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Raus auf den Spielplatz!


Raus auf den Spielplatz! Väter sollen draußen spielenBild: ©paulthomass-fotolia.com

Draußen sein in der Stadt, sich bewegen, andere treffen - das gelingt am besten auf dem Spielplatz. Übrigens nicht nur für die Kinder, auch für die Väter ist der Spielplatz ein beliebter Treffpunkt.

"Die Rampe muss fester werden, da brauchen wir noch Wasser!" Lukas und Simon sind schwer beschäftigt. Sie bauen eine Autorennbahn im Sandkasten. Lukas ist fünf, Simon 41 Jahre alt. Der Spielplatz ist im Frühjahr und Sommer ihr liebstes Ausflugsziel. "Wir müssen nur fünf Minuten zu Fuß gehen, das schafft Lukas auch selbstständig mit dem Roller oder dem Fahrrad", sagt der Vater.

Spielplatz - ein Treff für alle


Die beiden bleiben nicht lang allein. Zu bestimmten Zeiten wie Freitag Nachmittag sind viele Familien aus dem Viertel da. Und zwar nicht nur die Mütter, auch die Väter. "Das ist eine schöne Atmosphäre, gerade auch mit den anderen Männern", freut sich Simon. Der Spielplatz sei eine wichtige Informationsbörse, sowohl für Neuigkeiten aus der Nachbarschaft, als auch über kinderspezifische Themen: "Da wird über Kinderärzte gesprochen, welche Mittel gegen Läuse helfen, wo es günstig Kinderklamotten gibt usw."

Und natürlich wird gespielt. "Da sind die Väter aktiver als die Mütter", meint Simon. Wie zum Beweis kommt Lukas mit dem Ball auf ihn zu: "Wir sind Dortmund gegen Bayern, mit Felix und seinem Papa." Es ist ein Spiel auf ein Tor, denn zwei Bäume müssen als Pfosten herhalten und auch ein Netz gibt es nicht. Aber wo ein Ball ist, da ist auch Fantasie!

Abenteuer ohne pädagogische Bewachung


Wo die angeregt wird, da ist der beste Spielplatz. Spielgeräte, die nur eine Art der Bewegung vorgeben, sind nicht sehr beliebt. Laut Holger Hofmann, Geschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks, liegt die durchschnittliche Verweildauer auf einer Wippe bei zwei, auf einer Schaukel bei fünf und auf einer Kletterburg immerhin bei zehn Minuten. Anregungsreiche Spielplätze bieten Hügel, Buschwerk, Ecken zum Sich-Verstecken - eben die Möglichkeit für Abenteuer und aktive Gestaltung. Vor allem selbstbestimmte Räume ohne ständige pädagogische Aufsicht von Erwachsenen seien für die Entwicklung wichtig, so der ehemalige Grundschulrektor Dr. Karl Gebauer. Insbesondere die Regeln des sozialen Miteinander würden dort ausgehandelt, Respekt, Zusammenarbeit und Empathie praktisch gelernt. Außerdem würden Kinder so die Erfahrung von Selbstwirksamkeit machen, ganz praktisch lernen, dass ihre Ideen und Beiträge das gemeinsame Spiel voranbringen.

Doch solche Spielplätze sind selten. Vorherrschend sei immer noch der leicht zu pflegende, ebenmäßig angelegte Platz, so Hofmann. Überhaupt seien Spielplätze eine bedrohte Spezies, die Flächen begehrte "Filetstücke" in den Städten, die gerne gewinnbringend als Bauland ausgewiesen würden. Doch nicht nur Kommunen agieren in diesem Sinne, auch die Länder flankieren diese Begehrlichkeiten. So hat Niedersachsen sein Spielplatzgesetz abgeschafft und Kindern somit einen Anspruch auf Freiräume genommen.

Spielleitplanung beteiligt Kinder

Aber es geht auch anders. "Spielleitplanung" heißt das Zauberwort. Kinder und Jugendliche werden von Anfang an an der Planung beteiligt. Das gelingt nicht nur in kleinen Orten, auch größere Städte wie Karlsruhe haben sich für diesen Weg entschieden. Auf Streifzügen durch die Wohngebiete werden zunächst Spiel- und Gefahrenräume benannt und auf Karten markiert. Teilnehmen sollten dabei selbstverständlich auch die Entscheidungsträger vom Bauamt, Verkehrsplaner und Jugendhilfeeinrichtungen. Die Stadt Griesheim bei Frankfurt hat auf solche Anregungen hin das Konzept der bespielbaren Stadt beispielhaft umgesetzt.

Welche Spielplätze gut sind und welche unbedingt eine Restaurierung nötig haben können Eltern übrigens auf www.spielplatztreff.de posten. Dort werden Sie auch schnell fündig, wenn Sie einen Spielplatz in der Nähe oder einen besonders für eine bestimmte Altersgruppe geeigneten suchen.

Für den besten Spielplatz hält Simon selbstverständlich den in seinem Viertel. "Weil der ein Nachbarschftstreff geworden ist. Denn wenn die Eltern sich da wohl fühlen, geht es auch den Kindern gut." Und natürlich umgekehrt.

Ralf Ruhl

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