Eingriff ein Fehlgeburtsrisiko von 0,5 bis 2%, laut Bundesministerium für gesundheitliche Aufklärung.
  • Fruchtwasseruntersuchung

    - Auch bei der Fruchtwasseruntersuchung wird eine Hohlnadel durch die Bauchdecke der Schwangeren gestochen. Diese Methode, die zwischen der 14. und 20. Schwangerschaftswoche vorgenommen werden kann, dient ebenfalls der Untersuchung der Chromosomenstruktur. Auf das Ergebnis dieser Untersuchungen warten die werdenden Eltern ungefähr 14 Tage. Dafür ist das Fehlgeburtsrisiko niedriger: zwischen 0,5 und 1%.
  • Nabelschnurpunktion

    - Die Nabelschnurpunktion dient der direkten Entnahme des Bluts des ungeborenen Babys. Sie ist ab der 14. Woche möglich und soll auffällige Ergebnisse vorheriger Untersuchungen klären. Sie gibt Aufschluss über Erbkrankheiten, Infektionen oder eine Rhesusunverträglichkeit. Das Risiko einer Fehlgeburt liegt hier mit ca. 3% am höchsten. Festgestellte Infektionen können mit Medikamenten therapiert werden und einer etwaigen Blutarmut des Fötus kann mit Transfusionen begegnet werden.

Möglichkeiten und Grenzen


Die Pränataldiagnostik kann das Ungeborene kaum vor Krankheit und Behinderung schützen. Zwar lassen sich Defizite in der Entwicklung aufdecken, aber nur selten bekämpfen. Und oft ist die Suche nach etwaigen Fehlbildungen mit einer starken psychischen Belastung für die werdenden Eltern verbunden.

Da ist zunächst die Angst vor der Untersuchung selbst. Dann folgt die Zeit des Wartens auf die Ergebnisse der nicht-invasiven Untersuchungen, die immer als erstes vorgenommen werden. Diese Werte sind nur Schätzungen, dennoch können Auffälligkeiten die werdende Mutter und den Vater tief verunsichern. Dann kommen die nicht-risikofreien invasiven Untersuchungen, erst dann, nach Tagen und Wochen des Bangens, haben die Eltern die Frage, ob ihr Kind gesund zur Welt kommt, definitiv beantwortet - und nicht selten stellt sich daran anschließend eine ganz andere elementare Frage: Austragen - oder Behalten? Was, wenn das Kind fehlgebildet zur Welt kommt?

Gemeinsam entscheiden


Für Eltern stellt sich somit die Frage, ob sie das alles überhaupt wissen wollen. Nicht jeder Arzt bereitet Mutter und Vater ausreichend darauf vor, welche Last die Ergebnisse für sie bedeuten können. Es ist daher unausweichlich, dass beide sich vorher mit dieser Frage beschäftigen und klar und offen darüber sprechen: Welche Untersuchungen sollen vorgenommen werden? Was bringt uns das? Was tun wir, wenn der Befund auffällig ist? Können wir ein Kind mit Behinderung versorgen? Ist ein Schwangerschaftsabbruch eine Option?

Diese Fragen sind unvermeidbar, nicht nur für so genannte Risikoschwangerschaften, in denen die Mutter älter als 35 Jahre ist oder genetische Erbkrankheiten in der Familie vorliegen. Oft stößt man bei diesen Fragen an die Grenzen der eigenen Psyche. In einer Beratungsstellen können sich die Eltern ganz offen und vorbehaltlos über das Thema aussprechen.

Karsten Frei

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