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Die richtige Geburtsklinik


Die richtige GeburtsklinikBild: Still Representation - Fotolia.com

Welche ist die richtige Klinik für die Geburt meines Kindes? Diese Entscheidung sollte das Paar gemeinsam treffen. Wir nennen die wichtigsten Kriterien.

Spätestens im letzten Drittel der Schwangerschaft steht die Entscheidung für einen Geburtsort steht an. Die meisten Männer begleiten ihre Partnerin bei der Geburt, also sollten auch sie sich informieren. Und ihre Bedürfnisse äußern, denn auch für den Vater kann es ein sehr langer Tag werden.

Die meisten Kliniken bieten Informationstage an, bei denen man sich die Geburtsstation zeigen und das Konzept sowie alle Angebote erklären lassen kann. Bei einem solchen Besuch sollten Sie auf Ihren ersten Eindruck achten, denn der Wohlfühlfaktor für eine gute Geburt genauso wichtig wie die medizinische Versorgung.

Wesentlich ist ein freundliches Geburtszimmer, in warmen Farben gestrichen. Selbstverständlich sollte es mit Geräten ausgestattet sein, die eine optimale Vorbereitung der Geburt und verschiedene Gebärpositionen ermöglichen. Zum üblichen Standard gehören heute Gebärhocker, Pezziball, Badewanne, Seil und Gymnastikmatte. Außerdem sollte es möglich sein, den Raum ein wenig persönlich gestalten zu können, eigene Musik mitzubringen, Tücher, Decken oder andere eigene "Wohlfühlgegenstände".

Die Geburt strengt auch den Vater an


Die Rolle des Vaters ist vor allem die Begeleitung und Unterstützung der Mutter. Außerdem sollte er als ihr "Anwalt" fungieren, um ihre Interessen gegenüber dem Personal zu vertreten, wenn sie es selbst unter der Geburt nicht kann. Aber selbstverständlich muss es ihm dabei auch gut gehen! Die Qualität einer Klinik erweist sich auch darin, für den Vater eine positive Atmosphäre zu schaffen. Leider gibt es immer noch viele Einrichtungen, die an die Begleitperson überhaupt nicht denken. Wer einmal versucht hat, in der Geburtsnacht auf einem Gebärstuhl sitzend ein wenig zu schlafen, weiß wovon ich spreche. Gibt es im Geburtszimmer einen Stuhl für den Vater oder muss er sich den irgendwo besorgen? Und stehen ein Schrank oder Kleiderhaken zur Verfügung, damit er seine Sachen unterbringen kann und seine Jacke nicht auf den Boden werfen muss?

Viele Frauen finden es entspannend, zumindest einige Zeit in der großen Badewanne zu verbringen. Der Mann kann sie unterstützen, indem er sie hält. Das lässt sie körperlich spüren, dass er bei ihr ist und wirklich an der Geburt teilnimmt. Aber ist das überhaupt möglich? Wenn neben der Hebamme und dem Arzt niemand mehr an der Wanne Platz hat, steht man hilflos daneben. Und das ist ein Gefühl, dass Sie sich in dieser Situation unbedingt ersparen sollten.

Der Vater als Anwalt der Mutter


Die Ausstattung für den Marathon


Von den ersten Wehen bis zur Entbindung können schon mal sechzehn Stunden oder mehr vergehen. Wer eine ambulante Geburt plant, muss nicht die gesamte Zeit in der Klinik verbringen. Oft sind die Wehen noch nicht regelmäßig oder häufig genug, dann hilft es noch einmal spazierenzugehen. Gibt es in Kliniksnähe einen Park oder ein ansprechendes Gelände?

Nach einigen Stunden in der Klinik meldet sich ein bekanntes Grummeln im Bauch. In dem des Vaters, denn die Mutter ist mit etwas anderem beschäftigt. Wo gibt es etwas zu Essen? Gibt es eine Kantine, ein Angehörigenbuffet oder wenigstens einen Snackautomaten? Diese Frage sollten Sie unbedingt klären und notfalls eine Picknicktasche packen, denn es ist niemandem geholfen, wenn Sie zwischendurch wegen Hungers nervös auf- und abtigern oder gar einen Schwächeanfall erleiden.

Nach der Geburt wollen die meisten Väter mit Mutter und Kind in der Klinik bleiben. Zur Unterstützung, um mit dem Kind Kontakt zu haben, um es anzuschauen, die Liebe zu genießen - und um sich auszuruhen. Viele Entbindungsstationen sind darauf eingerichtet, dass Sie bei der Mutter bleiben können. Dafür stehen entweder Doppelzimmer für die Eltern zur Verfügung oder wenigstens ein Ruheraum, in dem Sie sich hinlegen können.

Die meisten Eltern möchten ihr Kind gleich ganz bei sich haben. Fragen Sie nach, ob ein solches "Vierundzwanzig-Stunden-Rooming-In" möglich ist. Das Neugeborene schläft dann normalerweise in einem Stubenwagen im Zimmer der Mutter bzw. der Eltern und kann jederzeit ins Bett geholt werden.

Der Vater als Anwalt der Mutter


Unter der Geburt muss der Vater darauf achten, dass alles so abläuft, wie man es geplant hat. Es ist daher wichtig im Vorfeld zu besprechen, was die Mutter möchte und was nicht. Wie geht man mit Schmerzmitteln um? Es gibt in vielen Kliniken die Möglichkeit sanfter Schmerzbehandlung durch Akupunktur oder homöopathische Mittel. Andere bieten an, dass die Mutter über eine Schmerzmittelpumpe selber bestimmt, wie viel Wirkstoff sie bekommt. Unter Umständen ist auch die Periduralanästhesie (PDA) wünschenswert. Das ist eine lokale Betäubung des Rückenmarks, die vor allem bei einem Kaiserschnitt in Betracht kommt. Was Sie entschieden haben, sollten Sie unbedingt bei der Ankunft in der Klinik der Hebamme mitteilen. Insbesondere in Häusern mit Schichtdienst kann nicht davon ausgegangen werden, dass das medizinische Personal alle Informationen sofort präsent hat. Bei einem Wechsel der Habamme kann es nötig sein, dies noch einmal zu wiederholen.

Kaiserschnitt und der Dammschnitt sind häufige medizinische Eingriffe. Fragen Sie, wie oft diese Methoden in der Klinik angewendet werden. Richtwert: Unter 20% der Geburten sollten davon betroffen sein. Auch die Methode des Eingriffs sollte man sich genauer ansehen. Wird der Misgav Ladach Kaiserschnitt, der sogenannte sanfte Kaiserschnitt, angeboten?

In jedem Fall sollten sich die Eltern vor der Geburt gründlich mit den medizinischen Möglichkeiten auseinandersetzen und sich genau über das Vorgehen einigen, damit die Mutter sich bei der Entbindung über solche Fragen keine Gedanken machen muss. Die Hebamme ist für Informationen und als Beratung in aller Regel eine gute Adresse.

Die Bandbreite der Geburtskliniken ist groß. Vom unfreundlichen, sterilen Kreissaal, der einer Abfertigungshalle ähnelt, bis zum freundlichen Geburtszimmer mit Aromatherapie, Massagen und anschließendem Candlelightdinner für frischgebackene Eltern ist alles möglich. Es gilt: Frühzeitig und umfassend informieren und eine wohl überlegte Wahl treffen. Dann erleben Sie dieses wunderbare aber eben doch (auch für den Vater) sehr anstrengende Ereignis unter den besten Voraussetzungen.

Sven Stemmer

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