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Urlaubsplanung - Wenn Papa die Koffer packt...


Urlaubsplanung - Väter wollen mitredenBild: © Petro Feketa - Fotolia.com

Väter wollen nicht nur den Kofferraum vollstopfen, wenn es in den Urlaub geht. Schließlich haben sie in der Elternzeit ihre Erziehungsfähigkeit unter Beweis gestellt.

Mutter entscheidet allein?


"Mutter entscheidet" titelte die Frankfurter Allgemeine vor neun Jahren. Die Zeitung berichtete über die bislang einzige Untersuchung, die erforscht hat, wie Familien sich über ihr Urlaubsziel im Sommer verständigen. Bei 71,4 Prozent der befragten Eltern hatten dabei die Frauen das letzte Wort. Die Trendstudie "Reisen mit der Familie” im Auftrag des Deutschen Jugendherbergswerks kam 2005 zu einem klaren Ergebnis: Nur gut jeder vierte Vater konnte danach bestimmen, wo er mit Partnerin und Kindern seinen Urlaub verbringen wollte. Hat sich das mittlerweile geändert? Haben die engagierten, elternzeit-erprobten Männer mehr zu sagen als vor einem Jahrzehnt? Handfeste Daten dazu gibt es nicht. Doch es liegt nahe zu vermuten, dass die stärkere Beteiligung der Väter schon in der Säuglingszeit zu veränderten Entscheidungsstrukturen in den Familien führen wird.

In der Hochphase des männlichen Ernährermodells in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Frauen zu den Außenministerinnen der privaten Kommunikation. Sie regelten die familiären Dinge und trafen die wichtigen Kaufentscheidungen. Sie bestimmten selbstverständlich, welches Essen bevorzugt und welche Möbel angeschafft wurden. Selbst über ihr Prestigeobjekt Auto konnten die Männer nicht mehr allein bestimmen: Kindgerecht und sicher musste es vor allem sein, Hubraum oder Geschwindigkeit wurden eher zur Nebensache. Die Autowerbung in den Elternzeitschriften wendete sich an die Frauen, weil die sich im familiären Aushandlungsprozess meist durchsetzten.

Stimmrecht für alle!


Bei der Urlaubsplanung ist das nicht anders. Längst vorbei die Zeiten, als ein männlicher "Haushaltungsvorstand” im Alleingang das Reiseziel festlegte. An die Stelle des autoritären Bestimmers trat die demokratische Familienkonferenz, bei der sogar die Kinder Stimmrecht bekamen. Wenn die unbedingt wieder ans Meer oder auf den Bauernhof wollten, folgten kluge Erziehungsberechtigte diesem Wunsch. Nach dem erfahrungsgesättigten Motto: Eltern kann es nur gut gehen, wenn es den Kindern gut geht.

Der "familiengerechte” Urlaub wurde zu einem eigenständigen Segment der Tourismusbranche. Doch gibt es auch "müttergerechte” oder "vätergerechte” Reiseziele? Die gewählten Prioritäten sind stets verknüpft mit der Art, wie Eltern sich im Alltag die Aufgaben teilen. Wenn Mama zu Hause ständig kochen muss, ist sie vermutlich eher an Vollpension interessiert als an einer Ferienwohnung mit Selbstversorgung. Wenn Väter mit ihren Kindern gerne Sport treiben, sind entsprechende Angebote am Urlaubsort ein wichtiges Kriterium.

Was tut Papa gut?


Bei der Wahl eines Reiseziels sollten Väter überlegen, was ihnen gut tun könnte. Sind sie im Alltag beruflich stark eingespannt und in der Familie deshalb weniger präsent, können sie die Urlaubszeit nutzen, um mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Es kann sehr beglückend sein, einer Achtjährigen im Pool der Ferienanlage geduldig das Schwimmen beizubringen. Papa ist dazu vielleicht auch viel besser geeignet, weil Mama längst die Geduld verloren hat: nur eine Möglichkeit unter vielen, um verpasste Erfahrungen von Väterlichkeit nachzuholen.

Und wenn er den größeren Teil der Erziehungsarbeit übernimmt, hat er auch ein Recht auf Entspannung von der Kinderarbeit. Und kann ruhig auch mal einen Tag allein seinem Hobby frönen und mit dem Rennrad über den Deich düsen. Ganz selbstverständlich und ohne Schuldgefühl!

Wer sein Kind als aktiver Vater regelmäßig auch zu Hause begleitet, der wird sich bei der Reiseplanung ohnehin nicht mehr mit dem Packen des Kofferraums begnügen wollen. Es wäre auch für die Tourismusindustrie interessant, aktuelle Befragungen über die Entscheidungsfindung der Familien in Sachen Urlaub durchzuführen - und vielleicht herauszufinden, dass die "neuen Väter” mehr zu sagen haben als die alten.

Thomas Gesterkamp

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