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Rettet die Spielplätze!


Spielplätze rettenBild: milosz_g@fotolia.com

Spielflächen für Kinder werden überall eingeschränkt, Spielplätze werden abgebaut, verkleinert oder umgewidmet. Weil angeblich schnell billiger Wohnraum entstehen soll. Wer Spielflächen für Kinder erhalten will, muss sich engagieren und mitbestimmen!

Mehr Kinder brauchen mehr Platz


Die gute Nachricht: Es gibt wieder mehr Kinder! Laut Statistischem Bundesamt wurden 2016 knapp 800.000 Kinder geboren. Drei Jahre vorher waren es noch gut 680.000. Allerdings brauchen Kinder auch Platz. In der Wohnung – und vor allem auch draußen! Und damit sind nicht Betreuungsplätze in Kitas gemeint, sondern Spielflächen. Also Flächen, auf denen Kinder sich sicher und gerne bewegen.

Wie sieht eine solche Umgebung aus? Die Straße ist sauber, weder Hundekot noch Scherben oder Dosen liegen auf dem Boden, auch lungern nirgends Gruppen von Jugendlichen oder Erwachsenen mit frei laufenden Hunden herum, was Kindern oft Angst macht. Außerdem führt keine große Verkehrsader durch das Wohngebiet. Und: Man kennt sich in der Nachbarschaft, Kinder kennen erwachsene Ansprechpersonen, weil die Eltern mit ihnen zumindest Grüße austauschen.

Spielräume bedeuten Lebensqualität


Eine solche Umgebung wird in der Studie „Raum für Kinderspiel“ von den Professoren Baldo Blinkert und Peter Höfflin aus Freiburg als ein Gebiet mit „guten Aktionsraumqualitäten“ beurteilt. Hier sehen fast 60 Prozent der Eltern keinen Betreuungsbedarf für die Kinder. Unter ungünstigen Bedingungen sind das nur 35 Prozent. „Spielplätze, die Kinder selbstständig schnell erreichen können, erhöhen die Wohn- und Lebensqualität in einem Viertel deutlich“, folgert Claudia Neumann, Referentin für Spiel und Bewegung beim Deutschen Kinderhilfswerk DKHW.

Wie wichtig die gute Wohnumgebung für Familien ist, zeigt eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung BIB. Sie weist auf erhebliche regionale Unterschiede in der Geburtsstatistik hin. Laut Forschungsdirektor Martin Bujard liegen die Ursachen für niedrige Kinderzahlen in zu wenig bezahlbaren Wohnungen, schlechter Kinderbetreuung und kinderfeindlichen Wohnquartieren.

In der Verantwortung: Gemeinde und Wohnungsbaugesellschaften


Wisst ihr, wie viele Spielplätze es in eurer Stadt gibt? Wo sie liegen? Welche Geräte dort stehen, für welches Alter sie gebaut sind? Nein? Dann steht ihr nicht allein, in der Regel weiß es eure Gemeinde oder Stadtverwaltung auch nicht. Nur wenige Städte und Kommunen verfügen über ein Spielplatzkataster.

Zudem wurden schon vor Jahren in verschiedenen Bundesländern, z.B. in Niedersachsen, die Spielplatzgesetze gestrichen. Vorgaben für Spielplätze sind jetzt – mit rechtlich wesentlich geringerem Stellenwert – in den Bauordnungen zu finden. Nach Angaben des DKHW ist häufig das Grünflächenamt zuständig, oft aber auch der Bauhof. Dass dort häufig Spezialisten für Kinderspiel zu finden seien, bezweifelt Claudia Neumann, zumal die Ämter unter Zusammenlegungen und Personalausdünnung litten.

Pflichtaufgabe der Daseinsvorsorge


Auf privatem Gelände sind die Eigentümer, Vermieter oder Wohnungsbaugesellschaften die Ansprechpartner. Dort sollte man also vorsprechen, wenn es um Verschmutzung, kaputte Spielgeräte oder schlichtweg nicht vorhandene Spielflächen geht. Denn einen Rechtsanspruch darauf gibt es! Denn es ist Pflicht der Bauträger, für Gebäude ab drei Wohneinheiten Spielflächen auszuweisen. Jedoch wird diese Pflicht nach Angaben des DKHW oft ignoriert. Vielerorts seien nicht einmal Ausgleichszahlungen vorgesehen. Wenn es sie gibt, so Neumann, sollten sie sich an den realen Kosten für die Gemeinde orientieren und nicht an der Zahlungswilligkeit der Unternehmen.

Spielflächen gehören zur Pflichtaufgabe der Daseinsvorsorge in Verantwortung der Kommune. Eltern sollten sich nicht abspeisen lassen, sondern sich mit anderen zusammentun und bei Veranstaltungen, Planungssitzungen, Ratssitzungen etc. auf die Bedarfe von Familien und Kindern hinweisen. Bürgerbeteiligung ist schließlich für die Bürger da, nicht für die Selbstdarstellung von Verwaltung und Gemeinderat.

Ralf Ruhl

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