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Kinder sicher im Internet


Kinder sicher im InternetBild: Phototom - Fotolia.com

Gerade Pubertierende sind von Facebook und Chatroom kaum wegzulocken. Aber welche Gefahren lauern dort wirklich auf sie? Und was kann wirksam schützen? Vor allem ein Vater, der sich interessiert - und den Selbstversuch im Social Network nicht scheut.

Was hilft gegen Gefahren im Internet? Wie kann ich meine Kinder vor sexueller Anmache oder neonazistischen Inhalten schützen? Natürlich ist es ratsam, die Geräte der eigenen Kinder mit Sicherheitssoftware auszustatten - und nicht nur den PC, auch Handy und Konsole. Aber auf dem Schulhof oder im Jugendcafe spätestens haben auch wohlbehütete Mädchen und Jungs Zugang zu allen Seiten des Internets. Immerhin sind rund 30 Millionen Deutsche sind Angaben des IT-Branchenverbandes Bitkom 2010 bei mindestens einer Internetgemeinschaft angemeldet. Besonders wichtig für viele Nutzer ist der Austausch mit Freunden sowie das Knüpfen neuer Kontakte. Die Zeiten, in denen ein einziger Computer pro Haushalt genutzt wurde, sind längst passé.

Information und gutes Familienleben


Zum einen helfen Informationen gegen Gefahren: Wenn Kindern kindgerecht vermittelt wird, was Neonazis, Pornografie und Krieg bedeuten, sie gleichzeitig nicht vereinsamt und unglücklich sind, dann sind sie besser geschützt als durch Verbote. Zum anderen ist also ein lebendiges und liebevolles Familienleben die beste Medizin. Um diese Aufklärung leisten zu können, müssen Väter allerdings selbst aufgeklärt sein. Wahrscheinlich kein Problem. Wir Väter sind doch mit unserer technikaffinen Haltung prädestiniert für diese Aufgabe, oder?

Und dieser stellte ich mich heroisch vor ein paar Wochen. Bis dahin hatte ich einen großen Bogen um die sozialen Netzwerke gemacht. Ich hielt es nicht für wichtig, den Planeten mit Belanglosigkeiten zu beglücken. "Bin müde!" und "Mir ist langweilig" waren schon geistreiche Äußerungen, die ich, über die Schulter meiner Töchter erspähend, auf den Bildschirmen lesen konnte. Nein, eine Teilhabe an sogenannten sozialen Netzwerken kam für mich nicht infrage. Durch den Lebenswandel meiner Töchter, deren Gesichter abends oft von dem zarten blauen Schein ihrer Kommunikationsaggregate angestrahlt sind, wurde ich dann aber doch nachdenklich. Irgendetwas muss doch dran sein an Facebook und Konsorten. Ich meldete mich beim Gesichtsbuch an und musste sofort schmunzeln. So viele Freunde wie dort hatte ich im analogen Leben niemals gehabt.

Facebook im Selbstversuch


Natürlich wird der Begriff "FreundIn" bei Facebook inflationär gebraucht. Bis zu 5000 Freunde darf man auf der Plattform haben. Falls man mehr benötigt, muss man eine weitere Identität annehmen. Und tatsächlich ist man nun dank der Computer in Handyformat ständig auf dem Laufenden, was den FreundInnen passiert. "Bus verpasst", "Eis gegessen", "Langweiliges Meeting", "Böse Erkältung". Wichtigere Aussagen sind nicht ganz so oft zu lesen, auch nicht von Spitzenpolitikern. Wahrscheinlich, geht es Erwachsenen wie Kindern weniger um die Kommunikations-inhalte als mehr um das Kommunikationsmedium.

Früher wurden zusammengefaltete Zettel von Schulbank zu Schulbank gereicht. Heute wird hinter dem Rücken des Lehrers getwittert, bis der Daumen schmerzt. Als 10-jähriger kommunizierte ich mit dem Nachbarsjungen abends via Taschenlampe und Morsealphabet von Haus zu Haus. Heute ersetzen Facebook, wazzap und Skype die Taschenlampe. Die Technik hat sich in den letzten 40 Jahren weiterentwickelt, die Faszination aber ist die gleiche wie früher.

Die Angst der Eltern vor dem Unbekannten


Wie aber ist mit den Gefahren umzugehen? Natürlich sollten Kinder einen Internet-Knigge befolgen. Kinder sollten niemandem Adresse oder Telefonnummer anvertrauen. Geschäfte und Vertragsabschlüsse sollten nur Erwachsene abschließen. Jugendgefährdende Inhalte sollten nicht aufgerufen werden. "Klicksafe" hält für Eltern und Pädagogen viele Informationen und Angebote zum Thema bereit. Die Vielfältigkeit des Netzes mit den Videoplattformen von Youtube, Myspace etc., den Kommunikationsplattformen von Facebook, Twitter etc, den Konsumplattformen wie e-bay, amazon etc. und all den anderen Möglichkeiten macht Uneingeweihten zunächst Angst.

Die Angst vor dem Unbekannten soll und darf aber nicht mit der Angst um die eigenen Kinder verwechselt werden. Denn tatsächlich wachsen Kinder hierzulande und heutzutage vergleichsweise sicher auf. Ein drastisches Beispiel: die Zahl der Kinder, die einem Sexualmord zum Opfer fallen, sind seit den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts in der Bundesrepublik kontinuierlich gesunken. Das Bild, das Boulevardmedien zeichnen, lässt dagegen anderes vermuten. Spektakulär wird dort von Fällen berichtet, in denen fremde Männer via Facebook und anderen ihre Opfer kennenlernen. Solche Fälle gibt es natürlich. Aber die größten Gefahren für Kinder, sexuell missbraucht zu werden, so die Kriminalstatistik, liegen nicht im Internet, sondern in der Familie. Das Internet und seine Möglichkeiten sind nicht das Problem, sondern die Menschen, die es benutzen. Den Eltern von Rotkäppchen hätte es wahrscheinlich nicht geholfen, den dunklen Wald abzuholzen. Ein gemeinsamer Ausflug von Eltern und Rotkäppchen zur Großmutter hingegen hätte das Märchen anders enden lassen. Und ein gemeinsamer Ausflug von Vätern mit Töchtern und Söhnen ins soziale Netzwerk lässt Facebook nicht zum Bösen Wolf werden.

Lutz Debus

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