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Gleichstellung? Nicht mit Kind!


Gleichstellungspolitik muss endlich die Männer berücksichtigenBild: fanny18@photocase.de

Gleichstellungspolitik muss endlich die Männer und insbesondere die Väter in den Blick nehmen, fordert eine Studie des Sinus-Instituts. Denn mit der Geburt des ersten Kindes leben die meisten Paare ganz traditionell - obwohl sie es eigentlich nicht wollten.

John Wayne ist völlig out


John Wayne und Co sind endgültig out. Für sympathisch halten Männer den in eine Familie eingebundenen Mann, der sich dieser Verantwortung auch bewusst ist. Er muss den Spagat leisten, die Familie gut zu versorgen und gleichzeitig liebevoll für seine Kinder da zu sein, wie eine sozialwissenschaftliche Untersuchung des Sinus Instituts ergab, die vom Bundesfamilienministerium gefördert wurde.

Gleichstellung trennt heute nicht mehr die Geschlechter, sondern Generationen und Milieus, so Studienautor Dr. Carsten Wippermann und seine KollegInnen. Was Männer und Frauen darunter verstehen, hängt eng mit ihren Lebens- und Partnerschaftsmodellen zusammen. Oft wollen Männer allerdings mehr, als sie tatsächlich zu leisten imstande sind. So leben gerade Väter oft nach dem alten Ernährermodell, obwohl sie sich eigentlich nicht auf diese Rolle festlegen lassen wollten. Männer sind, so die Autoren der Studie, in ihren Einstellungen oft weiter, als die alltäglichen Strukturen es zulassen. Hier sei die Politik gefordert.

Männliches Selbstverständnis


Das Selbstverständnis von Männern ist generell im Umbruch. Besonders markante typisch männliche Attribute wie "Härte" (32%) und "Überlegenheit" (24%) werden nur noch von einer Minderheit der Männer als sympathisch bewertet. Hingegen haben klassisch-weibliche Attribute wie "Gefühle anderer verstehen" (40%), "Gefühle zeigen" (42%) oder "Zärtlichkeit" (44%) eine höhere Attraktivität. Der Hausmann ist jedoch wenig attraktiv: "Arbeiten im Haushalt erledigen" (34%), "eine schöne Atmosphäre schaffen" (27%) finden nur wenige Männer sympathisch. Aber dies seien weiche Grenzen und keine Barrieren mehr, so die Autoren der Studie.

Vor allem das Zusammenziehen und das erste Kind führen zu einer Zäsur. Emanzipierte Männer rutschen mit ihrer Partnerin oft innerhalb kürzester Zeit in eine traditionelle Rollenteilung, die sie beide nie wollten und die sich doch in den entscheidenden Jahren der Familiengründung und beruflichen Etablierung festigt. Die Gleichstellungs- und Familienpolitik müsse hier Brücken bauen, damit eine gleichgestellte Partnerschaft rational und praktisch ist, meinen Wippermann und KollegInnen.

Die Studie identifiziert vier Haupttypen männlicher Geschlechtsidentität:
23% Starker Haupternährer der Familie
14% Moderner Lifestyle-Macho
32% Moderner neuer Mann
31% Postmoderner Mann
Haupttypen männlicher Geschlechtsidentität

Moderne neue Männer


Der "moderne neue Mann", dazu zählen etwa 32%, entsteht und lebt in der Mitte der Gesellschaft. Allerdings: Je höher die soziale Lage und die berufliche Position, umso größer ist die Kluft zwischen Selbstbild und Praxis. Moderne Männer wollen Gleichstellung im eigenen Alltag - trotz widriger Umstände - leben. Es erfordert jedoch viel persönliche Energie, sich gegen ökonomische Rationalität und Praktikabilität zu entscheiden. Zur Unterstützung und Stabilisierung gleichgestellter Arrangements braucht es entsprechende Öffnungszeiten von Kindergärten, Ganztagsschulen, Teilzeitarbeit auch in gehobenen beruflichen Positionen und nicht zuletzt Entgeltgleichheit.

Haupternährer


Etwa 23% aller Männer sehen sich als "starken Haupternährer der Familie" und praktizieren überwiegend die klassische Delegation der Hausarbeiten an die Frau. Doch auch er ist heute nicht mehr von der Haushaltsarbeit freigestellt, sondern beteiligt sich. Das hat Einfluss auf die Geschlechtsidentität und verändert die Einstellungen zu Partnerin und Familie.

