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Warum Jungen schlechter lesen


Warum Jungen schlechter lesenBild: kallejipp-photocase.de

Mädchen sind schlecht in Mathe, Jungen sind schlecht im Lesen. Das wird immer wieder aufs Neue festgestellt, zuletzt durch eine Auswertung der PISA-Daten durch die OECD. Der Grund: Es ist so, weil wir es alle glauben und ständig reproduzieren! Das Bild, dass Bücher vor allem etwas für Mädchen sind, setzt sich früh fest. Aber Väter können gegensteuern!

Mädchen haben höhere Lesekompetenz


Es ist schon ein Phänomen und viele glauben, das sei natürlich so angelegt: Jungen lesen schlechter als Mädchen! Jüngst wurde das wieder durch die PISA-Studie bestätigt. Demnach verstanden 15-jährige Mädchen in fast allen Ländern, die an der Studie teilnahmen - also nicht nur in Westeuropa! - Sprache besser und hatten höhere Lesekompetenzen als Jungen im gleichen Alter.

Allerdings liegt das weniger an biologischen Unterschieden als an selbstgebauten Vorurteilen. Das belegen Forschungen an der Universität Grenoble. Sie haben in verschiedenen Schulklassen die Leseleistung untersucht. Einigen Klassen hatten sie mitgeteilt, dass es sich um eine Prüfung handele. Anderen wurde gesagt, es sei ein Spiel. Beim "Tier-Angeln" mussten die Kinder die passenden Tiernamen finden.

In der Prüfungssituation fanden die Jungen wesentlich weniger Tiernamen als die Mädchen und als die Vergleichsgruppe. Wurde die Aufgabe als Spiel deklariert zeigten sie die gleichen Ergebnisse wie die Mädchen. Die Jungen, denen das Lesen besonders wichtig war, schnitten sogar deutlich besser ab als die weiblichen Mitbewerberinnen. Allerdings nur im Spiel. Die Mädchen hingegen waren im Prüfungsmodus klar vorn.

Raus aus dem Prüfungsstress!


Das zeigt: An den Genen kann der Unterschied kaum liegen. Denn wenn die Jungen keine Angst vorm Scheitern haben, schaffen sie es genauso gut wie die Mädchen. Für die Schule kann das heißen: Prüfungen nicht als solche zu erkennen geben, sondern Tests spielerisch durchführen. Das müsste natürlich auch entsprechend in den Schulgesetzen verankert werden.

Den Grund für diese "Leselücke" sehen Bildungsexperten in gesellschaftlichen Bildern. Lesen sei weiblich konnotiert, schon von frühester Kindheit an. Was kann helfen? Väter, die lesen. Väter, die vorlesen. Männer in Kitas und Grundschulen, die vorlesen und auf die Lesekompetenz achten. Spielerisch, ist ja klar.

Bedrohung durch Stereotype


Das kann dazu führen, dass die von Psychologen so genannte "Bedrohung durch Stereotype" nicht mehr so deutlich ausfällt. Denn wenn Jungen immer wieder vor Augen geführt wird, dass Lesen eine weibliche Domäne ist, werden sie sich selbst darin nicht sicher fühlen. Und glauben, dass sie es nicht so gut können wie Mädchen.
Für diese These sprechen auch Zahlen aus einer Allensbach-Studie. Demnach glauben ca. 40% der Frauen und etwa genauso viele Männer, Mütter seien zum Vorlesen besser geeignet. Gefragt war tatsächlich nach der Eignung, nicht nach dem alltäglichen Handeln.

Bekannt und wesentlich besser erforscht ist dieser Effekt für den "Mathe- und Naturwissenschafts-Gap" bei Mädchen. Die PISA-Studie bestätigte ein weiteres Mal, dass viele Mädchen "Angst vor Mathe" haben. Interessanterweise, obwohl sie in diesem Fach genauso gut abschnitten wie die Jungen. Diese Selbsteinschätzung hat gravierende Auswirkungen auf die Berufswahl: Nur ein Zwanzigstel der Mädchen arbeitet später in einem naturwissenschaftlichen Beruf. Interessant: In den asiatischen Ländern existiert ein solcher "Gap" nicht, dort sind Jungen und Mädchen in Mathe gleichauf. Offenbar vermitteln Eltern und Lehrerinnen immer noch, dass Mädchen schlechter in Mathe und Jungen schlechter im Lesen sind. Unbewusst. Durch ihr Verhalten. Und da die Erziehungsberufe extrem weiblich dominiert sind, sollte dieses Thema unbedingt Einzug in die entsprechenden Ausbildungen halten!

Ralf Ruhl

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