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Zickende Schwangere


Zickende SchwangereBild: © detailblick - Fotolia.com

Merkwürdige Essgelüste, gelegentliche Übelkeit und jede Menge Stimmungsschwankungen in der Schwangerschaft können die Beziehung des Paares auf eine harte Probe stellen. Was tun, wenn die Schwangere zickt? Drei werdende Väter berichten von ihren Erfahrungen - daraus haben wir 5 Strategien entwickelt.

Die fünf wichtigsten Strategien für werdende Väter


Von außen gesehen passiert nicht viel in den ersten Monaten der Schwangerschaft. Der Bauch hat noch Normalmaß, das Leben geht weiter wie bisher. Doch der sich schnell und stark ändernde Hormonspiegel im Körper der Frau hat deutliche Auswirkungen auf ihre Befindlichkeit Stimmungsschwankungen sind an der Tagesordnung. Was ihre Partner deutlich zu spüren bekommen.

Strategie 1: Veränderungen akzeptieren und sich drauf einstellen


Malik, 29, IT-Berater, spürt Veränderungen in den Essgelüsten seiner Frau. Aber nicht nur die krude Zusammenstellung von eingelegten Gurken und gefüllten Keksen macht ihm zu schaffen. "Sie ist viel anhänglicher und wird sauer, wenn ich mal eine halbe Stunde später nach Hause komme. Oft fragt sie, wie ich mich fühle - und nimmt das sofort zum Anlass, von ihrer Befindlichkeit zu berichten." Und Gerd, 34, Physiotherapeut, berichtet: "Sie läuft manchmal mit so einem Hundeblick herum. Das heißt, sie will was. Aber was? Dass sie will, dass ich ihr die Wünsche von den Augen ablese, nervt schon ziemlich."

"Ich kann ihr gar nichts mehr recht machen", beklagt sich Thomas, 38, Tischlermeister. "Berührungen, die sie sonst mochte, sind ihr unerträglich. Am nächsten Tag will sie wieder genau das. Ich weiß nicht, woran ich mit ihr bin." Malik erzählt von wahren Heulorgien am Telefon: "Morgens war sie noch gut drauf und voller Elan, mittags rief ich an und hörte nur Schluchzen und Weinen am Telefon, wenn ich abends nach Hause kam, war alles in bester Ordnung."

Strategie 2: Auch mal zurückblaffen


"Neulich hat sie mich angekeift, ohne ersichtlichen Grund", sagt Thomas. Da habe ich zurückgeblafft und sie auf den Pott gesetzt. Ich habe ihr gesagt, was ich alles tue im Haushalt, wie ich das Kinderzimmer einrichte und Sachen baue, dass ich arbeite und das Geld ranschaffe. Da fing sie an zu weinen, sie wüsste ja, was sie an mit hat und dass sie manchmal ungerecht und launenhaft sei." Am nächsten Tag haben sie das Thema noch einmal aufgegriffen. Thomas war wichtig, ihr klar zu machen, dass er ihr nicht grundsätzlich böse sei. "Sie hat gesagt, es war gut für sie zu sehen, dass ich so stark bin und Position beziehe."

Das Recht auf Zuhören


Gerd fühlt sich manchmal zurückgesetzt, weil seine Liebste fast nur noch Babybücher liest. "Meine Arbeitsbelastung steigt, weil ich mehr im Haushalt tun muss und mehr schleppen muss und Einkäufe erledigen und viel mehr organisieren muss. Sie fragt kaum noch nach mir, sondern ist nur noch bei ihrem Bauch. Als ich sagt, ich würde auch gern mal einen Tag auf dem Sofa verbringen und Bücher anschauen, wurde sie zur Furie."

Strategie 3: Präsenz zeigen und Zuhören einfordern


Norbert Rönnau, Pädagoge und Therapeut im Göttinger Männerbüro, rät, sich in solchen Situationen nicht in die Schmollecke zurückzuziehen. "Die Frau hat ein Recht darauf, auszudrücken, wie es ihr geht, welche Veränderungen in ihr vorgehen. Und sie hat ein Recht darauf, dass ihr Partner ihr zuhört und Rückmeldung gibt. Aber sie hat kein Recht, ihn zu beleidigen oder ständig nur Vorwürfe zu machen." Ebenso sei es wichtig, dass der Mann Präsenz zeige. Auch er habe ein Recht, mitzuteilen, wie er die Schwangerschaft und seine Partnerin jetzt neu erlebt. Und er habe ebenso ein Recht darauf, dass seine Frau ihm zuhört.

Strategie 4: Von anderen Männern lernen


Doch Männer sind es nicht gewohnt, sich mit ihren Gefühlslagen mitzuteilen. Ihre Väter konnten das nicht, deren Väter nicht - wo und wie hätten sie es auch lernen sollen? Der Familientherapeut Jesper Juul verweist in diesem Zusammenhang auf die Geschichte der Familie in den letzten hundert Jahren. Männer waren die Patriarchen, die nur für die Ernährung zuständig waren. Beziehungen aufzubauen und zu festigen war Sache der Frauen. Männer wurden von ihnen dementsprechend aus ihrer Machtsphäre gedrängt. Männer könnten aber nur von Männern lernen, wie Beziehungsgestaltung geht, meint Juul. Daher favorisiert er Männergruppen als Lernfeld.

Männer seien es auch nicht gewohnt, dass ihnen jemand echtes Interesse an ihrem Innenleben entgegenbringt, es nicht als Forderung meint oder damit Punkte im Konkurrenzkampf machen will, so der dänische Familienexperte. Männer würden Frauen häufig als manipulierend wahrnehmen. Auch dies sei in der Geschichte begründet, denn im Patriarchat war das ihre einzige Möglichkeit, weibliche Interessen durchzusetzen.

Strategie 5: Für Zeit zu zweit sorgen


Von dieser Geschichte sich zu lösen ist schwer. Und sie bestimmt auch heute noch die Auseinandersetzung der Paare - zugespitzt in einer Extremsituation wie der Schwangerschaft. "Nehmen Sie sich Zeit zu zweit," rät daher Norbert Rönnau. Er schlägt Verabredungen vor, ganz klassisch, mit Zeitbegrenzung und Themenzentrierung. Danach sei dann noch Gelegenheit, gemeinsam etwas Schönes, was beiden Spaß macht, zu unternehmen. Doch weist er nochmals darauf hin wie wichtig es sei, am Ball zu bleiben und sich ehrlich zu äußern: "Was Männer nicht sagen, können Frauen nicht hören!"

Ralf Ruhl

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