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Sprechen lernen: Der Einfluss von Musik und Bewegung


Vater mit Baby übt das Sprechen-lernenBild: ©EVERST@fotolia.com

Musik und Bewegung spielen schon im Mutterleib eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Gehirns und auch im späteren Verlauf wirken sie sich auf verschiedene Lernprozesse aus. Besonders zwischen dem 1. und 12. Lebensjahr haben Klänge und körperliche Aktivitäten eine positive Wirkung.

Geht es um das Erlernen der Muttersprache im Kindesalter oder einer Fremdsprache, können Lernprozesse schneller im Zusammenspiel mit Musik und Bewegung vorangetrieben werden. Insbesondere die Wirkung von Musik ist den meisten Menschen unbewusst klar, einige Beispiele hierfür sind das Singen von Wiegenliedern für Kindern, Weihnachtsliedern und Ähnlichem.

Musik und Bewegung als Lernunterstützung


Vater und Sohn hören MusikBild: ©Halfpoint@fotolia.com

Schnelle Lernerfolge entstehen meistens dann, wenn der Schüler Interesse an einer bestimmten Materie vorweist oder zumindest Spaß am Unterricht hat. Bücher sind selbstverständlich wichtig, um sich neue Informationen einzuprägen. Jedoch könnte man sogar behaupten, dass Bewegung und Musik eine noch viel wichtigere Rolle bei Lernprozessen spielen. Viele Lehrer und Professoren sind der Meinung, dass Musik und Bewegung unabhängig vom Alter, gesundheitlichem Zustand und Bildungsniveau unabdingbar für schnelle und langanhaltende Lernerfolge ist. Besonders Musik soll laut Neurowissenschaftlern das Gehirn des Menschen schulen.

Wissenschaftlich konnte bewiesen werden, dass klangvolle Musik das Gehirn positiv stimuliert. Durch das Hören von Musik wird automatisch der auditorische Cortex (ein Teil der Großhirnrinde) aktiv und beim Lesen von Noten aktiviert sich der visuelle Cortex. Durch das Merken von Liedtexten wird außerdem das Gedächtnis trainiert. Genauso leicht wie man sich Liedtexte von Songs merken kann, die man gut findet, ist dies auch mit Informationen, die durch Musik übermittelt werden, möglich.

Es konnte bewiesen werden, dass Musik sich bereits auf Babies im Mutterleib auswirkt. Hört die werdende Mutter während der Schwangerschaft zum Beispiel klassische Musik, kann dies positive Auswirkungen auf die Entwicklung des kindlichen Gehirns haben. Insgesamt wurde festgestellt, dass Föten sehr sensibel auf Klang und Geräusche reagieren. So löst zum Beispiel ein Streit zwischen den Eltern automatisch Stress aus.

Aber die Wirkung von Musik auf den menschlichen Körper endet nicht mit dem Stadium als Fötus. Denn besonders bei Kindern hat Musik eine positive Wirkung auf Lernprozesse, motorische Fähigkeiten, Kreativität und vieles mehr. Jedoch sollte immer beachtet werden, dass Musik sich nur auf freiwilliger Basis positiv auswirken kann. Gefällt sie jemanden nicht oder wird man zum Musizieren gezwungen, kann dies negative Auswirkungen haben.

So unterstützt Musik den Erwerb von Sprachen


Vater und Sohn spielen GitarreBild: ©estradaanton@fotolia.com

Beim Erwerb der Muttersprache spielt Musik eine wichtige Rolle. Durch Singen festigen Kinder artikulatorische Fähigkeiten, da sie von selbst versuchen Laute und Worte klar auszusprechen. Dabei fördert Musik nicht nur die Aussprache, sondern baut gleichzeitig den aktiven Wortschatz von Kindern auf. Je nach Alter empfiehlt es sich, die Schwierigkeitsstufen von Liedern zu erhöhen. Kleinkinder sollten möglichst kurze Lieder mit wenigen Worten, die leicht auszusprechen sind vorgespielt bekommen. Mit zunehmendem Alter kann man auch den Schwierigkeitsgrad der Lieder erhöhen. Damit Kinder Spaß am Singen haben, sollten Eltern Zuhause ebenfalls aktiv zusammen mit ihren Sprösslingen singen. Hierbei sollte gesagt sein, dass Kinder auf eine falsche Aussprache oder Fehler beim Singen nur liebevoll angesprochen werden sollten, da zu viel Kritik mögliche Hemmungen wecken könnte.

Beim gemeinsamen Singen können Kinder ihre Fehler mit der Zeit selbstständig bemerken und mit eigenem Antrieb korrigieren. Ein weiterer wichtiger Aspekt vom Singen ist, dass sie den Kleinsten einen bestimmten Sprachrhythmus durch das Erlernen kontrollierter Atmung übermitteln. Verbindet man Musik mit Bewegung in Form von Tanzen, Klatschen und Singen, kann dies den Lernerfolg steigern.

Singt das Kind und klatscht dazu im Rhythmus oder bewegt seine Beine entsprechend, werden nicht nur artikulatorische Fähigkeiten gestärkt, sondern auch die Motorik von Kindern. Hört das Kind von klein auf nicht nur Musik in seiner Muttersprache, sondern in einer Fremdsprache wie zum Beispiel Englisch, kann es beide Sprachen unbewusst gleichzeitig lernen. Besonders Kinder zwischen dem 1. und 6. Lebensjahr sind dazu in der Lage, Sprachen ohne große Bemühungen unbewusst zu erlernen. Zum Beispiel kann eine Kombination aus deutschsprachigen und englischsprachigen Liedern bei Kindern die Sprachkapazität steigern. Das Erlernen von Fremdsprachen soll darüber hinaus Krankheiten wie Demenz und Alzheimer vorbeugen.

