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Kinder im Lastenfahrrad


Mit Kindern im Lastenfahrrad unterwegsBild: © sashahaltam-fotolia.com

Immer häufiger sind Kinder im Lastenfahrrad unterwegs - mit Papamotor oder gar elektrisch. Was ihr beim Kauf und beim Kindertransport im Lastenrad beachten müsst, lest ihr hier.

Kinder im Lastenfahrrad mit zwei Rädern


Sie heißen Trailerbikes, Cargo Bikes oder einfach Lastenfahrräder. Sie rollen auf zwei, drei oder vier Rädern, mit Muskel- oder Elektroantrieb. In den Niederlanden und in Dänemark haben sie eine lange Tradition. Im Trog des bakfiets, mit dem der holländische Bäckerlehrling ursprünglich Brote auslieferte, sitzen heutzutage Kinder. Das funktioniert erstaunlich gut. Kindergurte sind von vielen Herstellern von Anfang an montiert; oft können vorhandene Sitze oder Babyschalen eingebaut werden.

Warum sich mit einem Fahrrad überhaupt schwere Lasten - bis gut 100 Kilo zusätzlich zum Fahrer - transportieren lassen, liegt an einem einfachen Trick: tiefer legen! Je stärker sich der Schwerpunkt dem Boden nähert, desto leichter ist die Last zu bewegen. Das bietet den Vorteil, dass man trotz Kindern oder Gepäck stets freie Sicht nach vorn hat, denn der Aufbau ist relativ niedrig. Außerdem hat man die Kinder ständig im Blick.

Lastenräder sind schwerer als normale Fahrräder und deutlich länger, das bakfiets misst z.B. stattliche 2,45 Meter. Ein wenig breiter sind sie auch, aber wirklich nur ein paar Zentimeter, das macht beim Fahren keine Probleme.

Grundsätzlich lassen sie sich wie ein normales Fahrrad fahren, sie sind eben einspurige Fahrzeuge. Ein wenig probieren muss man natürlich. Insbesondere an die Zuladung sollte man sich erst einmal gewöhnen - am besten ohne Kinder, die sind schließlich keine Experimentierpersonen. Denn ungewöhnlich fühlt es sich zunächst schon an, die gesamte Last auszubalancieren, insbesondere in Kurven, auf schmaleren Wegen und holprigen Strecken. Zum Ausladen muss man immer das Rad auf den Ständer stellen! Schließlich sollen weder Hund noch Bierkasten noch Kinder unsanft auf der Straße landen.

Ein großer Vorteil: Die Zweirädrigen sind schneller als drei- oder vierrädrige Modelle. Sie sind wendiger; in der Regel lassen sich also die Wege nutzen, die ihr auch mit dem normalen Bike fahrt. Allerdings haben sie einen größeren Wendekreis und sind beim Langsamfahren etwas kippeliger.

Kinder im Lastenfahrrad mit drei oder vier Rädern


Auf den ersten Blick wirken Lastenfahrräder mit drei Rädern wuchtiger und sicherer als die zweirädrige Version. Das ist logisch, denn drei Räder können nicht kippen, egal, wo sie stehen. Beim Fahren jedoch schon, vor allem, wenn man gewohnt ist, über Gewichtsverlagerung zu steuern. Auf drei Rädern kann man sich nicht in die Kurve legen. Oder eben nur einmal...

Gesteuert wird mit dem Lenker, Gewichte müssen aktiv mit dem ganzen Körper ausgeglichen werden. Das solltet ihr unbedingt üben, bevor ihr mit dem Radl loslegt. Viele meinen, mit Last fährt sich ein Dreirad leichter, da man dann langsamer unterwegs ist und nicht in Versuchung kommt, die Kurven zu schnell zu nehmen. Dreiräder fühlen sich "bummeliger" an, daher fährt man gemütlicher. Wem Entschleunigung wichtig ist, wer gerne zwischendurch anhält, um nach Vögeln zu schauen, blauem Himmel oder freundlichen Müttern, die ebenfalls mit dem Dreirad unterwegs sind, für den ist das genau das richtige Gefährt.

Ein großer Vorteil: Es passt viel rein. Zwei Kinder nebeneinander - kein Problem. Sogar vier Kinder können, was den Platz betrifft, oft mühelos mitgenommen werden. Wenn denn die Muskeln nicht schlapp machen... denn bereits das Leergewicht ist deutlich höher als bei der zweirädrigen Version.

