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Immer mehr Väter in Elternzeit


Immer mehr Väter in ElternzeitBild: © wildworx - Fotolia.com

Inzwischen nimmt gut ein Drittel der Väter von Neugeborenen Elterngeld. Davon profitieren die Kinder - und auch die Mütter, denn sie sind deutlich stärker erwerbstätig, so das Statistische Bundesamt.

Es sind gut 244.000. Nur, falls Sie wissen wollen, wie viele Männer sich hinter der Zahl 34,2 % verbergen. So viele Väter von im Jahr 2014 geborenen Kindern nahmen Elterngeld in Anspruch. Und die Zahl ist kontinuierlich gestiegen: Von 3,5 Prozent vor Einführung des Elterngeldes 2006, über 21 Prozent 2008 und knapp 24 Prozent 2009 auf 27,3 Prozent im Jahr 2011. Insgesamt nahmen 2014 knapp 933.000 Mütter und Väter Elterngeld in Anspruch.

Die Anstiegsgeschwindigkeit verringert sich also. Das ist aber auch klar: Schließlich war die Bezugsgröße anfangs sehr niedrig. Dennoch: Vor zehn Jahren hätte keine Expertin und erst recht kein Experte damit gerechnet, dass so viele Väter für ihre Kinder eine Auszeit vom Beruf nehmen.

Kinderfreundliche Sachsen?


Die kinderfreundlichsten Väter leben laut Statistik in Sachsen und Bayern: Dort nahmen 2014 über 44,2 bzw. 41,7 Prozent Elterngeld in Anspruch. Die wenigsten tun es im Saarland: 23 Prozent. Aber auch in Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Bremen liegt der Väteranteil unter 30 Prozent.

Wo der Anteil der Väter hoch ist, nehmen sie allerdings auch meist nur die zwei "Partnermonate" in Anspruch. So beziehen insgesamt 79 Prozent der Väter Elterngeld nur für zwei Monate. Immerhin noch 13,5 Prozent beziehen die Leistung drei bis neun Monate. Und für ein ganzes Jahr bleiben sieben Prozent bei ihren Kindern - gegenüber 92,5 Prozent der Mütter.

Woran liegt’s? Die Statistik kann hier ein wenig weiterhelfen: Wer arbeitet, nimmt kürzer Elternzeit. Die Bezugsdauer bei erwerbstätigen Männern liegt im Durchschnitt bei 3,1 Monaten, bei Müttern und Vätern ohne Erwerbseinkommen vor der Geburt bei stolzen 10,8 Monaten. Wer nichts verdient, kann sich also um die Kinder kümmern? Ganz so einfach kann dann doch nicht geschlussfolgert werden - zumindest nicht für die Väter: Denn nicht die Mehrheit, sondern lediglich 9,5 Prozent der Väter bezogen den Mindestbetrag von 300 Euro (knapp doppelt so viele Väter, nämlich 19,8 Prozent, erhielten 1800 Euro und mehr). Insgesamt bekamen knapp 20 Prozent der Antragsteller den Mindestsatz, bei den Müttern waren es sogar 23,4 Prozent.

Arbeitsdruck bei Berufstätigen


Viele Bezugsmonate nehmen also diejenigen in Anspruch, die vor der Geburt erwerbslos waren. Dennoch ist vor allem bei Müttern die Erwerbsquote gestiegen: 30,6 Prozent der Elterngeld beziehenden Mütter waren vor der Geburt nicht erwerbstätig, knapp 70 Prozent hatten vor der Geburt einen eigenen Verdienst. Bei den Männern sind es sogar 91,5 Prozent.

Und wie viel Geld gibt es? 65 Prozent vom bereinigten Nettogehalt verspricht das Gesetz. Praktisch bedeutet das: Väter bekamen mit 1204 Euro durchschnittlich ein Drittel mehr als Frauen mit 868 Euro. Womit klar ist: Auf den Verdienst des Mannes kann die Familie nicht verzichten. Eine freie Wahl für oder gegen Erwerbsarbeit hat er nicht, Zuhausebleiben kann nur derjenige, der weniger verdient.

Ralf Ruhl

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