Fremdsprachen lernen als Erwachsener mit Musik


Heutzutage gibt es zahlreiche Ratgeber und kostenlose Apps zum Erlernen von Fremdsprachen. Nicht immer sind teure Sprachschulen oder Auslandsreisen notwendig, um seine Sprachkapazität zu erweitern. Ob Sprachkurse, Lernbücher oder Privatunterricht: gerade beim Lernen von Fremdsprachen hat jeder Mensch seine Präferenzen. Doch genauso wie Musik sich beim Lernen der Muttersprache und zur Erhöhung der eigenen Sprachkapazität eignet, ist sie auch beim Erwerb einer Fremdsprache sehr hilfreich.

Denn Musik trägt nicht nur beim Spracherwerb von Kindern bei, auch Erwachsene können davon profitieren. Wie bereits erwähnt, stärkt Musik artikulatorische Fähigkeiten, das Gedächtnis und aktiviert den auditorischen Cortex. Demnach ist es sinnvoll Musik in der zu erlernenden Fremdsprache bereits ab dem ersten Tag des Spracherwerbs zu hören. Hierbei sollte man darauf achten, einfache Lieder mit möglichst wenigen Worten zu finden. Am besten eigenen sich hierfür Kinderlieder, Weihnachtslieder und ähnliches. Besonders wenn man Lieder zum Spracherwerb hört, sollte der Rhythmus nicht zu schnell sein. Wie auch bei Kindern ist es wichtig, Musik nicht nur zu hören, sondern aktiv mitzusingen.

Dabei spielt es keine Rolle, ob man den Liedtext versteht oder die Wörter richtig ausspricht. Besteht die Möglichkeit zusammen mit einem Muttersprachler zu singen, sollte man sich diese Chance auf keinen Fall entgehen lassen. Wird ein Sprachunterricht von Musikinstrumenten begleitet, erhöht sich automatisch der Lerneffekt um ein Vielfaches. Zum Beispiel kann man durch den Klang eines Klaviers lernen, wie die neuen Wörter ausgesprochen werden müssen. Neben dem Hören und Singen von Musik, spielt auch die körperliche Bewegung eine wichtige Rolle. Durch Klatschen und Tanzen kann man lernen, den Sprachrhythmus zu befolgen und diesen zu verinnerlichen. Bewegung sorgt auch für mehr Sauerstoff im Gehirn und fördert damit den Lernprozess.

Sprachlehrer teilen das Lernen von Fremdsprachen mit Musik als Erwachsener in vier Etappen auf


  • 1. Etappe – Auswahl des Liedes
    Bei der Auswahl des Liedes sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass man auch tatsächlich Gefallen an dem Lied findet. Denn, wie bereits erwähnt, kann kein Lernerfolg durch aufgezwungene Musik entstehen. Nur dann, wenn der Lernende auch tatsächlich möchte, können die klangvollen Töne ihm beim Lernen unterstützen.
  • 2. Etappe – Mitsingen oder summen ohne Scheu!
    Lernt man eine neue Sprache als Erwachsener, steht man meistens einer gewissen Angst vor Fehlern gegenüber. Dies kann zu Blockaden führen, die sich negativ auf den Lernprozess auswirken. Die Angst davor, eine Fremdsprache erstmals zu sprechen, kann bereits ab Tag 1 durch Mitsingen oder Summen von Liedern gelöst werden. Somit tragen Lieder nicht nur zu einer besseren Aussprache und der Erweiterung des Vokabulars bei, sondern unterstützen den Lernenden mögliche Ängste zu bewältigen.
  • 3. Etappe – Liedtext lesen, verstehen und singen
    Hat man erst einmal versucht das neue Lied mitzusingen, ist es nun an der Zeit den Liedtext zu lesen, zu verstehen und das Lied nun mit dem entsprechenden Text nachzusingen. Dies kann insbesondere beim Erwerb von neuen Sprachen etwas Zeit beanspruchen, jedoch lernt man dadurch Aussprache, Vokabular, Sprachrhytmus und vieles mehr.
  • 4. Etappe – Wiederholen, wiederholen, wiederholen!
    Im besten Fall singt man das Lied so oft mit, bis man den Rhythmus und die Wortanreihungen auswendig kann. Hierbei ist es nicht wichtig, die Übersetzung von jedem einzelnen Wort zu kennen. Im Laufe des Lernens wird man sowieso auf die Wörter im Lied treffen und deren Bedeutung im Einzelnen erfahren.

Musiktherapie bei Kindern mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen


Kind spielt auf Xylophon bei der MusiktehrapieBild: ©MARIA@fotolia.com

Musik hat eine heilpädagogische Wirkung auf Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Musiktherapie, oder auch Musikerziehung genannt, wirkt sich auf verschiedene Lebensbereiche aus. Oftmals leiden Kinder mit geistigen oder körperlichen Behinderungen unter grob und feinmotorischen Störungen. Das heißt, dass viele von ihnen Gleichgewichtsprobleme und Sprachfehler haben. Auch kognitive Störungen wie Konzentrationsschwächen und soziale Probleme können mit Musik gelindert werden. Durch Singen, Tanzen und Mitmachen fördert man bei Kindern mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen sprachliche, soziale und kognitive Fähigkeiten. Durch das Einhalten von Rhythmen, spielen auf Musikinstrumenten und Singen können Schwächen in der Aussprache gelindert, wenn nicht sogar gänzlich behoben werden. Aber nicht nur das, auch der Erwerb von Fremdsprachen wird betroffenen Kindern ermöglicht. Das Erlernen von Musikinstrumenten wirkt sich besonders positiv auf motorische Fähigkeiten aus.

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