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Familienalltag - Alleinerziehende


Insgesamt 2,6 Millionen Mütter oder Väter in Deutschland erziehen ihre Kinder allein. 1,6 Millionen davon haben Kinder, die jünger als 18 Jahre sind. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich im guten Mittelfeld. Eine Universitätsstudie ergab, dass fast die Hälfte aller Paare bereits vor der Geburt, beziehungsweise innerhalb der ersten drei Jahre Lebensjahre der Kinder auseinander geht. Dabei ist die Tatsache, Alleinerziehend zu sein für die Wenigsten der Prototyp eines selbstgewählten, freien Lebensstils mit Kind, sondern oftmals der einzige Ausweg aus einer nicht tragbaren, auch für die Kinder belastenden Beziehungssituation.

Die Harmonisierung von Beruf und Familie wird für Alleinerziehende minderjähriger Kinder zur täglichen Herausforderung. Vornehmlich für die Mütter, denn die Mehrheit der Alleinerziehenden sind Frauen (85,5 Prozent).

Stressfaktoren:

Terminjonglage, Kinderbetreuung und Rabenmutter-Syndrom

Für die Ausübung einer Berufstätigkeit ist eine geeignete Kinderbetreuungsform die Voraussetzung. Die ist in Deutschland, trotz des verbrieften Rechtes auf einen Kindergartenplatz schwer zu finden. Noch schwieriger wird es, wenn die Mutter bereits vor dem dritten Lebensjahr des Kindes erwerbstätig werden möchte oder muss. Das mangelhafte Angebot an Krippenplätzen, die fehlende Flexibilität der Einrichtungen hinsichtlich Öffnungs- und Schließzeiten und der finanzielle Aufwand (z.B. für eine zusätzliche Tagesmutter) vereiteln häufig die Berufstätigkeit. Und die finanzielle Unabhängigkeit. Damit sind Alleinerziehende besonders häufig betroffen von Verdienstausfällen, Karriereknicken und sozialem Abstieg.

Kehrt die Mutter nach der Geburt an ihren Arbeitsplatz zurück oder findet einen neuen (oft schlechter bezahlten) Teilzeitjob, beginnt die Terminjonglage. Kind(er) und Beruf unter einen Hut zu bringen, erfordert in Deutschland extreme Flexibilität. Krankheitsfälle, Ferienzeiten oder beruflich erforderliche Überstunden und Reisetätigkeiten stressen enorm, denn sie bedeuten einen organisatorischen Mehraufwand, der nur mit einem verlässlichen sozialen Netz leistbar ist.

Und schließlich gibt es noch das Rabenmutter-Syndrom: Mütter, die arbeiten, können nicht ausreichend für ihre Kinder da sein. Klischees wie diese treffen jede Mutter, die den Spagat zwischen meist notwendiger finanzieller Absicherung und bestmöglicher Kinderversorgung versucht. Das Rabenmutter-Syndrom erzeugt psychischen Druck und verringert die Motivation (nicht die Notwendigkeit!) der jungen Mütter, entspannt ihrem Beruf nachgehen zu können oder gar ihre Karrierepläne zu verfolgen.

Tipps:

Auszeiten einplanen

Notieren Sie in Ihrem Familienplaner Auszeiten für sich. Machen Sie dafür keine Pläne, sondern entscheiden Sie spontan, worauf Sie Lust haben. Auch eine Wunschliste kann helfen, wieder zufriedener zu werden: Welche Dinge machen Ihnen Freude? Was wollten Sie schon immer mal tun? Oder was haben Sie vor lauter Stress schon lange nicht mehr getan? Fangen Sie ganz langsam an, sich Punkte dieser Liste zu erfüllen.

Übrigens müssen Auszeiten nicht immer effektiv genutzte Zeit sein. Im Gegenteil: sich ziellos treiben zu lassen hat manchmal einen viel größeren Entspannungswert.

Der eigenen Intuition folgen

Bekannte rümpfen die Nase, weil Ihr Kind noch nicht sauber, die Wohnung nicht pico-bello oder die Ablage nicht abgearbeitet ist? So what? Befreien Sie sich von solchem äußeren Druck! Folgen Sie Ihrer eigenen Intuition und nehmen Sie nicht so ernst, was andere denken oder erwarten, damit liegen Sie meistens richtig!

Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Kind entwickelt sich gut, dann brauchen Sie sich um die Kommentare anderer nicht zu kümmern. Und eine Rabenmutter sind Sie bestimmt nicht, wenn Sie Hilfe in Job, Haushalt oder Kinderbetreuung annehmen. Kinder Alleinerziehender werden durch Krippe, Kindergarten und Hort häufig schneller selbstständig. Die Gruppenaktivitäten motivieren sie, ihre sozialen Kompetenzen und Fähigkeiten frühzeitig auszubilden.

Vom Perfektionismus verabschieden

Viele Alleinerziehende haben den Anspruch alles allein schaffen zu wollen, noch dazu so gut wie möglich. Perfektionismus ist eine utopische Vorstellung, die unnötig viel Kraft kostet und Enttäuschung in sich birgt.

Wer berufstätig ist und Kinder versorgt, kann keinen perfekten Haushalt haben. Überlegen Sie lieber, was Ihnen wirklich wichtig ist - in der Kindererziehung, hinsichtlich Ihrer Arbeit und in der Freizeit mit Ihrem Kind. Notieren Sie sich diese Dinge auf einem Zettel, hängen Sie ihn gut sichtbar irgendwo auf und verzichten Sie auf alle Dinge, die Ihnen nicht so wichtig sind - ohne schlechtes Gewissen.

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