Lifestyle-Macho


Als "Lifestyle-Macho" gelten etwa 14% der Männer. Selbstbewusstsein und Unterordnung der Frauen bestimmen diesen Typus. Man findet ihn vor allem am unteren und oberen Rand der Gesellschaft. Er ist jedoch kein unzivilisierter Wilder, sondern eher ein hochkultureller, pragmatischer Mann.

Postmodern-flexibler Mann


Etwa 31% der Männer haben das Selbstideal vom "postmodernen flexiblen Mann" mit einer entspannten, spielerischen Einstellung zu ihrer Identität. Traditionelle und moderne Muster können sie flexibel handhaben. Bevorzugte Lebensmodelle sind das Zuverdienermodell (35%) und das gleichgestellte Familienmodell (28%).

Familienorientierung und die Reaktion der Betriebe


Doch was geschieht, wenn ein Mann Vater wird und eine Familie gründet? Manche Männer mit sehr hoher Berufsqualifikation und in aufstrebenden Positionen werden von den Unternehmen gelockt mit Gratifikationen, Privilegien (Geschäftswagen, Geschäftshandy etc.) sowie Business-Erlebnissen (Clubs, Reisen, Kontakte, Luxus-Convenience etc.), um ihr volles Engagement für das Unternehmen zu sichern. Andere erfahren, dass Elternzeit des Mannes seitens der Unternehmensleitung akzeptiert und manchmal auch ausdrücklich begrüßt wird. Sehr gute Mitarbeiter setzt man heute nicht unter Druck, wenn diese aus persönlichen Gründen zwei Monate (oder etwas mehr; aber nicht länger als 4-6 Monate) Elterngeld nehmen wollen. Der Fachkräftemangel stärkt ihnen den Rücken. Sie zeigen, dass Mitarbeiter auf Dauer mehr leisten und produktiv sind, wenn sie als Mensch glücklich sind. Ein Arbeitgeber, der diese Atmosphäre und Kultur bietet, erzeugt Loyalität. Der Mitarbeiter identifiziert sich nicht nur mit dem Job, sondern auch mit dem Unternehmen.

Wollen aber qualifizierte und leitende Angestellte dauerhaft Teilzeit arbeiten, finden sie bei ihrem Arbeitgeber kein Verständnis (selbst bei vielen selbst ernannten familienfreundlichen Unternehmen nicht). Eine Reduktion der Arbeitszeit auf 75% wäre mit einem drastischen Verlust von Verantwortung, Position und Einkommen verbunden.

Berufsrückkehr der Frau


Wenn ihre Lebenspartnerin die Berufstätigkeit wieder aufnehmen will, wollen Männer mit moderner Wertorientierung sie unterstützen. Doch warum, so fragen sie sich oft, sollten sie beruflich reduzieren in einer Phase, in der die Kinder allmählich selbstständiger werden? Das scheint ihnen paradox. Die meisten glauben, dass eine Reduzierung vor der Geburt des Kindes relevant ist - aber nicht, wenn das Kind bereits zwei Jahre oder älter ist.

Außerdem glauben sie, durch eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit berufliche Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Im Kollegenkreis erzeugt es noch immer Befremden, wenn ein Mann weniger arbeitet, um sich um seine Familie zu kümmern oder um seiner Frau den Berufseinstieg zu erleichtern. Man fürchtet auch, damit ein falsches Signal an die Unternehmensleitung zu geben - denn das Motiv für eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit scheint ja nicht vorübergehend, sondern gleich für mehrere Jahre zu bedeuten, dass man nicht voll einsetzbar und belastbar ist.

Gleichstellung muss Männer im Blick haben!


Am obersten Rand der Gesellschaft ist weiter das einseitig profilierte Bild vom starken Mann attraktiv und Voraussetzung für den Eintritt in diese Etagen und Netzwerke. Damit fördern und belohnen die oberen Führungsetagen ein Männerbild, das viele gut gebildete Männer - jenseits des Berufs - gar nicht haben.

Moderne Gleichstellungspolitik sollte Männer nicht nur auf ein Mehr an Verpflichtungen reduzieren, sondern die Rechte und Bedürfnisse von Männern eruieren. Dabei ist zu bedenken, dass Männer nicht emanzipiert
werden wollen, also kein passives Objekt, mit dem etwas gemacht wird, sondern selbst Akteure des Entwicklungsprozesses sein wollen, meinen die AutorInnen der Studie.

Ralf Ruhl

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