väterzeit.de - Vater sein, Mann bleiben

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Angst vor dem Vater-Werden


Angst vor dem Vater-WerdenBild: spacejunkie - photocase.com

"Ich kann mir ein Kind doch gar nicht leisten!", "Ich kann nie wieder tun, was ich will", "Ich bin noch nicht bereit für ein Baby" - viele Männer spüren Ängste und Zweifel in der Schwangerschaft. Wir zeigen, wie ihr ihnen begegnen könnt.

Glücksgefühl? Ja, aber...


"Ich werde Vater" - wer diesen Gedanken zum ersten Mal in seinem Hirn jongliert, der ist nicht immer so euphorisch wie die Männer in kitschigen Hollywood-Schmonzetten. Vor allem drei Sorgen bringen den werdenden Vater nachts um den Schlaf: Geld, Freiheit und das "Bereit-Sein".

Ein Kind kostet Geld, es kostet Zeit, es fordert Fürsorge, bürdet Verantwortung auf. Das Deutsche Jugendinstitut befragte über 1800 Männer über ihre Vorstellungen in Punkto Vaterschaft. Ergebnis: Männer sehen sich selbst vor allem in der Rolle des Versorgers. Fast alle Befragten wollen Kinder, aber erst, wenn die finanziellen und persönlichen Rahmenbedingungen stimmen. Doch stimmen diese jemals?

Mein Geld


Die Rolle des Versorgers ist vielschichtig. Man braucht ein Nest, also eine passende Wohnung oder Haus. Dafür braucht man Geld. Man möchte das Kind ernähren, kleiden, verwöhnen können. Dafür braucht man Geld. Eine passende Familienkutsche, ein Viertürer mit großem Kofferraum, scheint sinnvoll. Auch hierfür braucht man Geld. Wie man es dreht und wendet - das Finanzielle spielt eine große Rolle im Kopf des Mannes.

Deshalb wollen die meisten Männer beruflich erst einen sicheren Stand haben. Je höher qualifiziert, desto mehr steht dieses Bedürfnis im Vordergrund. Hat man erst einen tollen (oder wenigstens annehmbaren) Job ergattert, dann möchte man aber auch darin aufgehen. Das geht nicht mehr so einfach mit Kind, Überstunden machen oder Arbeit mit nach Hause bringen wird schnell zur Nervenprobe mit der Familie. Wer bisher davon träumte, in seinem Beruf aufzugehen wird feststellen, dass das mit Kind nicht so einfach möglich ist.

Und nicht nur das Einnehmen, auch das Ausgeben des Geldes hat einen anderen Stellenwert. Mallorca-Urlaub für zwei? Dann lieber ein neues Kinderbettchen. Ein größerer Fernseher? Der alte tut’s doch noch und eine neue Waschmaschine wäre von Nöten. Da möchte man gar nicht daran denken, welche Kerbe das rasch wachsende Kind als nächstes in die Brieftasche schlagen wird. Der Gedanke, "kann ich mir überhaupt ein Kind leisten", ist eine schwere Belastung und kann nicht ohne weiteres als grundlose Sorge abgewunken werden. Zumal die Partnerin in der Regel in den ersten Lebensjahres des Kindes nicht oder nur wenig verdient.

Meine Freiheit


Die neuen Regeln bei Ausgeben des Geldes haben es bereits gezeigt: Die Freiheit, tun und lassen zu können was man will, ist mit Kind deutlich eingeschränkt. Bis in die Nacht fernsehen, am Wochenende mit den Jungs ins Fußballstadion - das alles geht natürlich auch als Vater, will aber geplant und organisiert sein. Denn auch die Partnerin hat nicht einzig und allein den Wunsch, den ganzen Tag den Nachwuchs zu hüten. Das Verfolgen eigener Hobbys und Interessen muss daher immer abgesprochen werden.

