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Was junge Mütter wollen


Familienleben - Was junge Mütter wollenBild: melrose-photocase.de

Warum praktizieren viele Paare nach der Geburt von Kindern eine eher traditionelle Arbeitsteilung? Wegen der unterschiedlich hohen Einkommen von Männer und Frauen, sagt eine neue Studie. Doch neben finanziellen spielen auch psychologische Gründe eine Rolle.

Kinder gefährden den Job


"Was junge Frauen wollen”: Unter dieser Schlagzeile, die den Titel eines alten Kinohits variiert, hat der Soziologe Carsten Wippermann gerade eine Untersuchung über die Lebensphase der Familiengründung vorgelegt. Im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung befragte das Delta-Institut für Sozial- und Ökologieforschung über 500 repräsentativ ausgewählte Frauen zwischen 18 und 40 Jahren - und auch Männer der gleichen Altersgruppe. Quer durch alle gesellschaftlichen Milieus zeichnet die Studie das Bild einer verunsicherten Generation. Frauen mit starker beruflicher Orientierung fürchten, dass Kinder ihr Fortkommen im Job gefährden könnten. Umgekehrt sind weiterhin nicht wenige Mütter durchaus bereit, zugunsten des Vaters auf die eigene Karriere zu verzichten.

Woran liegt das? Der Autor der Expertise hat eine einfache Erklärung parat: Männer verdienen einfach mehr, es geht ums Geld. "Junge Frauen mit gehobener Qualifikation gehen das Thema ‘Kinder bekommen’ sehr reserviert an, sie schieben den Zeitpunkt der Familiengründung nach hinten, um nicht in die Falle von Retraditionalisierung, Teilzeitarbeit und finanzieller Abhängigkeit vom Partner zu geraten”, betont Wippermann. Stefanie Elies vom Forum Politik und Gesellschaft der Ebert-Stiftung leitet daraus "klaren politischen Handlungsbedarf” ab. Das Thema "Lohnlücke” sei bei den Befragten "sehr präsent”. Es handele sich "um eine soziale Ungerechtigkeit und keineswegs nur um ein privates Problem”. Gerade deshalb sei das von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) eingebrachte Gesetz zur Entgeltgleichheit so wichtig.

Geht es immer nur ums Geld?


Es liegt nahe, dass der parteinahe Auftraggeber einer Untersuchung jene Ergebnisse hervorhebt, die die Politik durch Interventionen beeinflussen kann. Doch so bedeutsam das Gehaltsgefälle zwischen den Geschlechtern für die Arbeitsteilung junger Eltern sicher ist, erklärt das keineswegs allein die viel beklagte "Retraditionalisierung” nach der Geburt eines Kindes. Hinzu kommen vielmehr psychologische Faktoren, die auf gewohnten, tief verankerten Rollenmustern beruhen, und auch körperliche Unterschiede - ohne damit einem platten "Biologismus” folgen zu wollen.

Anders ist nicht zu erklären, was zum Beispiel Berater/innen in Sachen Elternzeit und Elterngeld immer wieder berichten: Selbst gut verdienende, bestens ausgebildete Frauen bestehen darauf, dass sie zwölf Monate Babypause machen - und ihr Partner nur die restlichen, sonst verfallenden zwei Monate. Die auf familienpolitischen Tagungen ständig wiederholte Forderung, dass Paare sich die Elternzeit zu gleichen Teilen aufteilen sollten, geht deshalb teilweise ins Leere. Denn das mehrheitlich praktizierte Arrangement ist nicht das Ergebnis einer Verschwörung egoistischer männlicher Workaholics, sondern beruht in der Regel auf einer gemeinsamen Verabredung zwischen Vater und Mutter.

Die Mutter als Gatekeeperin


Das weibliche Bedürfnis nach besonders intensiver Nähe zum Säugling hat schlicht mit den Startvoraussetzungen zu tun: Frau und Kind waren schon während der Schwangerschaft neun Monate im Mutterleib verbunden. Die lange Stillzeit von Säuglingen, zu der die Bindungsforschung rät, verstärkt diese Symbiose. Aktiven Vätern kommt in dieser Phase die Funktion des zuverlässigen Assistenten zu - der sich bemühen sollte, möglichst bald zum gleichberechtigten Teilhaber aufzusteigen.

Damit dieses Ziel erreicht wird, muss die Frau als "Gatekeeperin” das Tor öffnen - und der Mann auch im Beruf die Möglichkeit haben, kürzer zu treten. Hier ist dann wieder, wie von der aktuellen Delta-Studie und ihrem Auftraggeber angeregt, die Politik gefragt. Verbindliche Gesetze sind notwendig, um bei den Arbeitgebern ein familien- und auch väterbewusstes Klima durchzusetzen. Ein Instrument ist die von Ministerin Schwesig propagierte Familienarbeitszeit für beide Geschlechter von rund 30 Stunden. Im Berliner Kabinett wurde sie für diesen Vorschlag gleich zurückgepfiffen, davon stünde nichts im Koalitionsvertrag. Aber spätestens nach der Bundestagswahl muss das Thema wieder auf der Tagesordnung landen!

Thomas Gesterkamp

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