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Gemeinsam in Elternzeit


Gemeinsam in ElternzeitBild: arzt-photocase.de

Die ersten Wochen mit dem Baby gemeinsam verbringen - das wollen immer mehr Väter und Mütter. Aber dafür brauchen sie gute Bedingungen und Unterstützung, vor allem von ihren Chefs und aus der eigenen Familie.

Der Trend, die erste Zeit mit dem Baby gemeinsam zu genießen, hält an: Immer mehr Paare entscheiden sich dafür, zeitgleich eine Auszeit aus dem Job zu nehmen - zumindest für ein paar Wochen. Dabei steigt auch die Zahl der Väter, die Elterngeld beantragen. Nach Informationen des Statistischen Bundesamtes haben im Jahr 2009 rund 86 200 Paare, bei denen sowohl der Vater als auch die Mutter im Laufe des Jahres Elterngeld erhalten haben, den Elterngeldbezug beendet. Mehr als die Hälfte dieser Paare (53 Prozent) haben das Elterngeld zeitweise gemeinsam bezogen, für durchschnittlich fast zwei Monate. Väter nahmen dabei im Schnitt Elterngeld für 2,5 Monate und Mütter für 11,4 Monate in Anspruch. Ein Prozent der Paare hat das Elterngeld über den gesamten Zeitraum zusammen bezogen, für durchschnittlich etwas mehr als sechs Monate.

Alle anderen Eltern (46 Prozent), die als Vater und Mutter im Jahr 2009 den Leistungsbezug beendeten, haben das Elterngeld nacheinander in Anspruch genommen. Die durchschnittliche Bezugsdauer von Vätern lag hier bei 2,8 Monaten und bei Müttern bei 11,0 Monaten.

Mehr Väter bleiben zuhause


Diese Zahlen belegen: Immer mehr Väter tauschen Schreib- gegen Wickeltisch. Der Anteil der Männer, die Elterngeld in Anspruch nehmen, ist auch im Jahr 2009 weiter gestiegen. So haben die Väter von rund 157.000 der insgesamt 665 000 im Jahr 2009 geborenen Kinder Elterngeld bezogen. Dies entspricht einer Väterbeteiligung von 23,6 Prozent. Im Jahr 2008 waren es erst knapp 21 Prozent. Mütter bezogen 2009 in durchschnittlich 96 Prozent der Fälle Elterngeld.

Was beeinflusst dabei die Entscheidung der Väter? Hinweise liefert eine Studie des Berliner Instituts SowiTra von 2009: Demnach sind familiäre Gründe wichtiger als berufliche Motive. Mehr als zwei Drittel der Väter, die Elterngeld beziehen, wollen Zeit mit dem Kind verbringen. Die meisten wollen zudem eine schöne, neue Familienzeit erleben und den Alltag neu organisieren. Ein großer Teil möchte frühzeitig eine intensive Beziehung zum Kind aufbauen und gleichwertiger Elternteil sein. Auch geht es darum, die Partnerin zu entlasten oder ihr berufliches Fortkommen zu unterstützen. Vier von fünf Vätern ist die Familie wichtiger als berufliche Folgen. Dennoch sind viele vorsichtig und nehmen nur eine kurze Auszeit vom Job. Nur ein kleiner Teil entscheidet sich für eine längere Pause oder nimmt gar unbezahlte Elternzeit.

Ein sicheres Einkommen ist wichtig


Zeitpunkt und Dauer der Elterngeldmonate hängen ab von der beruflichen Situation der beiden Partner und der finanziellen Lage des Haushalts. So bedeutet es für viele einen Anreiz, die Unterstützung für zwei zusätzliche Monate (14 statt 12) zu bekommen, wenn auch der Vater Elternzeit beantragt. Hat die Partnerin einen gut bezahlten Job, dann sind junge Väter eher bereit, selbst zuhause zu bleiben. Sind beide beruflich erfolgreich, vergrößert sich der Entscheidungsspielraum. Das bestätigt Ergebnisse einer anderen Studie (HWWI Hamburg), wonach die Entscheidung der Väter von der Berufstätigkeit der Partnerin und der Sicherheit des Arbeitsplatzes beeinflusst wird.

Maßgeblich ist zudem, ob Firma, Vorgesetzte und Kollegen den Entschluss, in Elternzeit zu gehen, unterstützen. Gerade in kleinen Firmen mangelt es jedoch vielfach am Verständnis der Chefs. Aufgeschlossener in dieser Hinsicht - so die Studie - ist der Öffentliche Dienst. Auf jeden Fall empfiehlt es sich, frühzeitig mit den Vorgesetzten zu sprechen. Auch wenn berufliche Nachteile die Ausnahme sind, so berichtet jeder Sechste der befragten Elterngeld-Väter über erschwerte Aufstiegschancen nach dem Wiedereinstieg. Erfahrungen, von denen Frauen ein Lied singen können. Die Forschungsergebnisse weisen aber insgesamt auf eine allmählich familienfreundlicher werdende Kultur in den Unternehmen hin.

Eine wichtige Rolle spielen nicht zuletzt die vorhandenen Betreuungsangebote, die Unterstützung durch Familie und Freunde sowie die Kenntnis über Fördermöglichkeiten. Denn Vielen sind die verschiedenen Optionen - etwa Kombination mit Teilzeit - nicht bekannt.

Matthias Helmer

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