5 Tipps für den Kindertransport im Lastenrad


  • Wo wollt ihr euer neues Bike parken? Lastenräder sind größer und schwerer als normale Räder, sie lassen sich kaum Treppen hinauf und hinab tragen oder durch enge Türen schieben. Sie brauchen mehr Raum - vor allem auch sicheren und abschließbaren Raum, denn gutes Rad ist teuer.
  • Achtet auf das zulässige Gesamtgewicht. Also: Wie viel bringt ihr selbst auf die Waage, wie schwer ist das Rad, wie viel wiegen die Kinder? Wäre ja blöd, wenn ihr zwar ein tolles Rad habt, aber nur die Hälfte der Kinder mitnehmen könnt...
  • Üben, üben, üben - und zwar zunächst ohne Kinder! Gewöhnt euch erst einmal an das Fahrverhalten, die Kurvenlage, den Wendekreis, die Abmessungen und vor allem die Bremswege! Die zweite Runde dann mit Last probieren.
  • Wenn ein Kind mitfährt: Achtet auf die Gewichtsverteilung! Solo sollte das Kind in der Mitte sitzen, natürlich angeschnallt!
  • Plant die Wege! Insbesondere Dreiräder sind für manchen Durchlass zu breit und können Hindernisse nicht so gut umfahren.

Kindertransport im Lastenrad: Das solltest du wissen!


Ganz wichtig: Dreiräder sind zweispurige Fahrzeuge! Damit sind sie wesentlich breiter als normale Fahrräder. Durch Hindernisse kann man sich nicht mehr hindurchschlängeln, man muss sie umfahren. Manche Einfahrt ist zu eng, bei manchen Toren muss man beide Flügel öffnen, um hindurch zu gelangen. Und in stink normale Fahrradständer passen sie auch nicht, die Parkplatzsuche kann zu bestimmten Zeiten zum Problem werden. Möglicherweise müsst ihr aufgrund der Breite auch andere Wege zur Kita oder in den Supermarkt nehmen. Probiert das aus! Denn vielleicht müsst ihr dann auch mehr Zeit für den Transport einplanen und entsprechend früher aufstehen.

Das gilt alles auch für die seltenen Lastenräder mit vier Rädern. Die sind noch ein bisschen schwerer, etwas weniger wendig, geben manchem aber ein sichereres Gefühl. Und das ist ja auch etwas wert.

Kinder im Elektro-Lastenrad


Uuups, sind die teuer! 4000 Euro ist nix, da ist mancher gebrauchte Kleinwagen billiger. Allerdings sollte man hier nicht sparen: Tests verschiedener unabhängiger Stellen für E-Räder ergaben dass billige Modelle unter 2000 Euro oft schlechte Materialien verwenden, sodass bei verschiedenen Rädern nach wenigen hundert Kilometern gar die Lenkstange brach und dass fast 50% der Akkus umgetauscht werden mussten. Gute Gründe, um sich zu überlegen, welches Rad man wofür braucht.

Das Grundproblem sind die Akkus, sprich die Reichweite und die Auflademöglichkeiten. Manche Hersteller geben Reichweiten von bis zu 60 Kilometern an. Die meisten Akkus lassen sich 500 - 1000 mal aufladen, je nach Batterieart. Einige nutzen die Bremsenergie oder die Energie einer Bergabfahrt zum Laden, was die Reichweite erhöht. Glücklicherweise gibt es inzwischen immer mehr Lademöglichkeiten, bei Händlern, Gaststätten und Tankstellen. Warum nicht auch bei Eurer Kita oder Grundschule? Je stärker sich die Infrastruktur verbessert, desto weiter sind wir auf dem Weg zur Elektro-Mobilität und kommen umso schneller weg von CO2-lastigen Verbrennungsmotoren.

Grundsätzlich haben E-Lastenräder die gleichen Vor- und Nachteile wie ihre mit Muskelkraft betriebenen Kollegen. Aber bergauf ist es nicht so anstrengend. Manchmal ist es auch schneller. Und der längere Ausflug macht auch mehr Spaß, wenn man nicht so schwitzt und völlig ausgepumpt am Ausflugslokal oder Picknickplatz ankommt. Und überhaupt, wenn man erst mit über 40 Vater geworden ist und nicht ständig für die nächste Wettfahrt trainiert.

Ralf Ruhl

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