Gemeinsame Interessen


Wo früher romantischer Wochenausflug und Trekking-Urlaube geplant waren, dominieren nun die Suche nach einem kindergerechten Hotel und die Überlegung, was man für ein Baby im Urlaub alles mitnehmen muss. Und wenn man keinen Babysitter findet, müssen die Freunde ohne oder nur mit einem Elternteil ins Kino gehen. Dabei hatte man doch noch so vieles vor, wollte noch so viele Dinge erleben… Das Gefühl, als Vater etwas zu verpassen, ist groß. Besonders wenn man in seinem Freundeskreis von Nicht-Vätern umgeben ist, die die tollsten Sachen planen und bedauernde Seitenblicke auf den Mann mit dem Kind und der Verantwortung werfen.

Meine neue Rolle


Bisher war man hauptsächlich für sich selbst verantwortlich. Nun ist oder kommt da jemand, der gefüttert, gebadet, gewickelt und geliebt werden will. Eine schier unendlichen Breite an Väter-Handbüchern versucht seit Jahrzehnten den Männern die Angst um diese Sorge zu nehmen, erklärt mal lustig, mal im Stil einer Gebrauchsanleitung, wie man mit Windel und Babyfläschchen zu hantieren hat. So nützlich diese Ratgeber sind, so viel Angst bereiten sie einem Vater beim Lesen. Kriegt man das alles auf die Reihe? Wahrscheinlich schon, aber ob die Liebe und Hingabe, die man angeblich automatisch spürt, dann wirklich da sein werden? Das ist eine Angst, die einem kein Buch, kein Freund nehmen kann.

Dass Männer heute erst mit 29 Jahren im Durchschnitt Vater werden, hat viel damit zu tun, dass man sich heute erst sehr viel später erwachsen fühlt. Wann ist man denn überhaupt erwachsen? Mit 18, wenn man seinen Führerschein macht und wählen gehen darf? Mit 25, wenn man bereits seit einigen Jahren in den eigenen vier Wänden lebt? Mit 30, wenn man fest im Berufsleben steht und sich privat bereits ausgelebt hat? Scheinbar letzteres, mit Blick auf den Altersschnitt. Doch selbst dann ist man noch nicht frei von Zweifeln. Das bisher so flexible Leben wird auf einen Schlag nicht mehr von einem selbst bestimmt, sondern vom Nachwuchs.

Hilfe, ich werde Vater


Die Zweifel und Ängste, die in einen Mann mit der Nachricht "Du wirst Vater" aufkommen, sollten Ernst genommen werden - vor allem von der Partnerin. Auch wenn diese scheinbar genug eigene körperliche und psychische Probleme hat und der Mann gerade in dieser Situation stark wirken möchte. Stark ist aber nur, wer sich zu seinen Sorgen bekennt und in der Lage ist, sie auszusprechen. Gehen Sie zu Eltern-Stammtischen und sprechen Sie sich aus. Manchmal kann auch ein Gespräch mit einem Therapeuten für neues Selbstvertrauen sorgen. Anschließend sollten werdende Väter den Sorgen auf Männer-Art begegnen: will heißen, eine Lösung zu suchen.

Sorgt man sich um das Geld, dann könnte es helfen, die zu erwartenden Mehrkosten aufzuschreiben. Anschließend kann man Pläne schmieden, wie diese Herausforderung in den Griff zu bekommen ist. Kein Mann sollte sich scheuen, dafür auch entsprechende Beratungsstellen (z.B. Pro Familia, Caritas) aufzusuchen, sondern diesen Schritt als Teil der Bewältigung des Problems zu begreifen. Ebenfalls gut in Listenform zu pressen: Dinge, die man noch tun möchte, bevor man Vater wird. Noch hat man ein paar Monate Zeit, diese Sachen allein oder als Paar zu erleben. Und oft erlebt man dabei eine Überraschung und stellt fest: das hätten wir auch zu Dritt machen können! Und wer sich noch nicht "bereit" fühlt, kann an diesem Unstand ebenfalls etwas ändern oder diese Sorge wenigstens etwas lindern: Gespräche mit anderen Vätern und Männern in freudiger Erwartung helfen. Die finden sich auch im Geburtsvorbereitungskurs. Zur Not örtliche Mänenrbüro oder Beratungsstellen weiter. Auch action hilft: Richten Sie ein Kinderzimmer ein, nehmen Sie Wickelkurse und kämpfen Sie auf diese Weise gegen das Ohnmachts-Gefühl an. Immerhin: Das haben schon ganz andere geschafft.

Karsten Frei

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