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Frust statt Freude

Die ungewohnte Situation kann zu Problemen führen.
Bild: Galina Barskaya - Fotolia.com
Die erste Zeit mit dem Baby kann die Paarbeziehung auf eine harte Probe stellen. „Wir haben uns plötzlich nur noch gestritten. Die vielen schlaflosen Nächte, die Hilflosigkeit, wenn Justine stundenlang schrie. Zärtlichkeiten haben wir so gut wie gar nicht mehr ausgetauscht, geschweige denn, dass es im Bett zu mehr gekommen wäre.“ Der 26-jährige Daniel und seine Frau Svenja (24) erleben gerade das, was vielen Paaren in der ersten Zeit mit dem Baby nicht erspart bleibt. Frust statt Freude.

„Das ist gar nicht so selten“, sagt Musik- und Paartherapeutin Brigitta Zuber aus Lippstadt. Die Gründe dafür seien unterschiedlich. Romantisch überhöhte Vorstellungen, Unerfahrenheit, unterschwellige Probleme, die auch schon vor Schwangerschaft und Geburt vorhanden waren und jetzt erst recht ans Licht kommen. „Wer zum Beispiel geglaubt hat, mit einem Kind würden sich die Konflikte vielleicht von selber lösen, der wird enttäuscht werden. Vor allem unerfüllte Erwartungen führen hier schnell zu negativen Gefühlen. Dass es gerade in der ersten Zeit, bedingt auch durch das Stillen, durchaus einen Unterschied in der Rollenverteilung gibt, dessen müssen sich die Eltern bewusst sein.
In dieser Zeit wünschen sich die meisten Frauen viel Unterstützung und Schutz seitens des Mannes. Er braucht ein großes Herz und darf nicht jede Reaktion persönlich nehmen. Sie hingegen darf nicht den Fehler machen, in der engen Symbiose mit dem Kind, den Partner auszugrenzen. Klar muss sein: Die Elternschaft steht zunächst im Mittelpunkt. Wenn es beiden gelingt, respektvoll und in Liebe miteinander umzugehen, dann geht es fast von selbst wieder in die Paarrolle hinein.“

Wichtig sei auch, betont die Fachfrau, möglichst viel miteinander zu reden: „Viele Konfliktsituationen lassen sich auf diese Weise schon von vornherein vermeiden. Dazu gehören klare Absprachen. Wer kümmert sich wann um das Baby. Wer steht nachts auf. Welche Vorstellungen von Erziehung hat man. Das klingt einfach, ist es aber nicht. „Es sind schon Riesenstreits darüber entstanden, ob das Kind einen Schnuller bekommt oder nicht“, sagt Brigitta Zuber. Sie rät allen Paaren, möglichst schon vor dem ersten Kinderwunsch die Kommunikation zu üben.

Natürlich ist es von der Theorie zur Praxis immer ein weiter Weg. Und auch die beste Planung scheitert manchmal an der Realität. Das kann schon mit der Geburt anfangen, die einen ganz anderen Verlauf nimmt, als geplant. Oder die erste Zeit zu Hause, die man sich so schön vorgestellt hat mit dem Kind. Und dann ist alles ganz anders. Die junge Mutter leidet unter der Hormonumstellung. Das Stillen will nicht klappen. Das Baby schreit, scheinbar ohne Grund. Die Oma mischt sich zu sehr ein. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. „Irgendwann wird das Paar vielleicht sogar darüber lachen“, sagt die Therapeutin. „Doch wer mittendrin ist, in dieser Situation, der empfindet sie als höchst belastend. Tränen und böse Worte bleiben nicht aus.“

Was in den meisten Fällen eine kurze Phase der Eingewöhnung, des Hineinfindens in die neue Rolle ist, kann im Extrem eine echte Bedrohung für die Partnerschaft werden. Brigitta Zuber: „Nämlich dann, wenn einer dem anderen die Schuld gibt, keiner mehr hinhört, was der Partner möchte und Zärtlichkeit und Zuwendung auf dem Nullpunkt angekommen sind.“

Aber auch dann, so die Expertin, sei es noch nicht zu spät: „Es gibt zahlreiche Adressen, an die das Paar sich wenden kann und die kompetente Hilfe anbieten:

Psychologen, Hebammen, Schwangerschaftsberatungsstellen, Familienbildungsstätten, Psychologische Beratungsstellen für Ehe-, Familien- und Lebensfragen.“

© Helga Wissing
Teil 1

Die erste Zeit mit dem Baby kann die Paarbeziehung auf eine harte Probe stellen.

Teil 2

Erfahrungsbericht von Marcel W. - "Wir hatten uns so auf unser erstes Kind gefreut."

Teil 3

Erfahrungsbericht von Julia N. - "Meine erste Ehe war nicht sehr glücklich."

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Kommentare von Lesern:

 
Gudrun, Hamburg:
15.10.2012 16:49
Mit einem Kind verändert sich die Beziehung grundlegend, allerdings liegt es an mir und meinem Partner, was wir daraus machen. Wir bekommen bald unser zweites Kind. Unsere Partnerschaft hat nach der Geburt des Ersten ziemlich gelitten und nun habe ich angst, dass dies nach der Geburt des zweiten von vorne beginnt und habe mich in den letzten Wochen online mal versucht schlau zu machen. Dabei bin ich dann auf ein echt tolles Projekt gestoßen, das sich sehr vielversprechend anhört. Zumindest wird das Thema der Beziehung mal ernsthaft in einem Podcast diskutiert. http://paartherapie-falkenried.de/podcast-psychologie/
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Hilfe

Bei partnerschaftlichen Problemen vor und nach der Geburt helfen Ihnen:

Hebammen,
Familienbildungsstätten,
Psychologische Beratungsstellen für Ehe-, Familien- und Lebensfragen

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