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Selbstbefriedigung


SelbstbefriedigungBild: raperonzolo - photocase.com

Nach dem ersten Samenerguss beginnt meist die Geschichte mit dem Handbetrieb. Warum Selbstbefriedigung wichtig ist, was die Fantasien der Jungen symbolisieren und wie Eltern damit umgehen sollten, beschreibt Rainer Neutzling, Mitautor des Bestsellers "Kleine Helden in Not".

Für Jungen (wie für Mädchen) ist die Pubertät eine Zeit großer irritierender Umwertungen. Bis dato galten die Mädchen als eher langweilig und zimperlich. Man ging ihnen eher aus dem Weg. Bislang wiegten sich die meisten Jungen in der Gewissheit, größer, stärker und souveräner als Mädchen zu sein, und nun beginnen die Körper der Mädchen früher als die der Jungen zu reifen. Waren Körper bislang vor allem dazu da, durchgewalkt und strapaziert zu werden, stehen die Jungen mit einem Mal vor der Aussicht, zärtlich sein zu sollen. Denn: Die Mädchen wollen das so, und die Erwachsenen, die Bücher und Broschüren sagen das auch.

Ab jetzt bist du erwachsen


Die Pubertät markiert den Eintritt in die Welt der Männer und Frauen. Doch bevor man richtig Sex wie die Erwachsenen haben wird, gilt es, die Selbstbefriedigung für sich zu entdecken. Denn wer den ersten Samenerguss hinter sich gebracht hat, ist sozusagen in den Club der reifen Sexualwesen aufgenommen, der ist nicht mehr Kind. Für Jungen hat die Ejakulationsfähigkeit deshalb eine ähnliche initiierende Bedeutung wie die erste Menstruation für die Mädchen. Ein gewisser Vorteil besteht für die Jungen darin, dass sie nicht unbedingt darauf warten müssen, bis dieses Großereignis überraschend in der Nacht eintritt.

Jungen masturbieren früher und häufiger als Mädchen. Der nordamerikanische Sexualforscher Alfred C. Kinsey fand in den 1940er und 1950er Jahren heraus, dass 82 Prozent aller Jungen bis zum 15. Lebensjahr masturbieren, was die BRAVO 2009 noch einmal bestätigte: fünfzehnjährige Jungen tun es zu 80 Prozent, Siebzehnjährige zu gut 95 Prozent. Die Mädchen zeigen sich in dieser Frage seit jeher wesentlich zurückhaltender. Laut Alfred C. Kinsey masturbierten in den 1940er und 1950er Jahren nur 30 Prozent der Mädchen bis zum 15. Lebensjahr, die BRAVO-Studie von 2009 sagte: fünfzehnjährige Mädchen tun es zu rund 40 Prozent, die Siebzehnjährigen zu 55 Prozent. Und die, die es tun, bewerten die Selbstbefriedigung ebenso durchweg positiv die handaktiven Jungen.

Alle tun es, keiner will es laut sagen


Mit Maß betrieben gilt die Selbstbefriedigung als natürlich und notwendig sowohl für die psychosexuelle Reifung als auch für das allgemeine seelische und körperliche Wohlbefinden. Mädchen verbessern ihre Orgasmusfähigkeit, Jungen lernen, ihre sexuelle Reaktion zu kontrollieren. Wer regelmäßig masturbiert (oder Geschlechtsverkehr hat), der hat stets besonders frisches und fruchtbares Sperma zur Verfügung.

Trotz allem steht die Selbstbefriedigung nicht sonderlich hoch im Kurs. Nach einer vorübergehenden sexualpädagogischen Offensive in den 70er Jahren wird sie in den Biologiebüchern der Schulen wieder schamhaft verschwiegen. Und natürlich haftet der Selbstbefriedigung weiterhin der Makel einer Ersatzbefriedigung an. Mag man auch heute nicht mehr um jeden Preis leugnen, sich zumindest hin und wieder mal zu selbst zu befriedigen, wäre doch nichts unangenehmer, als dabei erwischt zu werden.
Trotz aller gutgemeinter Beschwichtigungen haben nicht wenige Jungen erhebliche Probleme mit ihrer Selbstbefriedigung. Gefühle der Leere, Ernüchterung, Einsamkeit und nicht selten auch Wut und Hass gegen sich selbst kennen fast alle Jungen, nachdem sie sich selbst befriedigt haben. Ein jeder kennt das schlechte Gewissen "danach” und die Frustration, wieder (s)einer "Sucht” erlegen zu sein.

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